Fris­ten­kon­trol­le – die Akte in der Hand des Sach­be­ar­bei­ters

Ein bevoll­mäch­tig­ter Steu­er­be­ra­ter kann bei ord­nungs­ge­mä­ßer Büro­or­ga­ni­sa­ti­on zwar dar­auf ver­trau­en, dass ihm Fris­ten­sa­chen recht­zei­tig vor­ge­legt und die von ihm erteil­ten Anwei­sun­gen befolgt wer­den. Ein Büro­ver­se­hen ist jedoch nicht ursäch­lich für die Frist­ver­säum­nis, wenn der Bevoll­mäch­tig­te die­se selbst hät­te ver­hin­dern kön­nen.

Fris­ten­kon­trol­le – die Akte in der Hand des Sach­be­ar­bei­ters

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, der sich das Finanz­ge­richts Köln anschließt, kann ein Bevoll­mäch­tig­ter sich des­halb nicht auf die rou­ti­ne­mä­ßi­ge Berech­nung und Kon­trol­le der in sei­nem Büro gän­gi­gen Fris­ten durch eine zuver­läs­si­ge und sorg­fäl­tig aus­ge­wähl­te und über­wach­te Büro­kraft ver­las­sen, wenn ihm die Sache zur Vor­be­rei­tung der frist­ge­bun­de­nen Hand­lung vor­ge­legt wird. In die­sem Fall ist er ver­pflich­tet, den Frist­ab­lauf eigen­ver­ant­wort­lich nach­zu­prü­fen. Das gilt selbst dann, wenn ihm, was im Streit­fall nicht gege­ben war, die Akte bei der Bear­bei­tung der Sache gar nicht vor­ge­le­gen hat 1. Denn im Moment der Vor­la­ge des Vor­gangs zur eigen­stän­di­gen Behand­lung frist­ge­bun­de­ner Hand­lun­gen wer­den die bis­her über­trag­ba­ren Ange­le­gen­hei­ten zu eige­nen Oblie­gen­hei­ten des Bevoll­mäch­tig­ten, so dass sich die­ser auf ein ent­schuld­ba­res Büro­ver­se­hen dann nicht mehr beru­fen kann. Viel­mehr muss der Bevoll­mäch­tig­te selbst prü­fen, wann die Rechts­mit­tel­frist abläuft und für die recht­zei­ti­ge Bear­bei­tung der Sache Sor­ge tra­gen.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 30. Mai 2012 – 7 K 511/​09

  1. vgl. BFH, Urteil vom 30.12.2002 – VIII R 66/​00, BFH/​NV 2003, 924, m.w.N.[]