Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­run­gen – und der Bestim­mungs­ort auf der Rech­nung

Die gemäß § 17a Abs. 2 Nr. 2 USt­DV a.F. erfor­der­li­che Anga­be des Bestim­mungs­orts ergibt sich nur dann aus der für die Lie­fe­rung aus­ge­stell­ten Rech­nung, wenn von einer Beför­de­rung zu dem in der Rech­nung ange­ge­be­nen Unter­neh­mens­ort des Abneh­mers aus­zu­ge­hen ist.

Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­run­gen – und der Bestim­mungs­ort auf der Rech­nung

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall lagen Ver­sen­dungs, nicht aber Beför­de­rungs­fäl­le vor, da die PKW im maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Ver­las­sens des Inlands nicht durch den Lie­fe­rer oder den Abneh­mer beför­dert, son­dern durch Ein­schal­tung selb­stän­di­ger Drit­ter ver­sen­det wur­den. Ver­sen­dungs­be­le­ge lie­gen der Unter­neh­me­rin nicht vor. Die Unter­neh­me­rin hat den Beleg­nach­weis im vor­lie­gen­den Streit­fall aber auch dann nicht erbracht, wenn zu ihren Guns­ten zu unter­stel­len wäre, dass sie zu einer Nach­weis­füh­rung wie im Beför­de­rungs­fall berech­tigt wäre (§ 17a Abs. 4 i.V.m. Abs. 2 USt­DV a.F.):

Der Unter­neh­mer soll gemäß § 17a Abs. 2 USt­DV a.F. in den Fäl­len, in denen er oder der Abneh­mer den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet beför­dert, den Nach­weis füh­ren

  1. durch das Dop­pel der Rech­nung (§§ 14, 14a des Geset­zes),
  2. durch einen han­dels­üb­li­chen Beleg, aus dem sich der Bestim­mungs­ort ergibt, ins­be­son­de­re Lie­fer­schein,
  3. durch eine Emp­fangs­be­stä­ti­gung des Abneh­mers oder sei­nes Beauf­trag­ten sowie
  4. in den Fäl­len der Beför­de­rung des Gegen­stands durch den Abneh­mer durch eine Ver­si­che­rung des Abneh­mers oder sei­nes Beauf­trag­ten, den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet zu beför­dern.

Die uni­ons­recht­li­che Befug­nis zur gesetz­li­chen Anord­nung die­ses Beleg­nach­wei­ses ergibt sich aus Art. 131 MwSt­Sys­tRL 1. Danach wird die Steu­er­frei­heit für die inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung nur "unter den Bedin­gun­gen ange­wandt, die die Mit­glied­staa­ten zur Gewähr­leis­tung einer kor­rek­ten und ein­fa­chen Anwen­dung die­ser Befrei­ung[en] sowie zur Ver­hü­tung von Steu­er­hin­ter­zie­hung, Steu­er­um­ge­hung und Miss­brauch fest­le­gen".

Da sich der Mit­glied­staat der Erwerbs­be­steue­rung nach dem Bestim­mungs­ort der Lie­fe­rung rich­tet, ist die­se Anga­be zur Wah­rung der Kor­re­spon­denz von inner­ge­mein­schaft­li­cher Lie­fe­rung und inner­ge­mein­schaft­li­chem Erwerb 2 nicht ver­zicht­bar.

Im Streit­fall reicht die Nen­nung eines Bestim­mungs­lan­des in den Ver­brin­gungs­er­klä­run­gen zur Anga­be des Bestim­mungs­orts nicht aus. Der Bestim­mungs­ort ergibt sich auch nicht aus den für die Lie­fe­run­gen aus­ge­stell­ten Rech­nun­gen. Zwar kann sich aus der Rech­nungs­an­schrift im Ein­zel­fall der beleg­mä­ßig nach­zu­wei­sen­de Bestim­mungs­ort erge­ben. Dies setzt aber vor­aus, dass von einer Beför­de­rung zu dem in der Rech­nung ange­ge­be­nen Unter­neh­mens­ort des Abneh­mers aus­zu­ge­hen ist 3. Dies trifft auf Abrech­nun­gen gegen­über Schein­un­ter­neh­men nicht zu.

Der Buch­nach­weis ist im hier ent­schie­de­nen Streit­fall wider­legt:

Der Unter­neh­mer soll nach § 17c Abs. 1 USt­DV die Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Abneh­mers auf­zeich­nen.

Zwar hat die Unter­neh­me­rin die Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern der Fir­men C, M und PA auf­ge­zeich­net. Da es sich aber bei die­sen Fir­men, die die Unter­neh­me­rin als ihre Abneh­mer ansah, um Schein­fir­men han­del­te, ergibt sich aus der Auf­zeich­nung der Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern die­ser Fir­men nicht auch deren Unter­neh­mer­ei­gen­schaft. Denn steht fest, dass die buch­mä­ßi­ge auf­ge­zeich­ne­te Anga­be der Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer man­gels tat­säch­lich feh­len­der Unter­neh­mer­ei­gen­schaft die­se nicht bezeu­gen kann, ent­fällt die Beweis­kraft die­ser buch­mä­ßi­gen Auf­zeich­nung. Es kann dann nicht zu einer Inan­spruch­nah­me der Steu­er­frei­heit auf for­mel­ler Beweis­grund­la­ge kom­men.

Die Unter­neh­me­rin kann kei­nen Ver­trau­ens­schutz nach § 6a Abs. 4 Satz 1 UStG bean­spru­chen.

Hat der Unter­neh­mer eine Lie­fe­rung als steu­er­frei behan­delt, obwohl ‑wie hier- die Vor­aus­set­zun­gen nach § 6a Abs. 1 UStG nicht vor­lie­gen, ist die Lie­fe­rung gemäß § 6a Abs. 4 Satz 1 UStG gleich­wohl steu­er­frei, wenn die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung auf unrich­ti­gen Anga­ben des Abneh­mers beruht und der Unter­neh­mer die Unrich­tig­keit die­ser Anga­ben auch bei Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­manns nicht erken­nen konn­te 4.

Die Steu­er­frei­heit gemäß § 6a Abs. 4 Satz 1 UStG setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer den Nach­weis­pflich­ten nach § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV ihrer Art nach nach­ge­kom­men ist 5.

Im Streit­fall hat die Unter­neh­me­rin for­mal zwar den ‑ent­kräf­te­ten- Buch­nach­weis, nicht aber auch den Beleg­nach­weis in der erfor­der­li­chen Art erbracht, da die Anga­ben zu den Bestim­mungs­or­ten fehl­ten.

Es besteht kein Wider­spruch zum EuGH, Urteil Traum vom 09.10.2014 6. Danach müs­sen die Steu­er­pflich­ti­gen ihre steu­er­li­chen Ver­pflich­tun­gen ken­nen, bevor sie ein Geschäft abschlie­ßen. Die­ser Anfor­de­rung genügt § 17a USt­DV in sei­ner Aus­le­gung durch den Bun­des­fi­nanz­hof. Die Anga­be eines Bestim­mungs­orts ist nicht mit der eines Bestim­mungs­lan­des gleich­zu­set­zen.

Im Übri­gen ergibt sich aus dem EuGH, Urteil Traum 7 nicht, dass einem Steu­er­pflich­ti­gen, der der Ver­pflich­tung zur Bei­brin­gung eines der Art nach voll­stän­di­gen Beleg­nach­wei­ses nicht nach­kommt, eine Steu­er­frei­heit aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes zu gewäh­ren ist. Ob die Unter­neh­me­rin im Hin­blick auf ande­re Umstän­de als die Nicht­er­fül­lung der Ver­pflich­tung zur Bei­brin­gung von Anga­ben zu den Bestim­mungs­or­ten der Lie­fe­run­gen gut­gläu­big gehan­delt hat, ist daher uner­heb­lich. Über­le­gun­gen zum Ver­trau­ens­schutz glei­chen for­mal nur unvoll­stän­dig erfüll­te Beleg­pflich­ten nicht aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. August 2016 – V R 45/​15

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 11.08.2011 – V R 50/​09, BFHE 235, 32, BSt­Bl II 2012, 151, unter II. 1.b zu Art. 28c Teil A Buchst. a Unter­abs. 1 der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 235, 32, BSt­Bl II 2012, 151, unter II. 2.a[]
  3. BFH, Urteil vom 17.02.2011 – V R 28/​10, BFHE 233, 331, unter II. 3.c[]
  4. vgl. zu den uni­ons­recht­li­chen Grund­la­gen BFH, Urteil vom 12.05.2011 – V R 46/​10, BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 29[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 30[]
  6. EuGH, Urteil Traum vom 09.10.2014 – C‑492/​13, EU:C:2014:2267[]
  7. EuGH, EU:C:2014:2267[]