Wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung bei der Organ­schaft – und die Leis­tungs­be­zie­hung zur Schwes­ter­ge­sell­schaft

Die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung muss zwar nicht auf­grund unmit­tel­ba­rer Bezie­hun­gen zum Organ­trä­ger bestehen, son­dern kann auch auf der Ver­flech­tung zwi­schen zwei Organ­ge­sell­schaf­ten beru­hen 1.

Wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung bei der Organ­schaft – und die Leis­tungs­be­zie­hung zur Schwes­ter­ge­sell­schaft

Dies ist aber nur mög­lich, wenn die leis­ten­de Unter­ge­sell­schaft auf­grund unmit­tel­ba­rer Bezie­hun­gen mit dem Organ­trä­ger organ­schaft­lich ver­bun­den ist 2. Denn die Ein­glie­de­rungs­vor­aus­set­zun­gen und damit auch die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung müs­sen gleich­wohl im Ver­hält­nis zwi­schen Organ­trä­ger und Unter­ge­sell­schaft fest­ge­stellt wer­den.

Die Leis­tun­gen der einen Unter­ge­sell­schaft wer­den in die­sem Fall nach organ­schaft­li­chen Grund­sät­zen dem Organ­trä­ger zuge­rech­net 3 und damit zu Leis­tun­gen des Organ­trä­gers an die ande­re Unter­ge­sell­schaft.

An der Zurech­nung zum Organ­trä­ger fehlt es, wenn ent­gelt­li­che Leis­tun­gen ledig­lich zwi­schen zwei Unter­ge­sell­schaf­ten aus­ge­tauscht wer­den, von denen kei­ne auf­grund unmit­tel­ba­rer Bezie­hun­gen mit dem Organ­trä­ger organ­schaft­lich ver­bun­den ist.

Davon abge­se­hen liegt kei­ne wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung vor, wenn den ent­gelt­li­chen Leis­tun­gen des Gesell­schaf­ters für die Unter­neh­mens­tä­tig­keit der Unter­ge­sell­schaft nur unwe­sent­li­che Bedeu­tung zukommt 4. So ist die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung zu ver­nei­nen, wenn z.B. die abhän­gi­ge Gesell­schaft eine Kran­ken­sta­ti­on und ihr Gesell­schaf­ter Kur- und Bäder­ein­rich­tun­gen betreibt und der Gesell­schaf­ter für die Gesell­schaft ledig­lich Ver­wal­tungs­auf­ga­ben in den Berei­chen Buch­füh­rung und lau­fen­de Per­so­nal­ver­wal­tung über­nimmt 5. Das Glei­che gilt, wenn der Gesell­schaf­ter an die Gesell­schaft gegen Ent­gelt admi­nis­tra­ti­ve und kauf­män­ni­sche Leis­tun­gen in den Berei­chen Buch­hal­tung, Per­so­nal­we­sen, Lohn- und Gehalts­ab­rech­nung und Steu­er­be­ra­tung erbringt oder Hand­wer­ker gestellt 6. Das ‑soweit ersicht­lich- bis­her von der Recht­spre­chung nur für (unmit­tel­ba­re) Leis­tun­gen des Gesell­schaf­ters an die Gesell­schaft auf­ge­stell­te Wesent­lich­keits­er­for­der­nis ist auch im Streit­fall zu beach­ten, da es jeweils um die Fra­ge geht, wann hin­rei­chend enge Ver­flech­tun­gen zwi­schen den Wirt­schafts­teil­neh­mern, die in eine Organ­schaft ein­be­zo­gen wer­den sol­len, bestehen 7.

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 14. April 2016 – 1 K 3466/​14

  1. BFH, Urteil vom 20.08.2009 – V R 30/​06, BFHE 226, 465, BSt­Bl II 2010, 863, Rz 49; Bir­ken­feld in Birkenfeld/​Wäger, Umsatz­steu­er-Hand­buch, § 44 Rz 383[]
  2. vor­aus­ge­setzt in BFH, Urteil vom 20.08.2009 – V R 30/​06, BFHE 226, 465, BSt­Bl II 2010, 863, Rz 51: "wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung über die A‑GmbH"[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 19.01.2016 – XI R 38/​12, DStR 2016, 587, Rz 59[]
  4. BFH, Urtei­le vom 25.06.1998 – V R 76/​97, BFH/​NV 1998, 1534; vom 18.06.2009 – V R 4/​08, BFHE 226, 382, BSt­Bl II 2010, 310, Rz 36; vom 20.08.2009 – V R 30/​06, BFHE 226, 465, BSt­Bl II 2010, 863, Rz 40[]
  5. BFH, Urteil vom 25.06.1998 – V R 76/​97, BFH/​NV 1998, 1534[]
  6. BFH, Urteil vom 20.08.2009 – V R 30/​06, BFHE 226, 465, BSt­Bl II 2010, 863, Rz 42[]
  7. eben­so Leo­nard, DStR 2010, 721, 723, unter 3.03.1; Forster/​Trejo, Umsatz­steu­er­be­ra­ter ‑UStB- 2010, 16, 21[]