Zuord­nung eines gemischt-genutz­ten Gebäu­des zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen

Die Zuord­nung eines gemischt-genutz­ten Gebäu­des zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen muss ins­be­son­de­re in den zeit­nah erstell­ten Umsatz­steu­er­erklä­run­gen bzw. Umsatz­steu­er­vor­anmel­dun­gen durch Gel­tend­ma­chung des Vor­steu­er­ab­zugs zum Aus­druck kom­men. Eine zeit­na­he Zuord­nung schei­det aus, wenn ohne zurei­chen­den Grund und ohne Frist­ver­län­ge­rung durch das Finanz­amt eine Umsatz­steu­er­erklä­rung erst mehr als 2 Jah­re nach dem Leis­tungs­be­zug ein­ge­reicht wird.

Zuord­nung eines gemischt-genutz­ten Gebäu­des zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen

Da das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug nach Art. 17 Abs. 1 der Sechs­ten Mehr­wert­steu­er-Richt­li­nie [1] ent­steht, wenn der Anspruch auf die abzieh­ba­re Steu­er ent­steht, d.h. mit der Lie­fe­rung eines Gegen­stands oder der Aus­füh­rung einer Dienst­leis­tung an den vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tig­ten Steu­er­pflich­ti­gen (vgl. Art. 10 Abs. 2 der Sechs­ten Mehr­wert­steu­er-Richt­li­nie), muss nach der vor­be­zeich­ne­ten Recht­spre­chung die Absicht, die Ein­gangs­leis­tun­gen zur Aus­füh­rung steu­er­pflich­ti­ger Umsät­ze zu ver­wen­den, im Zeit­punkt des Bezugs der Leis­tun­gen vor­lie­gen. Dem­ge­gen­über wirkt eine spä­te­re Absichts­än­de­rung über eine ander­wei­ti­ge Nut­zung der bezo­ge­nen Leis­tung nicht auf den Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zugs zurück [2].

Die Gel­tend­ma­chung des Vor­steu­er­ab­zugs im Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zugs ist regel­mä­ßig ein gewich­ti­ges Indiz für die Zuord­nung eines Gegen­stan­des zum Unter­neh­men. Ein eben­so wich­ti­ges Indiz gegen die Zuord­nung eines Gegen­stan­des zum Unter­neh­men [3] ist die Unter­las­sung des Vor­steu­er­ab­zugs.

Gibt es kei­ne Beweis­an­zei­chen für eine Zuord­nung zum Unter­neh­men, kann die­se nicht unter­stellt wer­den [4].

Die im Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zugs zu tref­fen­de Zuord­nungs­ent­schei­dung des Unter­neh­mers wird in der Regel in der Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dung des Vor­anmel­dungs­zeit­raums, in den der Leis­tungs­be­zug fällt, spä­tes­tens aber ‑mit end­gül­ti­ger Wir­kung- in der zeit­nah erstell­ten Umsatz­steu­er­erklä­rung für das Jahr, in das der Leis­tungs­be­zug fällt, nach außen hin zu doku­men­tie­ren sein [5]. Fehlt es dar­an, liegt kei­ne wirk­sa­me Zuord­nung eines Gebäu­des zum Unter­neh­men vor.

Die Ent­schei­dung über die Zuord­nung des Gebäu­des zum Unter­neh­men kann auch nicht nach­träg­lich mit Rück­wir­kung auf den Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zugs getrof­fen wer­den [6].

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 1. Febru­ar 2010 – 9 K 3710/​09

  1. Sechs­te Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG[]
  2. BFH, Urtei­le vom 16.05.2002 – V R 56/​00, BFH/​NV 2002, 1265; und vom 25.11.2004 – V R 38/​03, BStBl II 2005, 414[]
  3. BFH, Urteil vom 31.01.2002 – V R 61/​96, BStBl II 2003, 813 – Nach­fol­ge­ent­schei­dung zu EuGH, Urteil vom 08.03.2001 C‑414/​98 ‑Bak­ci[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 17.12.2008 – XI R 64/​06, BFH/​NV 2009, 798, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 26.06.2009 – V B 34/​08, BFH/​NV 2009, 2011[]
  5. BFH, Urteil vom 17.12.2008 – XI R 64/​06, BFH/​NV 2009, 798[]
  6. BFH, Urteil vom 17.12.2008 – XI R 64/​06, BFH/​NV 2009, 798, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 26.06.2009 – V B 34/​08, BFH/​NV 2009, 2011[]