Vor­steu­er­ab­zug – und die noch offe­ne Verwendungsentscheidung

Das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug ent­steht, soweit der Leis­tungs­emp­fän­ger die durch objek­ti­ve Anhalts­punk­te beleg­te Absicht hat, besteu­er­te Ver­wen­dungs­um­sät­ze aus­zu­füh­ren1

Vor­steu­er­ab­zug – und die noch offe­ne Verwendungsentscheidung

Kommt es auf­grund von Umstän­den, die vom Wil­len des Leis­tungs­emp­fän­gers unab­hän­gig sind, nicht zu den beab­sich­tig­ten Umsät­zen, bleibt der Vor­steu­er­ab­zug sogar end­gül­tig bestehen2.

Aller­dings kann der Steu­er­pflich­ti­ge die Ver­wen­dungs­ent­schei­dung nicht „offen hal­ten“. Wegen der zeit­glei­chen Ent­ste­hung von Steu­er­an­spruch und Vor­steu­er­ab­zugs­an­spruch muss sich der Unter­neh­mer sofort ent­schei­den, für wel­che Aus­gangs­um­sät­ze er die emp­fan­ge­nen Ein­gangs­leis­tun­gen ver­wen­den will3

Ohne die Sofort­ent­schei­dung des Unter­neh­mers über die beab­sich­tig­ten Ver­wen­dungs­um­sät­ze kann der Vor­steu­er­ab­zugs­an­spruch dem Grun­de und der Höhe nach nicht beur­teilt wer­den4. Eine Ver­wen­dungs­ab­sicht in Gestalt einer auf­schie­bend beding­ten Ver­wen­dungs­ab­sicht ist nicht maßgeblich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 28. Okto­ber 2020 – XI B 26/​20

  1. vgl. z.B. EuGH, Urteil Sve­da vom 22.10.2015 – C‑126/​14, EU:C:2015:712, Rz 20; BFH, Urteil vom 11.07.2012 – XI R 17/​09, BFH/​NV 2013, 266, Rz 66[]
  2. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le INZO vom 29.02.1996 – C‑110/​94, EU:C:1996:67, Rz 20; Ghent Coal Ter­mi­nal vom 15.01.1998 – C‑37/​95, EU:C:1998:1, Rz 19 und 20; Imo­flo­res­mi­ra – Inves­ti­ment­os Imo­bi­liá­ri­os vom 28.02.2018 – C‑672/​16, EU:C:2018:134, Rz 40[]
  3. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 08.03.2001 – V R 24/​98, BFHE 194, 522, BStBl II 2003, 430, unter II. 1.b; vom 28.11.2002 – V R 51/​01, BFH/​NV 2003, 515, unter II. 1.; vom 13.01.2011 – V R 12/​08, BFHE 232, 261, BStBl II 2012, 61, Rz 53[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2003, 515, unter II. 1.[]

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