USt-Jah­res­er­klä­rung und der Ein­spruch gegen einen USt-Vor­aus­zah­lungs­be­scheid

Wird eine Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­rung, die gemäß § 168 Satz 1 AO als Steu­er­fest­set­zung unter dem Vor­be­halt der Nach­prü­fung wirkt, wäh­rend eines Ein­spruchs­ver­fah­rens gegen die abge­lehn­te Ände­rung der Her­ab­set­zung eines Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheids abge­ge­ben, wird gemäß § 365 Abs. 3 AO der Umsatz­steu­er-Jah­res­be­scheid zum Gegen­stand des Ein­spruchs­ver­fah­rens.

USt-Jah­res­er­klä­rung und der Ein­spruch gegen einen USt-Vor­aus­zah­lungs­be­scheid

Ergeht wäh­rend des Ver­fah­rens über den Ein­spruch gegen einen Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheid ein Umsatz­steu­er-Jah­res­be­scheid, wird die­ser gemäß § 365 Abs. 3 AO Gegen­stand des Ein­spruchs­ver­fah­rens 1. Eben­so wie die ent­spre­chen­de Rege­lung in § 68 FGO für das Kla­ge­ver­fah­ren 2 gilt § 365 Abs. 3 AO auch für Ver­pflich­tungs­be­geh­ren. Der Anwen­dung des § 365 Abs. 3 AO steht somit nicht ent­ge­gen, dass es sich bei einem Antrag auf Her­ab­set­zung des Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheids um ein Ver­pflich­tungs­be­geh­ren han­delt, wäh­rend ein gegen einen Umsatz­steu­er-Jah­res­be­scheid erho­be­ner Ein­spruch ein Anfech­tungs­be­geh­ren ent­hält. Dem Zweck der Vor­schrift ent­spre­chend ist ent­schei­dend, ob der ange­foch­te­ne ursprüng­li­che und der neue Bescheid "die­sel­be Steu­er­sa­che" betref­fen 3. Das ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung im Ver­hält­nis des Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheids zum Umsatz­steu­er-Jah­res­be­scheid der Fall 4. Gegen­stand des Ein­spruchs­ver­fah­rens gegen die abge­lehn­te Ände­rung des Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheids für das I. Quar­tal des Streit­jah­res 2008 wur­de daher mit ihrer Abga­be am 25.02.2010 die gemäß § 168 Satz 1 AO als Umsatz­steu­er­fest­set­zung wir­ken­de Umsatz­steu­er-Jah­res­er­klä­rung.

Die Ein­spruchs­ent­schei­dung und der geän­der­te Jah­res­steu­er­be­scheid 2008 vom sel­ben Tage gel­ten gemäß § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO am drit­ten Tage nach ihrer Auf­ga­be zur Post als bekannt gege­ben, außer wenn sie nicht oder zu einem spä­te­ren Zeit­punkt zuge­gan­gen sind. Im Streit­fall kann offen blei­ben, ob die Ein­spruchs­ent­schei­dung und der geän­der­te Jah­res­steu­er­be­scheid für das Streit­jahr 2008 dem Klä­ger gleich­zei­tig oder nach­ein­an­der und in wel­cher Rei­hen­fol­ge bekannt gege­ben wor­den sind. Denn ent­we­der ist der Umsatz­steu­er-Ände­rungs­be­scheid 2008 vom 12.04.2010 noch Gegen­stand des Ein­spruchs­ver­fah­rens und des­halb auch des Kla­ge­ver­fah­rens gewor­den oder – wenn der Ände­rungs­be­scheid erst nach Bekannt­ga­be der Ein­spruchs­ent­schei­dung wirk­sam gewor­den sein soll­te – er ist gemäß § 68 Abs. 1 FGO zum Gegen­stand des Kla­ge­ver­fah­rens gewor­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Novem­ber 2011 – V R 32/​10

  1. BFH, Urteil vom 04.11.1999 – V R 35/​98, BFHE 190, 67, BSt­Bl II 2000, 454[]
  2. hier­zu BFH, Ent­schei­dun­gen vom 29.11.2001 – IV R 66/​99, BFH/​NV 2002, 524; vom 18.12.2003 – II B 31/​00, BFHE 204, 35, BSt­Bl II 2004, 237; vom 27.04.2004 – X R 28/​02, BFH/​NV 2004, 1287[]
  3. vgl. zur ent­spre­chen­den Rege­lung im FGO-Ver­fah­ren, § 68 FGO: BFH, Urteil in BFH/​NV 2004, 1287[]
  4. vgl. BFH, Ent­schei­dun­gen in BFHE 190, 67, BSt­Bl II 2000, 454; vom 03.11.2005 – V R 63/​02, BFHE 212, 161, BSt­Bl II 2006, 337; vom 10.11.2010 – XI R 79/​07, BFHE 231, 373, BSt­Bl II 2011, 311; vom 12.04.2010 – V B 115/​09, BFH/​NV 2010, 1829[]