Streit­wert eines Aus­set­zungs­an­trags

In Rechts­strei­tig­kei­ten über Aus­set­zung der Voll­zie­hung beträgt der Streit­wert regel­mä­ßig 10% des Betrags, für den Aus­set­zung der Voll­zie­hung bean­tragt wird 1.

Streit­wert eines Aus­set­zungs­an­trags

Der auch in der Recht­spre­chung der Finanz­ge­rich­te ver­ein­zelt anzu­tref­fen­den Ansicht, der Streit­wert im finanz­ge­richt­li­chen Aus­set­zungs­ver­fah­ren sei in Anleh­nung an die Pra­xis der Ver­wal­tungs­ge­rich­te mit 25% des aus­zu­set­zen­den Betrags zu bemes­sen 2, hat sich der Bun­des­fi­nanz­hof nicht ange­schlos­sen 3.

Ins­be­son­de­re kann es für die Bemes­sung des Streit­werts nicht dar­auf ankom­men, ob das Aus­set­zungs­ver­fah­ren zu einer end­gül­ti­gen Befrie­dung des Rechts­streits geführt hat oder nicht (vgl. § 40 GKG, wonach für die Wert­be­rech­nung die den Rechts­zug ein­lei­ten­de Antrag­stel­lung und kein spä­ter ein­tre­ten­der Umstand maß­geb­lich ist).

Das von der Gegen­auf­fas­sung vor­ge­brach­te Argu­ment, dass sich das Inter­es­se des Steu­er­pflich­ti­gen nicht auf die Wie­der­her­stel­lung des außer Kraft gesetz­ten Sus­pen­siv­ef­fekts des Rechts­be­helfs beschrän­ke, son­dern das zum Teil erheb­li­che Inter­es­se der Antrag­stel­ler an einer schnel­len Klä­rung der Erfolgs­aus­sich­ten im Haupt­sa­che­ver­fah­ren streit­wert­er­hö­hend zu berück­sich­ti­gen sei, erklärt nicht schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar, wes­halb das Inter­es­se des Antrag­stel­lers an der Aus­set­zungs­ent­schei­dung 10% des strei­ti­gen Steu­er­be­tra­ges über­stei­gen und 25% betra­gen soll. Die­ser Wert wur­de viel­mehr aus dem Streit­wert­ka­ta­log für die Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit über­nom­men. Die­ser wie­der­um beruht auf einer gewach­se­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und hat kei­ne höhe­re Rich­tig­keits­ge­währ als die in glei­cher Wei­se ent­wi­ckel­te – davon abwei­chen­de – Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hof. Aus der Rege­lung in Ziff. 1.5 des Streit­wert­ka­ta­logs für Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit in der Fas­sung vom 7./8. Juli 2004 4, wonach der Streit­wert in der Regel ½, in den Fäl­len des § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 VwGO und bei sons­ti­gen auf bezif­fer­te Geld­leis­tun­gen gerich­te­ten Ver­wal­tungs­ak­ten ¼ des für das Haupt­sa­che­ver­fah­ren anzu­neh­men­den Streit­wer­tes betra­ge, ergibt sich unmit­tel­bar, dass es sich um "gegrif­fe­ne" Schät­zun­gen han­delt. Nichts ande­res mag für die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs gel­ten, die auf­grund der in der Natur der Schät­zung beru­hen­den Umstän­de auch nicht auf einer mathe­ma­tisch schlüs­sig nach­voll­zieh­ba­ren For­mel beruht. In Anbe­tracht der zu berück­sich­ti­gen­den Unsi­cher­hei­ten liegt es in der Natur jeder Schät­zung, dass es einen Schät­zungs­rah­men gibt, inner­halb des­sen jedes Ergeb­nis ver­tret­bar ist. Eine Schät­zung erweist sich erst dann als rechts­wid­rig, wenn sie den durch die Umstän­de des Fal­les gezo­ge­nen Schät­zungs­rah­men ver­lässt. Es mag sein, dass der BFH sich im Gegen­satz zum BVerwG an der unte­ren Gren­ze des für den Streit­fall maß­geb­li­chen Schät­zungs­rah­mens ori­en­tiert. Da sich die Recht­spre­chung des BFH in der Pra­xis bewährt und in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur über­wie­gend Aner­ken­nung gefun­den hat, besteht nach der Über­zeu­gung des Bericht­erstat­ters kei­ne Ver­an­las­sung, von ihr abzu­wei­chen. Denn die Gegen­mei­nung beruft sich nicht auf erweis­ba­re Tat­sa­chen und Erfah­rungs­sät­ze, die geeig­net sind, zu dem Schluss zu gelan­gen, dass ein ande­res als das vom Bun­des­fi­nanz­hof geschätz­te Ergeb­nis wahr­schein­li­cher sei 5.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 13. Dezem­ber 2011 – 2 V 441/​11

  1. BFH, Beschlüs­se vom 26.04.2001 – V S 24/​00, BSt­Bl II 2001, 498; und vom 04.05.2011 – VII S 60/​10, BFH/​NV 2011, 1721[]
  2. vgl. zuletzt mit aus­führ­li­cher Begrün­dung FG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 14.11.2011 – 11 V 1531/​11 A(E,L,G,U,H(L) []
  3. zuletzt BFH, Beschlüs­se vom 04.05.2011 – VII S 60/​10, BFH/​NV 2011, 1721; und vom 14.06.2009 – VI S 10/​09[]
  4. abge­druckt in Kopp/​Schenke, VwGO, 15. Auf­la­ge 2007, Anhang zu § 164 RdNr. 14; NVwZ 2004, 1327[]
  5. vgl. Holatz, EFG 2008, 489 – 490[]