Jah­res­steu­er­ge­setz 2020

Das Jahr 2020 hat sich dem Ende zuge­neigt. Wie in jedem Jahr ist auch die­ses Jahr im Dezem­ber das Jah­res­steu­er­ge­setz beschlos­sen wor­den. Am 16. Dezem­ber 2020 hat der Bun­des­tag den Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung für das Jah­res­steu­er­ge­setz 2020 beschlos­sen. Durch den Bun­des­rat ist die Zustim­mung am 18. Dezem­ber 2020 erfolgt.

Jah­res­steu­er­ge­setz 2020

In über ein­hun­dert ein­zel­nen Rege­lun­gen tre­ten damit zu Beginn des neu­en Jah­res diver­se Geset­zes­än­de­run­gen durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2020 in Kraft. Und auch hier hat sich die durch die Coro­na-Pan­de­mie her­vor­ge­ru­fe­ne beson­de­re Situa­ti­on bemerk­bar gemacht:

Wie das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um betont, wer­den durch die Geset­zes­neue­run­gen nicht nur Vor­ga­ben der Euro­päi­schen Uni­on in natio­na­les Recht umge­setzt und auf die neue­re Recht­spre­chung reagiert, son­dern auch die Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie berück­sich­tigt. So sind in dem Jah­res­steu­er­ge­setz 2020 eini­ge Ent­las­tun­gen vor­ge­se­hen, die unbe­dingt bei Jah­res­end­ab­rech­nung und Finanz­buch­hal­tung berück­sich­tigt wer­den sollten:

  • Die befris­te­te Steu­er­frei­heit der Arbeit­ge­ber­zu­schüs­se zum Kurz­ar­bei­ter­geld, die durch das Coro­na-Steu­er­hil­fe­ge­setz vom 16. Juni 2020 [1] fest­ge­legt wor­den ist, wird gemäß § 3 Nr. 28a ESTG‑E bis zum Ende des Jah­res 2021 ver­län­gert. Somit kön­nen die Lohn­zah­lun­gen betrof­fen sein, die nach dem 29. Febru­ar 2020 begin­nen und vor dem 1. Janu­ar 2022 enden.
  • Außer­dem wer­den – wie die Bun­des­re­gie­rung mit­ge­teilt hat – die Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen klei­ne­rer Unter­neh­men bei Inves­ti­tio­nen ver­bes­sert. So steigt gemäß § 7g Abs. 1 Satz 1 ESTG‑E die Höhe der Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trä­ge von ehe­mals 40 auf 50 Pro­zent. Auch die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen für Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trä­ge und Son­der­ab­schrei­bun­gen ändern sich. Nicht nur die Grö­ßen­merk­ma­le zur Abgren­zung begüns­tig­ter Betrie­be wer­den ver­ein­heit­licht und eine höhe­re ein­heit­li­che Gewinn­gren­ze (150 000 Euro) nach § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 ESTG‑E fest­ge­legt, son­dern es besteht dem­nächst auch für ver­mie­te­te begüns­tig­te Wirt­schafts­gü­ter gemäß § 7g Abs. 1 Satz 1 ESTG‑E ein unein­ge­schränk­ter Anspruch auf Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trä­ge und Son­der­ab­schrei­bun­gen. Da die­se Neu­re­ge­lun­gen bei den Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Inan­spruch­nah­me von Son­der­ab­schrei­bun­gen schon für das Ver­an­la­gungs­jahr 2020 anwend­bar sind, sol­len dadurch schnellst­mög­li­che Liqui­di­täts­im­pul­se aus­ge­löst werden.
  • Wei­ter­hin wird mit der Home-Office-Pau­scha­le für die Jah­re 2020 und 2021 eine unbü­ro­kra­ti­sche steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung der Heim­ar­beit ermög­licht. Auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie gehen vie­le ihrer betrieb­li­chen bzw. beruf­li­chen Tätig­keit in ihrer Woh­nung nach. Bis zu einem maxi­ma­len jähr­li­chen Betrag von 600,00 Euro (oder 120 Heim­ar­beits­ta­gen) ist ein pau­scha­ler Abzug von 5,00 Euro pro Tag als Betriebs­aus­ga­ben bzw. Wer­bungs­kos­ten vor­ge­se­hen. Gel­tend gemacht wer­den kann die­se Home-Office-Pau­scha­le auch dann, wenn kein Arbeits­zim­mer in der pri­va­ten Woh­nung vor­han­den ist. Außer­dem wird für die Home-Office-Pau­scha­le vor­aus­ge­setzt, dass gan­ze Tage zu Hau­se gear­bei­tet wor­den sind. Ledig­lich stun­den­wei­se Heim­ar­beit wird nicht ange­rech­net. Wei­ter­hin ist zu beach­ten, dass für Heim­ar­beits­ta­ge kei­ne Fahrt­kos­ten gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Die Ent­fer­nungs­pau­scha­le ist für die betref­fen­den Tage nicht abziehbar.
  • Dar­über hin­aus blei­ben die Bei­hil­fen und Unter­stüt­zun­gen eines Arbeit­ge­bers, die die­ser wegen der Coro­na-Kri­se an Beschäf­tig­te geleis­tet hat, län­ger steu­er­be­güns­tigt. Damit wird dem Arbeit­ge­ber für die Abwick­lung der Zah­lun­gen mehr Zeit ein­ge­räumt und eine mög­li­cher­wei­se erfor­der­li­che Vor­fi­nan­zie­rung vermieden.
  • Beson­ders wich­tig für Online-Händ­ler, die grenz­über­schrei­tend tätig sind, ist der Neu­start des „One Stop Shop“ in Bezug auf die Mehr­wert­steu­er. Dem­nächst muss ein Unter­neh­mer, der auch im euro­päi­schen Aus­land tätig ist, nicht mehr in jedem ein­zel­nen Staat sei­ne Steu­er­pflich­ten erfül­len. Viel­mehr wird die Mehr­wert­steu­er zwin­gend zen­tral im Hei­mat­land des Unter­neh­mers über ein Web­por­tal (One Stop Shop) für alle Online-Umsät­ze in der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­wie­sen. Durch die Steu­er­be­hör­de des Hei­mat­lan­des wird dar­auf­hin die fäl­li­ge Steu­er an den jewei­li­gen EU-Staat über­wie­sen. Stammt der Unter­neh­mer aus einem Staat, der nicht der Euro­päi­schen Uni­on ange­hört, kann die­ser sich frei für einen Mit­glieds­staat ent­schei­den, über den dann die zen­tra­le Abwick­lung der Mehr­wert­steu­er für die gesam­ten Umsät­ze in der Euro­päi­schen Uni­on erfolgt.
  • Letzt­end­lich soll­te mit Beginn des Jah­res 2021 nicht ver­ges­sen wer­den, dass die auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie vor­ge­nom­me­ne Mehr­wert­steu­er­sen­kung aus­ge­lau­fen ist. Eine Ver­län­ge­rung der gesenk­ten Steu­er­sät­ze von 16 und 5 Pro­zent ist nicht vor­ge­se­hen. Folg­lich müs­sen alle Rech­nun­gen für 2021 aus­ge­führ­te Leis­tun­gen bzw. Lie­fe­run­gen wie­der 19 oder 7 Pro­zent Umsatz­steu­er ent­hal­ten. Also müs­sen in den Buch­hal­tungs­pro­gram­men die Umsatz­steu­er­sät­ze wie­der ange­passt wer­den. Dazu ist es hilf­reich, durch eine kom­ple­xe Buch­hal­tungs­soft­ware mit mög­lichst diver­sen Modu­len bei allen unter­neh­mens­re­le­van­ten Anfor­de­run­gen unter­stützt zu werden.
Weiterlesen:
Nichtigkeitsklage - wegen unterbliebener Vorlage an den Großen Senat?

  1. BGBl. I S. 1385[]

Bild­nach­weis:

  • Bun­des­fi­nanz­hof (BFH): Bild­rech­te beim Autor
  • Uhr,Zeit,: Pixabay