Zuwen­dun­gen an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen

Spen­den an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen sind nicht nach § 10b Abs. 2 EStG begüns­tigt.

Zuwen­dun­gen an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen

Die feh­len­de Begüns­ti­gung von Spen­den und Bei­trä­gen an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig. Die Chan­cen­gleich­heit von Par­tei­en und die­sen poli­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne wer­de hier­durch nicht ver­letzt.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof nun­mehr ent­schie­den hat, sind zwar Spen­den an poli­ti­sche Par­tei­en i.S. von § 2 PartG bis zur Höhe von ins­ge­samt 1.650 € und im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung bis zur Höhe von 3.300 € im Kalen­der­jahr abzieh­bar. Neh­men Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen aber nicht an den Bun­des­tags- oder Land­tags­wah­len teil, sind sie kei­ne Par­tei­en i.S. des PartG. Ein Spen­den­ab­zug nach § 10b EStG ist damit aus­ge­schlos­sen. Spen­dern steht ledig­lich die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 34g Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG zu.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall wand­te der Spen­der einer kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gung Beträ­ge zu, die die nach § 34g EStG begüns­tig­ten Aus­ga­ben über­stie­gen. Der nicht begüns­tig­te Teil­be­trag soll­te als Spen­de nach § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG berück­sich­tigt wer­den. Das Finanz­amt lehn­te den Spen­den­ab­zug ab, da die kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gung kei­ne Par­tei i.S. des § 2 PartG sei.

Sowohl die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge beim Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf 1 wie auch die Revi­si­on vor dem Bun­des­fi­nanz­hof blie­ben erfolg­los: Nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die feh­len­de Begüns­ti­gung von Spen­den und Bei­trä­gen an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich und ver­letzt deren Chan­cen­gleich­heit auf kom­mu­na­ler Ebe­ne nicht. Dies ent­spre­che der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, wel­ches wie­der­holt zu die­ser Fra­ge ent­schie­den habe. Die gel­ten­den Höchst­be­trä­ge stimm­ten infla­ti­ons­be­dingt im Wesent­li­chen mit den vom BVerfG über­prüf­ten Beträ­gen über­ein. Auch habe sich das recht­li­che Umfeld auf kom­mu­na­ler Ebe­ne nicht wesent­lich ver­än­dert. Schließ­lich sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Gesetz­ge­ber bei der sog. mit­tel­ba­ren Par­tei­en­fi­nan­zie­rung die beson­de­ren Auf­ga­ben der Par­tei­en auf regio­na­ler wie über­re­gio­na­ler Ebe­ne zu beach­ten habe.

Nach § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG sind Spen­den an poli­ti­sche Par­tei­en i.S. des § 2 PartG bis zur Höhe von ins­ge­samt 1.650 € und im ‑hier nicht vor­lie­gen­den- Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten bis zur Höhe von 3.300 EUR im Kalen­der­jahr als Son­der­aus­ga­ben abzieh­bar.

Par­tei­en sind gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 PartG Ver­ei­ni­gun­gen von Bür­gern, die dau­ernd oder für län­ge­re Zeit für den Bereich des Bun­des oder eines Lan­des auf die poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung Ein­fluss neh­men und an der Ver­tre­tung des Vol­kes im Deut­schen Bun­des­tag oder einem Land­tag mit­wir­ken wol­len, wenn sie nach dem Gesamt­bild der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se, ins­be­son­de­re nach Umfang und Fes­tig­keit ihrer Orga­ni­sa­ti­on, nach der Zahl ihrer Mit­glie­der und nach ihrem Her­vor­tre­ten in der Öffent­lich­keit eine aus­rei­chen­de Gewähr für die Ernst­haf­tig­keit die­ser Ziel­set­zung bie­ten. Mit­glie­der einer Par­tei kön­nen nur natür­li­che Per­so­nen sein (§ 2 Abs. 1 Satz 2 PartG). Eine Ver­ei­ni­gung ver­liert ihre Rechts­stel­lung als Par­tei, wenn sie sechs Jah­re lang weder an einer Bun­des­tags­wahl noch an einer Land­tags­wahl mit eige­nen Wahl­vor­schlä­gen teil­ge­nom­men hat (§ 2 Abs. 2 PartG).

Vor­lie­gend hat die Wäh­ler­ver­ei­ni­gung jeden­falls nicht an der Bun­des­tags- oder einer Land­tags­wahl mit eige­nen Wahl­vor­schlä­gen teil­ge­nom­men und erfüllt schon des­halb die in § 2 Abs. 2 PartG genann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht.

Die Ansicht, der Par­tei­en­be­griff sei unmit­tel­bar Art. 21 GG zu ent­neh­men und des­halb eine Teil­nah­me an Bun­des­tags- oder Land­tags­wah­len nicht zu for­dern 2, geht fehl, ver­weist § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG doch aus­drück­lich auf das PartG 3. Auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat des­halb für den inso­weit inhalts­glei­chen § 10b Abs. 2 EStG 1983 eine sol­che (über den Wort­sinn hin­aus­ge­hen­de) Aus­le­gung ange­sichts des ein­deu­ti­gen Wort­lauts der Vor­schrift nicht für mög­lich erach­tet 4. Dem stimmt der Bun­des­fi­nanz­hof für die hier maß­geb­li­che Fas­sung des § 10b Abs. 2 EStG zu.

Dies gilt selbst dann, wenn man die Beschrän­kung des Par­tei­en­be­griffs an sich auf § 2 PartG und damit die dor­ti­ge Fest­le­gung auf eine Teil­nah­me bei Bun­des­tags- oder Land­tags­wah­len für nicht mit Art. 21 Abs. 1 GG ver­ein­bar hält 5.

Auch in einem sol­chen Fall sind die Gren­zen der ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung zu beach­ten, deren Aus­gangs­punkt eben­falls das Gesetz und die von ihm ver­wand­te Begriff­lich­keit ist. Nur dann, wenn eine Norm unter Berück­sich­ti­gung von Wort­laut, Ent­ste­hungs­ge­schich­te, Zweck und Geset­zes­zu­sam­men­hang meh­re­re Deu­tun­gen zulässt, von denen nur eine zu einem ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ergeb­nis führt, ist eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung gebo­ten und auch erlaubt. Wort­laut und Geset­zes­zweck zie­hen ansons­ten einer sol­chen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung Gren­zen. So kann ein Norm­ver­ständ­nis, das mit dem Wort­laut und Zweck der anzu­wen­den­den Nor­men sowie dem Geset­zes­zu­sam­men­hang nicht mehr in Ein­klang zu brin­gen ist, durch eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung eben­so wenig gewon­nen wer­den wie ein sol­ches, das in Wider­spruch zu dem klar erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers tre­ten wür­de 6.

Dies ist vor­lie­gend der Fall, da § 10b Abs. 2 EStG aus­drück­lich den Par­tei­en­be­griff auf den des PartG begrenzt.

Kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen ‑wie die des Streit­falls- kön­nen folg­lich auf­grund des ein­deu­ti­gen Wort­lauts des § 10b Abs. 2 EStG trotz ggf. vor­lie­gen­der Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Begriff­lich­keit in § 2 PartG und Art. 21 Abs. 1 GG kei­ne Par­tei­en i.S. des § 10b Abs. 2 EStG sein, da jeden­falls die in § 2 Abs. 2 PartG genann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt wer­den.

Die hier zu beur­tei­len­de Wäh­ler­ver­ei­ni­gung ist somit kein taug­li­cher Zuwen­dungs­emp­fän­ger i.S. des § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG, wes­halb ein Spen­den­ab­zug für den § 34g Satz 1 Nr. 2 EStG über­stei­gen­den Betrag nicht in Betracht kommt.

Die Rege­lung des § 10b Abs. 2 EStG i.V.m. § 34g EStG ist ver­fas­sungs­ge­mäß.

Der Spen­der ver­langt eine (voll­stän­di­ge) Gleich­stel­lung bei der Behand­lung von Spen­den an Par­tei­en und den in § 34g Satz 1 Nr. 2 EStG genann­ten Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen – dort als Ver­ei­ne ohne Par­tei­cha­rak­ter bezeich­net. Aus sei­ner Sicht sei es ver­fas­sungs­mä­ßig gebo­ten, die § 34g EStG über­stei­gen­den Zuwen­dun­gen an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen als Spen­den nach § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG zu berück­sich­ti­gen.

Das BVerfG hat wie­der­holt zur Beschrän­kung der steu­er­li­chen Abzugs­fä­hig­keit von Spen­den an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen ent­schie­den.

Durch Beschluss in BVerfGE 69, 92 hat es die in § 10b Abs. 2 EStG 1979 vor­ge­se­he­ne Beschrän­kung der steu­er­li­chen Abzugs­fä­hig­keit auf Bei­trä­ge und Spen­den, die poli­ti­schen Par­tei­en i.S. des § 2 PartG gewährt wer­den, als mit dem GG ver­ein­bar ange­se­hen und aus­ge­führt, dass hier­durch die Rech­te des Bür­gers auf glei­che Teil­ha­be an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung nicht ver­letzt sei­en. Der Gesetz­ge­ber sei ange­sichts der für das Ver­an­la­gungs­jahr 1979 maß­geb­li­chen Höchst­be­trä­ge nicht gehal­ten gewe­sen, die steu­er­li­che Abzieh­bar­keit auf Bei­trä­ge und Spen­den zu erstre­cken, die kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen zuge­wen­det wor­den sei­en 7. § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG 1979 sah einen Son­der­aus­ga­ben­ab­zug der Zuwen­dun­gen an poli­ti­sche Par­tei­en, nicht jedoch an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen mit den für das Ver­an­la­gungs­jahr 1979 maß­geb­li­chen Höchst­gren­zen der Abzugs­fä­hig­keit von 600 DM für Ledi­ge und 1.200 DM im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten vor.

Durch Beschluss in BVerfGE 78, 350 hat es das BVerfG für mit dem Recht auf Chan­cen­gleich­heit aus Art. 3 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 9, 28 Abs. 1 Satz 2 GG für unver­ein­bar erklärt, wenn nur Mit­glieds­bei­trä­ge und Spen­den an poli­ti­sche Par­tei­en, jedoch nicht an kom­mu­na­le Wäh­ler­ge­mein­schaf­ten nach § 10b i.V.m. § 34g EStG 1983 zu einer ein­kom­men­steu­er­li­chen Ver­güns­ti­gung führ­ten.

Bei Rege­lun­gen im Bereich der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung und Wah­len, ins­be­son­de­re auch bei mit­tel­ba­ren steu­er­li­chen Finan­zie­rungs­hil­fen, sei das Ermes­sen des Gesetz­ge­bers durch die­ses Gebot der grund­sätz­lich stren­gen Gleich­be­hand­lung und Chan­cen­gleich­heit beson­ders begrenzt. Dif­fe­ren­zie­run­gen bedürf­ten eines beson­de­ren, zwin­gen­den Grun­des zur Recht­fer­ti­gung. Die vor­ge­fun­de­ne Wett­be­werbs­la­ge zwi­schen kon­kur­rie­ren­den poli­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen dür­fe nicht ver­fälscht wer­den. Dies gel­te auch bezüg­lich ande­rer, mit den poli­ti­schen Par­tei­en kon­kur­rie­ren­den Grup­pen und Bewer­bern, ins­be­son­de­re ört­lich gebun­de­nen Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen.

Aller­dings sei dem Gesetz­ge­ber durch den Grund­satz der Chan­cen­gleich­heit der poli­ti­schen Par­tei­en und ande­rer Wahl­be­wer­ber und durch das Recht des Bür­gers auf glei­che Teil­ha­be an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung ver­bo­ten. So dür­fe der Gesetz­ge­ber auch bei der steu­er­min­dern­den Aner­ken­nung das im Ver­gleich zu den kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen sehr viel wei­ter gesteck­te Tätig­keits­feld der poli­ti­schen Par­tei­en, die ihnen vom GG; und vom PartG (§ 1) zuge­dach­te Rol­le und die dar­aus fol­gen­de Not­wen­dig­keit einer auf Dau­er ange­leg­ten und fest­ge­füg­ten, hohe Kos­ten ver­ur­sa­chen­den über­re­gio­na­len Orga­ni­sa­ti­on berück­sich­ti­gen. Folg­lich sei eine unter­schied­li­che steu­er­li­che Begüns­ti­gung in gewis­sen Gren­zen nicht zu bean­stan­den 8.

Soweit im damals zu ent­schei­den­den Fall Steu­er­vor­tei­le für Par­tei­en über die Rege­lung des § 34g EStG i.d.F. des Art. 4 Nr. 4 des Geset­zes zur Ände­rung des Par­tei­en­geset­zes und ande­rer Geset­ze 9 bis zu einem Höchst­be­trag von 100.000 DM, nicht jedoch auch für Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen, mög­lich waren, sah das BVerfG aller­dings ein Aus­maß erreicht, das im Ver­hält­nis zu den hier­von aus­ge­schlos­se­nen kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen ver­fas­sungs­recht­lich nicht hin­ge­nom­men wer­den kön­ne. Ver­schär­fend sei dabei das die kom­mu­na­le Ebe­ne aus­spa­ren­de Sys­tem der Wahl­kampf­kos­ten­er­stat­tung zu beach­ten, wel­ches nur die poli­ti­schen Par­tei­en erfas­se 10. Eine Recht­fer­ti­gung die­ser durch die §§ 10b, 34g EStG 1983 bewirk­ten Benach­tei­li­gung der kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen sah das BVerfG weder durch eine inten­si­ve­re Öffent­lich­keits­ar­beit der Par­tei­en, soweit sie ört­li­che Belan­ge betrifft, noch durch eine Gefähr­dung der Arbeits- und Funk­ti­ons­fä­hig­keit kom­mu­na­ler Ver­tre­tun­gen ‑wel­che das BVerfG nicht erwar­te­te- oder durch die nur die Par­tei­en betref­fen­de Rechen­schafts­pflicht aus Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG, §§ 23 ff. PartG.

Der fest­ge­stell­te Ver­stoß kön­ne ent­we­der durch eine Rück­füh­rung der steu­er­li­chen Begüns­ti­gung auf ein Aus­maß wie zu § 10b Abs. 2 EStG 1979 aus­ge­führt oder durch glei­che oder ähn­li­che Begüns­ti­gung der Bei­trä­ge und Spen­den an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen besei­tigt wer­den 11.

Eine nur gering­fü­gi­ge Aus­wir­kung auf die Chan­cen­gleich­heit hat das BVerfG auch in Bezug auf den mit § 10b Abs. 2 EStG 1979 inhalts­glei­chen, wenn auch nicht betrags­mä­ßig glei­chen § 10b Abs. 2 EStG 1981 ange­nom­men 12.

§ 10b Abs. 2 EStG 1981 beschränk­te die Abzieh­bar­keit von Bei­trä­gen und Spen­den an poli­ti­sche Par­tei­en auf 1.800 DM für Ledi­ge und 3.600 DM im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten. Aus­drück­lich wies das BVerfG dar­auf hin, dass die Anhe­bung der Abzugs­höchst­be­trä­ge für Spen­den und Bei­trä­ge den poli­ti­schen Par­tei­en nur vor­über­ge­hend ein spür­ba­res Gefäl­le gegen­über den kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen begrün­de, da nach Art. 1 Nr. 1 des Geset­zes zur steu­er­li­chen Begüns­ti­gung von Zuwen­dun­gen an unab­hän­gi­ge Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen vom 25.07.1988 13 sowie Art. 4 Nr. 11 Buchst. c des Geset­zes über Maß­nah­men zur Ent­las­tung der öffent­li­chen Haus­hal­te ‑Haus­halts­be­gleit­ge­setz 1989- vom 20.12 1988 14 Spen­den an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen seit dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1984 bis zu einem Höchst­be­trag von 600 DM, im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten von 1.200 DM von der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er (nach § 34g EStG) abge­setzt wer­den könn­ten.

Beach­tet man die­se vom BVerfG für den Bereich der Abzieh­bar­keit von Bei­trä­gen und Spen­den an kom­mu­na­le Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen her­aus­ge­bil­de­ten Kri­te­ri­en zur Kon­kre­ti­sie­rung der nach Art. 3 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 9, 28 Abs. 1 Satz 2 GG zu gewähr­leis­ten­den Chan­cen­gleich­heit zwi­schen Par­tei­en nach dem PartG und poli­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne, so kann eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der im Streit­jahr maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des § 10b Abs. 2 EStG i.V.m. § 34g EStG nicht ange­nom­men wer­den.

Zum einen ent­spre­chen die nun­mehr gel­ten­den Höchst­be­trä­ge infla­ti­ons­be­dingt im Wesent­li­chen den vom BVerfG über­prüf­ten Beträ­gen und bewe­gen sich auch im Hin­blick auf den kon­kre­ten Ein­zel­fall noch im Rah­men des ver­fas­sungs­recht­lich Hin­nehm­ba­ren. Zum ande­ren ver­mag der Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu erken­nen, dass sich das recht­li­che Umfeld auf kom­mu­na­ler Ebe­ne so ver­än­dert hät­te, dass (nun­mehr) von einer Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 10b Abs. 2 EStG i.V.m. § 34g EStG aus­zu­ge­hen wäre.

Die Pri­vi­le­gie­rung der poli­ti­schen Par­tei­en durch § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG ist ange­sichts der dort genann­ten Höchst­be­trä­ge ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Die Höchst­be­trä­ge des § 10b Abs. 2 Satz 1 EStG von 1.650 EUR bzw.03.300 EUR im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten ent­spre­chen infla­ti­ons­be­rei­nigt in etwa den Höchst­be­trä­gen des § 10b Abs. 2 EStG 1981.

Betrach­tet man die steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen, so betrug die jähr­li­che Steu­er­erspar­nis für Spen­der an Par­tei­en i.S. des § 2 PartG im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1981 im Höchst­fall etwas über 900 DM. Dass bei der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten Par­tei­spen­den bis zu 3.600 DM jähr­lich absetz­bar waren, änder­te dar­an nichts, da sich jeder der Ehe­gat­ten selb­stän­dig ent­schei­den konn­te 15. Die­sem Steu­er­vor­teil ent­spricht infla­ti­ons­be­dingt die auf­grund der aktu­el­len Höchst­be­trä­ge im Streit­jahr mög­li­che Steu­er­erspar­nis eines Ledi­gen von 742,50 € (1.650 € x Spit­zen­steu­er­satz von 45%) bzw. 783,34 € (1.650 € x Spit­zen­steu­er­satz von 45% zzgl. 5,5% Soli­da­ri­täts­zu­schlag).

Die Anhe­bung der Abzugs­höchst­be­trä­ge für Spen­den und Bei­trä­ge an poli­ti­sche Par­tei­en durch § 10b Abs. 2 EStG 1981 gegen­über § 10b Abs. 2 EStG 1979 hat auch nicht "ein spür­ba­res Gefäl­le gegen­über den kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen" 16 zur Fol­ge.

Selbst wenn ein sol­ches Gefäl­le unter­stellt wür­de, erschie­ne es aus Sicht des Bun­des­fi­nanz­hofs zumin­dest zwei­fel­haft, schon von einem ein­deu­ti­gen Ver­stoß des Rechts des Spen­ders auf glei­che Teil­ha­be am poli­ti­schen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess aus­ge­hen zu kön­nen. Denn die Erhö­hung des Spen­den­auf­kom­mens der poli­ti­schen Par­tei­en in Höhe die­ser Höchst­be­trä­ge des § 10b Abs. 2 EStG kommt nicht in glei­cher Höhe der kom­mu­na­len Arbeit der Par­tei­en zugu­te. Ins­be­son­de­re wer­den die Par­tei­en den grö­ße­ren Teil ihrer finan­zi­el­len Mit­tel nicht für Wahl­kämp­fe im kom­mu­na­len Bereich ein­set­zen kön­nen, da die­se Beträ­ge bei den Par­tei­en, anders als bei kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen, auch zur Unter­stüt­zung der von den Orts- und Kreis­ver­bän­den im Rah­men der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben zu ver­wen­den sind. Das Steu­er­ge­fäl­le kann sich des­halb nur zum Teil auf kom­mu­na­ler Ebe­ne aus­wir­ken.

Zum ande­ren ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Gesetz­ge­ber bei Rege­lun­gen der sog. mit­tel­ba­ren Par­tei­en­fi­nan­zie­rung die beson­de­ren Auf­ga­ben der Par­tei­en auf regio­na­ler wie über­re­gio­na­ler Ebe­ne zu beach­ten hat. Auch ist die Öffent­lich­keits­ar­beit der poli­ti­schen Par­tei­en wäh­rend der Wahl­pe­ri­ode der Gemein­de­ver­tre­tun­gen, soweit sie ört­li­che Belan­ge betrifft, häu­fig wesent­lich inten­si­ver als die der Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen. Folg­lich ergibt sich hier­aus ein gerin­ge­rer Finanz­be­darf die­ser Bewer­ber­grup­pe als der kom­mu­nal täti­ger Par­tei­en i.S. des § 2 PartG 17. Auch kann der Gesetz­ge­ber auf­grund des sehr viel wei­ter gesteck­ten Tätig­keits­fel­des der poli­ti­schen Par­tei­en und der ihnen zuge­dach­ten Rol­le im Ver­gleich zu kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen eine unter­schied­li­che Behand­lung bei der Ein­kom­men­steu­er vor­neh­men 18.

Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­mag eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der unter­schied­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Behand­lung von Spen­den und Bei­trä­gen nach § 10b Abs. 2 EStG i.V.m. § 34g EStG auch dann nicht zu erken­nen, wenn es zwi­schen­zeit­lich zu einer Anglei­chung der Par­tei­en i.S. des § 2 PartG und kom­mu­na­ler Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen gekom­men sein soll­te.

Zwar hat das BVerfG den Aus­schluss kom­mu­na­ler Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen schon sehr früh damit begrün­det, dass die poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung des Vol­kes im eigent­li­chen Sin­ne nur im Bun­des­tag und in den Lan­des­par­la­men­ten voll­zo­gen wer­de. Auf der Ebe­ne der Gebiets­kör­per­schaf­ten fie­len hin­ge­gen nicht eigent­lich poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen. Gebiets­kör­per­schaf­ten sei­en viel­mehr in ers­ter Linie Trä­ger von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben 19, mag dies zur Über­prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des in § 2 PartG ver­wen­de­ten Par­tei­en­be­griffs geeig­net sein. Eine not­wen­di­ge Gleich­stel­lung der Par­tei­en i.S. des § 2 PartG und der kom­mu­na­len Wäh­ler­ge­mein­schaf­ten in Bezug auf die mit­tel­ba­re Finan­zie­rung durch Spen­den und Bei­trä­ge ist auf­grund der auch dann wei­ter bestehen­den unter­schied­li­chen Auf­ga­ben­brei­te indes nicht zwin­gend.

Die umfas­sen­de Auf­ga­ben­brei­te der Par­tei­en i.S. des § 2 PartG, die auch zu Bun­des­tags- und Land­tags­wah­len antre­ten, reicht aus, um eine steu­er­li­che Bes­ser­stel­lung gegen­über kom­mu­na­len Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen zu recht­fer­ti­gen. Schließ­lich bleibt die­se Auf­ga­ben­brei­te unab­hän­gig vom Par­tei­en­be­griff bei kom­mu­na­len Wäh­ler­ge­mein­schaf­ten auf den kom­mu­na­len Bereich und damit in sei­ner finan­zi­el­len Aus­wir­kung begrenzt.

Soweit der Spen­der auf den Beschluss des BVerfG in BVerfGE 121, 108 zu § 13 Abs. 1 Nr. 18 ErbStG ver­weist, ergibt sich nichts Ande­res. Zum einen bezieht sich die­se Ent­schei­dung nicht auf § 10b Abs. 2 EStG i.V.m. § 34g EStG, son­dern allein auf eine Rege­lung des ErbStG. Zum ande­ren war dort, anders als in § 10b Abs. 2 EStG i.V.m. § 34g EStG, eine Begüns­ti­gung der Par­tei­en i.S. des § 2 PartG ohne Beschrän­kung auf Höchst­be­trä­ge vor­ge­se­hen, die des­halb nach Ansicht des BVerfG zu einer erheb­li­chen Beein­flus­sung der Chan­cen­gleich­heit im poli­ti­schen Wett­be­werb führt 20.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. März 2017 – X R 55/​14

  1. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 10.09.2014 – 15 K 1532/​13 E[]
  2. vgl. etwa Len­ski, Par­tei­en­gesetz, 2011, Rz 18; Streinz in Starck, Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, Art. 21 Abs. 1 Rz 59; wohl auch Kunig, Grund­ge­setz, Bd. 1: Prä­am­bel bis Art. 69, 6. Aufl., Mün­chen 2012, Art. 21 Rz 20, der von der Behand­lung die­ser Ver­ei­ni­gun­gen "wie" Par­tei­en i.S. des PartG spricht[]
  3. eben­so etwa Morlok/​Merten, Die öffent­li­che Ver­wal­tung 2011, 125, 126 Fn 9, dort m.w.N.[]
  4. vgl. nur BVerfG, Beschluss in BVerfGE 78, 350, unter C[]
  5. so etwa Hill­gru­ber in Merten/​Papier, Hand­buch der Grund­rech­te, § 118 Rz 17; Mor­lok in Drei­er, Grund­ge­setz, Art. 21 Rz 37; zwei­felnd: Ipsen in Sachs, Grund­ge­setz, Art. 21 Rz 19[]
  6. BVerfG, Beschluss vom 15.10.1996 1 BvL 44, 48/​92, BVerfGE 95, 64 (93); vgl. auch BFH, Vor­la­ge­be­schluss vom 02.08.2006 – XI R 30/​03, BFHE 214, 406 (410), BSt­Bl II 2006, 895, 897[]
  7. dort unter C.III.[]
  8. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 78, 350, unter C.I., mit Hin­weis auf BVerfG, Beschluss in BVerfGE 69, 92 ((108 ff.[]
  9. BGBl I 1983, 1577[]
  10. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 78, 350, unter C.II. 3.[]
  11. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 78, 350, unter C.III. 1.[]
  12. BVerfG-Kam­mer­be­schluss in INF 1991, 311[]
  13. BGBl I 1988, 1185[]
  14. BGBl I 1988, 2265[]
  15. vgl. nur BVerfG, Beschluss in BVerfGE 69, 92, unter C.III. 2., m.w.N.[]
  16. BVerfG, Beschluss in INF 1991, 311, Rz 6[]
  17. so schon BFH, Urteil in BFHE 158, 537, BSt­Bl II 1990, 158 unter Hin­weis auf BVerfG, Beschluss in BVerfGE 78, 350[]
  18. so schon BFH, Beschluss vom 14.05.1998 – X B 164/​97, BFH/​NV 1999, 29[]
  19. so BVerfG, Urteil vom 23.10.1952 1 BvB 1/​51, BVerfGE 2, 1 (76).

    Soweit in der Fol­ge­zeit dage­gen dar­auf ver­wie­sen wird, die­se Dif­fe­ren­zie­rung sei falsch, weil ört­li­che und poli­ti­sche Bedeu­tung kei­ne Gegen­sät­ze sei­en und die Ent­schei­dungs­pro­zes­se sich von unten nach oben voll­zö­gen ((vgl. nur Kunig, Hand­buch des Staats­rechts, 3. Aufl.2005, § 40 Rz 80, m.w.N.[]

  20. vgl. dort unter C.II. 2.c[]