Organ­schaft und ver­bind­li­che Aus­kunft – und die dop­pel­te Gebüh­ren

Bean­tra­gen sowohl Organ­trä­ger als auch Organ­ge­sell­schaft einer ertrag­steu­er­li­chen Organ­schaft eine ver­bind­li­che Aus­kunft in Bezug auf den glei­chen Sach­ver­halt, fällt bei bei­den Antrag­stel­lern eine Aus­kunfts­ge­bühr an.

Organ­schaft und ver­bind­li­che Aus­kunft – und die dop­pel­te Gebüh­ren

Erteilt das Finanz­amt einem Steu­er­pflich­ti­gen auf des­sen Antrag hin eine für ihn güns­ti­ge Aus­kunft über einen in der Zukunft lie­gen­den Sach­ver­halt, sind das Finanz­amt und spä­ter ggf. die Finanz­ge­rich­te grund­sätz­lich an den Inhalt der Aus­kunft gebun­den, sodass Pla­nungs­si­cher­heit für den Steu­er­pflich­ti­gen besteht. Seit 2007 ist der Aus­kunfts­an­trag gebüh­ren­pflich­tig; die Höhe der Gebühr rich­tet sich nach dem Wert, den die erhoff­te Aus­kunft für den Steu­er­pflich­ti­gen hat (§ 89 Abs. 3 und 4 AO).

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­ten der Organ­trä­ger (eine GmbH) und sei­ne Organ­ge­sell­schaft (eine AG) im Jahr 2009 beim Finanz­amt einen gemein­sa­men Antrag auf ver­bind­li­che Aus­kunft über ein und den­sel­ben Sach­ver­halt gestellt. Das Finanz­amt erteil­te die Aus­kunft antrags­ge­mäß und setz­te in sepa­ra­ten Beschei­den gegen­über bei­den Gesell­schaf­ten die vol­le Gebühr für die Bear­bei­tung der Anträ­ge auf ver­bind­li­che Aus­kunft gemäß § 89 Abs. 3 bis 5 AO 1 in Höhe von jeweils 5.056 € fest.

Das Finanz­ge­richt Köln gab der wegen zwei­fa­cher Gebüh­ren­fest­set­zung erho­be­nen Kla­ge statt 2 und hob den die Organ­ge­sell­schaft betref­fen­den Gebüh­ren­be­scheid auf. Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Köln darf die Aus­kunfts­ge­bühr in der Kon­stel­la­ti­on des Streitalls nur ein­mal fest­ge­setzt wer­den; rich­ti­ger Gebüh­ren­schuld­ner sei die GmbH als Organ­trä­ge­rin. Der Bun­des­fi­nanz­hof hob nun das Köl­ner Urteil auf und wies die von der Organ­ge­sell­schaft erho­be­ne Kla­ge ab. Der Bun­des­fi­nanz­hof hält die dop­pel­te Gebüh­ren­er­he­bung für gerecht­fer­tigt, weil das Gesetz die Gebühr typi­sie­rend an den jewei­li­gen Antrag knüpft. Es bestehen kei­ne wei­ter­ge­hen­den Son­der­re­ge­lun­gen, aus denen sich ein Ent­fal­len des Gebüh­ren­an­spruchs für einen Fall der vor­lie­gen­den Art ergibt.

ie Finanz­äm­ter und das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern kön­nen gemäß § 89 Abs. 2 AO auf Antrag ver­bind­li­che Aus­künf­te über die steu­er­li­che Beur­tei­lung von genau bestimm­ten, noch nicht ver­wirk­lich­ten Sach­ver­hal­ten ertei­len, wenn dar­an im Hin­blick auf die erheb­li­chen steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen ein beson­de­res Inter­es­se besteht. Gemäß § 89 Abs. 3 Satz 1 AO wer­den für die Bear­bei­tung von Anträ­gen auf Ertei­lung einer ver­bind­li­chen Aus­kunft nach Absatz 2 Gebüh­ren nach den Absät­zen 4 und 5 erho­ben. Die Gebüh­ren wer­den gemäß § 89 Abs. 4 Satz 1 AO grund­sätz­lich nach dem Wert berech­net, den die ver­bind­li­che Aus­kunft für den Antrag­stel­ler hat (Gegen­stands­wert), und bestim­men sich dann in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 34 GKG (§ 89 Abs. 5 Satz 1 AO).

Die Gebüh­ren­pflicht, die den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen gerecht wird 3, knüpft danach an die Bear­bei­tung eines Antrags auf ver­bind­li­che Aus­kunft an und trifft den Antrag­stel­ler als Gebüh­ren­schuld­ner 4. Dabei ist als Antrag­stel­ler der­je­ni­ge anzu­se­hen, in des­sen Namen ein Antrag gestellt ist 5.

Die Vor­aus­set­zun­gen der Gebüh­ren­pflicht lie­gen in der Per­son der Organ­ge­sell­schaft vor.

Die Organ­ge­sell­schaft ist hier ‑neben der Organ­trä­ge­rin- Antrag­stel­le­rin eines vom Finanz­amt bear­bei­te­ten Antrags auf ver­bind­li­che Aus­kunft. Der Aus­kunfts­an­trag ist aus­drück­lich namens bei­der Gesell­schaf­ten gestellt wor­den. Zudem wur­den bei­de in die Dar­le­gung des steu­er­li­chen Inter­es­ses des Antrag­stel­lers (vgl. § 1 Abs. 1 Nr. 3 der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung von § 89 Abs. 2 der Abga­ben­ord­nung [Steu­er-Aus­kunfts­ver­ord­nung ‑StAuskV-] vom 30.11.2007, BGBl I 2007, 2783, BSt­Bl I 2007, 820) ein­be­zo­gen und für bei­de wur­de die Ver­si­che­rung abge­ge­ben, kei­nen ander­wei­ti­gen Antrag über die Fra­ge gestellt zu haben.

Wei­te­re Anfor­de­run­gen stellt das Gesetz an die Gebüh­ren­pflicht nicht. Es ist für § 89 Abs. 3 bis 5 AO ins­be­son­de­re ohne Bedeu­tung, ob neben dem ein­zel­nen Antrag­stel­ler wei­te­re Antrag­stel­ler die Beant­wor­tung der näm­li­chen Rechts­fra­ge bean­tragt haben 6. Die ver­bind­li­che Aus­kunft ist als Ver­wal­tungs­akt aus­ge­stal­tet 7 und mit die­sem Cha­rak­ter kor­re­spon­diert die Gebüh­ren­pflicht. Die ver­fah­rens­recht­li­che Selb­stän­dig­keit der Besteue­rung ver­schie­de­ner Steu­er­pflich­ti­ger im Hin­blick auf die Steu­er­fest­set­zung und das hier­aus für jeden Adres­sa­ten einer sol­chen Fest­set­zung resul­tie­ren­de Erfor­der­nis, für sich eine Aus­kunft zu erwir­ken, um eine Bin­dungs­wir­kung her­bei­zu­füh­ren, nimmt der Gebüh­ren­tat­be­stand auf, indem gegen­über jedem Antrag­stel­ler eine Gebühr fest­zu­set­zen ist, die sich in ers­ter Linie nach dem Wert der Aus­kunft für den indi­vi­du­el­len Antrag­stel­ler bemisst.

Die gesetz­li­che Rege­lung bie­tet kei­ne Hand­ha­be, den gesetz­lich fest­ge­leg­ten Gebüh­ren­an­spruch zu redu­zie­ren oder ganz in Fort­fall zu brin­gen, weil im Ein­zel­fall die Kos­ten­aus­gleichs­funk­ti­on oder die Vor­teils­aus­gleichs­funk­ti­on nicht voll­stän­dig oder gar nicht zum Tra­gen kom­men. Die­se bei­den Funk­tio­nen sind zwar die ver­fas­sungs­recht­lich legi­ti­mie­ren­den Sach­grün­de für den gesetz­li­chen Gebüh­ren­tat­be­stand 8. Ohne der­ar­ti­ge Grün­de dür­fen Gebüh­ren neben Steu­ern grund­sätz­lich nicht erho­ben wer­den 9. Das bedeu­tet aber nicht, dass die Recht­mä­ßig­keit der Gebüh­ren­er­he­bung davon abhän­gig ist, inwie­weit im Ein­zel­fall die Funk­tio­nen jeweils ein­schlä­gig sind und aus­ge­schöpft wer­den. Viel­mehr hat der Gesetz­ge­ber im Gebüh­ren­recht wie im Steu­er­recht einen erheb­li­chen Typi­sie­rungs­spiel­raum, von dem er im Hin­blick auf die Aus­kunfts­ge­bühr Gebrauch machen durf­te und Gebrauch gemacht hat. Daher ist für die Recht­mä­ßig­keit der Gebüh­ren­er­he­bung im Streit­fall auch ohne Belang, inwie­fern die dop­pel­te Antrag­stel­lung im Streit­fall zur Errei­chung der von den Antrag­stel­lern erhoff­ten Rechts­si­cher­heit erfor­der­lich gewe­sen ist oder ob eine ein­heit­li­che Ent­schei­dung gegen­über bei­den Gesell­schaf­ten auch über § 174 AO hät­te her­bei­ge­führt wer­den kön­nen.

Die in AEAO Nr. 4.1.3 zu § 89 nie­der­ge­leg­te Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung, es han­de­le sich jeweils nur um einen Antrag, soweit sich die recht­li­che Beur­tei­lung eines Sach­ver­halts auf einen Steu­er­pflich­ti­gen bezie­he 10, lässt sich für die streit­ge­gen­ständ­li­che Kon­stel­la­ti­on nicht dienst­bar machen. Denn Organ­trä­ger und Organ­ge­sell­schaft sind selb­stän­di­ge, von­ein­an­der ver­schie­de­ne Steu­er­sub­jek­te.

Der Gebüh­ren­pflicht der Organ­ge­sell­schaft als Organ­ge­sell­schaft kann auch nicht § 1 Abs. 2 StAuskV ent­ge­gen­hal­ten wer­den. Danach kann die ver­bind­li­che Aus­kunft nur von allen Betei­lig­ten gemein­sam bean­tragt wer­den, wenn sie sich auf einen Sach­ver­halt bezieht, der meh­re­ren Per­so­nen steu­er­lich zuzu­rech­nen ist (§ 179 Abs. 2 Satz 2 AO). Weder betrifft die Vor­schrift inhalt­lich eine Aus­sa­ge zur Gebüh­ren­pflicht noch wäre Der­ar­ti­ges von ihrer Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge (§ 89 Abs. 2 Satz 4 AO) gedeckt. Dar­über hin­aus zeich­net sich die in § 1 Abs. 2 StAuskV mit dem Ver­weis auf § 179 Abs. 2 Satz 2 AO bezeich­ne­te Kon­stel­la­ti­on einer geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung dadurch aus, dass der Aus­kunfts­an­trag für nur einen Bescheid von Bedeu­tung ist, der ‑ver­fah­rens­recht­lich ver­selb­stän­digt- gegen­über meh­re­ren Betei­lig­ten ein­heit­lich zu erlas­sen ist (vgl. auch § 183, § 352 AO, § 48 FGO). Die Ver­fah­ren über die Kör­per­schaft­steu­er bzw. den Gewer­be­steu­er­mess­be­trag der Organ­ge­sell­schaft und ihrer Organ­trä­ge­rin ste­hen dem­ge­gen­über ver­fah­rens­recht­lich grund­sätz­lich unver­bun­den neben­ein­an­der und zwar unge­ach­tet des­sen, dass die der Aus­kunft zugrun­de lie­gen­de Rechts­fra­ge betref­fend die ertrag­steu­er­li­che Organ­schaft iden­tisch ist.

Die Son­der­re­ge­lung des § 178a Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 AO lässt sich für die ver­bind­li­che Aus­kunft nach § 89 AO nicht frucht­bar machen 11. Dort ist zur Gebüh­ren­pflicht von Anträ­gen auf Durch­füh­rung eines sog. Vor­ab­ver­stän­di­gungs­ver­fah­rens i.S. des § 178a Abs. 1 Satz 1 AO ange­ord­net, dass für jeden Antrag eine (Grund-)Gebühr ent­steht, aber der Antrag eines Organ­trä­gers i.S. des § 14 Abs. 1 KStG, der Geschäf­te sei­ner Organ­ge­sell­schaf­ten mit umfasst, als ein Antrag gilt. Eine Über­tra­gung des Gedan­kens die­ser Vor­schrift auf die ver­bind­li­che Aus­kunft ist schon des­halb nicht mög­lich, weil die Rege­lung (mit dem Jah­res­steu­er­ge­setz ‑JStG- 2007 12) gleich­zei­tig mit der Gebüh­ren­pflicht der ver­bind­li­chen Aus­kunft ein­ge­führt wor­den ist. Es ist des­halb davon aus­zu­ge­hen, dass die unter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung der Gebüh­ren­tat­be­stän­de in bei­den Rege­lungs­be­rei­chen auf einer bewuss­ten Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers beruht, eine zu einer Geset­zes­ana­lo­gie berech­ti­gen­de Rege­lungs­lü­cke mit­hin nicht vor­liegt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. März 2016 – I R 66/​14

  1. i.d.F. vor dem Steu­er­ver­ein­fa­chungs­ge­setz 2011 vom 01.11.2011, BGBl I 2011, 2131, BSt­Bl I 2011, 986[]
  2. FG Köln, Urteil vom 28.10.2014 – 8 K 731/​12, EFG 2015, 530[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 30.03.2011 – I R 61/​10, BFHE 232, 406, BSt­Bl II 2011, 536, sowie BFH, Beschluss vom 30.03.2011 – I B 136/​10, BFHE 232, 395; BFH, Urteil vom 22.04.2015 – IV R 13/​12, BFHE 250, 295, BSt­Bl II 2015, 989; kri­tisch z.B. Roser in Beermann/​Gosch, AO § 89 Rz 79[]
  4. vgl. AEAO Nr. 4.01.3 und 4.04.1 zu § 89; Simon, DStR 2007, 557, 558 f., 562; Baum, NWB Fach 2, S. 9725, 9728; Fatou­ros, DStZ 2007, 382, 389; Wag­ner, EFG 2015, 532[]
  5. vgl. AEAO Nr. 3.02.1 zu § 89; Söhn in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 89 AO Rz 194[]
  6. vgl. Wag­ner, EFG 2015, 532[]
  7. z.B. BFH, Urteil vom 12.08.2015 – I R 45/​14, BFHE 251, 119, m.w.N.[]
  8. BFH, Urteil in BFHE 232, 406, BSt­Bl II 2011, 536[]
  9. vgl. BVerfG, Urteil vom 19.03.2003 – 2 BvL 9 – 12/​98, BVerfGE 108, 1[]
  10. eben­so Baum, NWB Fach 2, S. 9725, 9739; Schmitz in Schwarz/​Pahlke, AO, § 89 Rz 87; Söhn in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 89 AO Rz 348[]
  11. so aber wohl Roser in Beermann/​Gosch, AO § 89 Rz 81[]
  12. vom 13.12 2006, BGBl I 2006, 2878, BSt­Bl I 2007, 28[]