Gegen die gesetzliche Höhe des Säumniszuschlags nach § 240 Abs. 1 Satz 1 AO bestehen auch für Zeiträume nach dem 31.12.2018 keine verfassungsrechtlichen Bedenken1.
Wird eine Steuer nicht bis zum Ablauf des Fälligkeitstages entrichtet, so ist für jeden angefangenen Monat der Säumnis ein Säumniszuschlag von 1 % des abgerundeten rückständigen Steuerbetrags zu entrichten (§ 240 Abs. 1 Satz 1 AO).
Der VII. Senat des Bundesfinanzhofs hat mit seinen Urteilen vom 23.08.2022; und vom 15.11.20222 für Zeiträume vor dem 01.01.2019 entschieden, dass auch bei einem strukturellen Niedrigzinsniveau gegen die in § 240 Abs. 1 Satz 1 AO festgelegte Höhe des Säumniszuschlags keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen.
Insbesondere lassen sich den genannten Urteilen zufolge weder die vom Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss vom 08.07.20213 herausgearbeiteten Grundsätze, nach denen die Verzinsung von Steuernachforderungen und -erstattungen nach §§ 233a, 238 AO in Höhe von 0, 5 % pro Monat für Verzinsungszeiträume ab dem 01.01.2014 mit Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar ist, auf den Säumniszuschlag übertragen, noch verstößt die Höhe des Säumniszuschlags gegen das Übermaßverbot und verletzt daher auch nicht das Rechtsstaatsprinzip nach Art.20 Abs. 3 GG.
Der hier X. Senat folgt dieser Rechtsprechung und nimmt wegen der Einzelheiten darauf Bezug. Zwar betreffen die genannten Entscheidungen des VII. Senats Zeiträume vor dem 01.01.2019. Die tragenden Gründe der vom VII. Senat vorgenommenen -eigenständigen- verfassungsrechtlichen Prüfung gelten aber gleichermaßen für Zeiträume nach dem 31.12.2018.
Die genannten Entscheidungen des VII. Senats sind am 09.02.20234 und am 30.03.20235 veröffentlicht worden. Die vom III., V. und VIII. Senat in Verfahren der Aussetzung der Vollziehung geäußerten Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Säumniszuschläge6 sind nach Auffassung des hier beschließenden X. Bundesfinanzhofs durch die -im Hauptsacheverfahren ergangenen- Entscheidungen des VII. Senats überholt.
Bundesfinanzhof, Urteil vom 23. August 2023 – X R 30/21
- Anschluss an BFH, Urteile vom 23.08.2022 – VII R 21/21, BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304; und vom 15.11.2022 – VII R 55/20, BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621[↩]
- BFH, Urteile vom 23.08.2022 – VII R 21/21, BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304, Rz 38 ff.; und vom 15.11.2022 – VII R 55/20, BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621, Rz 19 ff.[↩]
- BVerfG, Beschluss vom 08.07.2021- 1 BvR 2237/14, 1 BvR 2422/17, BGBl I 2021, 4303[↩]
- BFH, Urteil vom 23.08.2022 – VII R 21/21, BFHE 278, 1, BStBl II 2023, 304[↩]
- BFH, Urteil vom 15.11.2022 – VII R 55/20, BFHE 278, 403, BStBl II 2023, 621[↩]
- BFH, Beschlüsse vom 23.05.2022 – V B 4/22 (AdV), BFHE 276, 535; vom 11.11.2022 – VIII B 64/22 (AdV), BFHE 278, 36; und vom 28.12.2022 – III B 48/22 (AdV), BFH/NV 2023, 970[↩]











