Ter­mins­ver­le­gung in der Finanz­ge­richts­bar­keit

Nach § 155 Satz 1 FGO i.V.m. § 227 ZPO kön­nen die Gerich­te der Finanz­ge­richts­bar­keit aus erheb­li­chen Grün­den einen Ter­min auf­he­ben oder ver­le­gen. Wenn erheb­li­che Grün­de vor­lie­gen, ver­dich­tet sich das Ermes­sen zu einer Rechts­pflicht und muss der Ter­min zur Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs ver­legt wer­den, selbst wenn das Gericht die Sache für ent­schei­dungs­reif hält und die Erle­di­gung des Rechts­streits ver­zö­gert wird.

Ter­mins­ver­le­gung in der Finanz­ge­richts­bar­keit

Der durch Art. 103 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes ver­fas­sungs­recht­lich gesi­cher­te Anspruch des Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör ver­pflich­tet die Gerich­te, einen Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung auf Antrag auf­zu­he­ben oder zu ver­le­gen, wenn dafür nach den Umstän­den des Falls, ins­be­son­de­re dem Pro­zess­stoff oder den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Betei­lig­ten bzw. sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erheb­li­che Grün­de vor­lie­gen 1.

Die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin ‑eine Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft- hat erheb­li­che Grün­de für die bean­trag­te Ter­mins­ver­le­gung nicht hin­rei­chend dar­ge­legt. Sie hat aus­ge­führt, der den Fall als ein­zi­ger und allein ver­ant­wort­li­cher Bearbeiter/​Partner bear­bei­ten­de Rechts­an­walt und Steu­er­be­ra­ter A sei akut erkrankt und habe sich einem chir­ur­gi­schen Ein­griff unter­zie­hen müs­sen. Eine Ein­ar­bei­tung eines ande­ren Bearbeiters/​Partners sei kurz­fris­tig nicht mög­lich.

Die­ses Vor­brin­gen ist nach den Gege­ben­hei­ten des Streit­falls zur Recht­fer­ti­gung einer Ter­mins­ver­le­gung nicht aus­rei­chend. Denn aus­weis­lich der Akten ist der Klä­ger in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Finanz­ge­richt nicht nur von A, son­dern auch von Rechts­an­walt und Steu­er­be­ra­ter B und Rechts­an­walt C ver­tre­ten wor­den. B hat des Wei­te­ren die vom Klä­ger im Revi­si­ons­ver­fah­ren ein­ge­reich­ten Schrift­sät­ze mit­un­ter­zeich­net. Aus wel­chen Grün­den auch B und C an der Ter­mins­wahr­neh­mung vor dem BFH gehin­dert gewe­sen sein sol­len, ergibt sich aus der Begrün­dung des Ver­le­gungs­an­trags nicht. B und C haben den Ter­min denn auch tat­säch­lich für den Klä­ger wahr­ge­nom­men und waren nach dem Ein­druck des Bun­des­fi­nanz­hofs gut auf die münd­li­che Ver­hand­lung vor­be­rei­tet.

Bei der Ableh­nung des ‑von B und C in der münd­li­chen Ver­hand­lung auf­recht erhal­te­nen- Ver­le­gungs­an­trags hat für den Bun­des­fi­nanz­hof zudem eine Rol­le gespielt, dass C die Geschäfts­stel­le des Bun­des­fi­nanz­hofs bereits am Nach­mit­tag des 14.11.2017 tele­fo­nisch über die Erkran­kung des A infor­miert, aber kei­nen Ver­le­gungs­an­trag gestellt, son­dern nur erklärt hat, es wer­de zur münd­li­chen Ver­hand­lung für den Klä­ger nie­mand erschei­nen. Der nach Diens­ten­de der Geschäfts­stel­le am Abend des 14.11.2017 ein­ge­gan­ge­ne Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag ist dem Bun­des­fi­nanz­hof erst am Mor­gen des Sit­zungs­tags zu einem Zeit­punkt bekannt gewor­den, als die Sit­zungs­ver­tre­ter des Finanz­amt bereits auf dem Weg zur Wahr­neh­mung des auf 10 Uhr bestimm­ten Sit­zungs­ter­mins waren. Nach­dem sodann ent­ge­gen der Ankün­di­gung vom Vor­tag mit B und C zwei kun­di­ge Ver­tre­ter des Klä­gers zur münd­li­chen Ver­hand­lung erschie­nen waren, bestand kei­ner­lei nach­voll­zieh­ba­rer Grund mehr für eine Ver­le­gung des Ter­mins.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Novem­ber 2017 – I R 55/​15

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 28.11.2016 – I B 16, 17/​16, BFH/​NV 2017, 466, m.w.N.[]