Fest­stel­lun­gen zum anwend­ba­ren aus­län­di­schen Recht im Urteils­tat­be­stand

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 1 steht es im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Finanz­ge­richt, wie es das aus­län­di­sche Recht ermit­telt. Die Anfor­de­run­gen an Umfang und Inten­si­tät der Ermitt­lungs­pflicht des Tatrich­ters hän­gen dabei von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab.

Fest­stel­lun­gen zum anwend­ba­ren aus­län­di­schen Recht im Urteils­tat­be­stand

Höhe­re Anfor­de­run­gen an die Ermitt­lungs­pflicht kön­nen sich ins­be­son­de­re dar­aus erge­ben, dass das aus­län­di­sche Recht sehr kom­plex oder sehr fremd gegen­über dem natio­na­len Recht ist oder dass die Betei­lig­ten die aus­län­di­sche Rechts­pra­xis detail­liert und kon­tro­vers vor­tra­gen.

Da das aus­län­di­sche Recht nicht zum Bun­des­recht i.S. des § 118 Abs. 1 FGO gehört und die Fest­stel­lun­gen zu Bestehen und Inhalt des aus­län­di­schen Rechts revi­si­ons­recht­lich wie Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen zu behan­deln sind, kann mit der Revi­si­on zwar nicht gel­tend gemacht wer­den, die Vor­ent­schei­dung beru­he auf der feh­ler­haf­ten Anwen­dung aus­län­di­schen Rechts. Die grund­sätz­lich für den Bun­des­fi­nanz­hof bestehen­de Bin­dungs­wir­kung (§ 155 FGO i.V.m. § 560 ZPO) an die erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen zum aus­län­di­schen Recht ent­fällt aller­dings, soweit die Fest­stel­lun­gen auf einem nur kur­so­ri­schen Über­blick über die zu behan­deln­de Mate­rie beru­hen.

In die­sem Fall liegt ein mate­ri­el­ler Man­gel der Vor­ent­schei­dung vor 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. April 2015 – III R 6/​14

  1. BFH, Urteil vom 13.06.2013 – III R 10/​11, BFHE 241, 562, BSt­Bl II 2014, 706, Rz 29, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 241, 562, BSt­Bl II 2014, 706, Rz 38, m.w.N.[]