Leicht­fer­ti­ge Steu­er­ver­kür­zung bei der Ver­äu­ße­rung von Pflan­zen­öl

Eine die Fest­set­zungs­frist ver­län­gern­de leicht­fer­ti­ge Steu­er­ver­kür­zung ist gege­ben, wenn ein mit Pflan­zen­ölen han­deln­des Unter­neh­men, das in grö­ße­rem Umfang und über einen län­ge­ren Zeit­raum Pflan­zen­öle zum Zweck der Ver­wen­dung als Kraft- oder Heiz­stof­fe wei­ter­ver­äu­ßert, in Kennt­nis der grund­sätz­li­chen Ener­gie­steu­er­pflich­tig­keit der­ar­ti­ger Ener­gie­er­zeug­nis­se sich nicht hin­rei­chend über die den Her­stel­ler der Ener­gie­er­zeug­nis­se tref­fen­den ener­gie­steu­er­recht­li­chen Pflich­ten infor­miert und infol­ge­des­sen die nach § 9 Abs. 2 Ener­gieStG unver­züg­lich abzu­ge­ben­de Steu­er­an­mel­dung unter­lässt.

Leicht­fer­ti­ge Steu­er­ver­kür­zung bei der Ver­äu­ße­rung von Pflan­zen­öl

Den Steu­er­pflich­ti­gen trifft trotz der nach § 50 Ener­gieStG grund­sätz­lich vor­ge­se­he­nen Steu­er­ent­las­tungs­mög­lich­keit eine Infor­ma­ti­ons- und Erkun­di­gungs­pflicht hin­sicht­lich der für ihn gel­ten­den steu­er­recht­li­chen Ver­fah­rens­pflich­ten beim Umgang mit Bio­kraft- und Bio­heiz­stof­fen. Eine Ver­let­zung die­ser Infor­ma­ti­ons- und Erkun­di­gungs­pflicht kann den Vor­wurf der leicht­fer­ti­gen Steu­er­ver­kür­zung begrün­den.

Eine leicht­fer­ti­ge Ver­kür­zung gemäß §§ 378 Abs. 1, 370 Abs. 1 AO begeht u. a., wer als Steu­er­pflich­ti­ger oder bei der Wahr­neh­mung der Ange­le­gen­hei­ten eines Steu­er­pflich­ti­gen den Finanz­be­hör­den gegen­über über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen unrich­ti­ge oder unvoll­stän­di­ge Anga­ben macht oder die Finanz­be­hör­den pflicht­wid­rig über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen in Unkennt­nis lässt und dadurch leicht­fer­tig Steu­ern ver­kürzt.

In dem hier vom Finanz­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Fall hat die Ver­käu­fe­rin die nach § 9 Abs. 2 Satz 2 Ener­gieStG jeweils unver­züg­lich nach der ein­gangs Her­stel­lung der Ener­gie­er­zeug­nis­se (Palm­öl und Palm­öl­raf­fi­nat) abzu­ge­ben­de Steu­er­an­mel­dung nicht abge­ge­ben. Damit hat sie die Finanz­be­hör­den pflicht­wid­rig über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen in Unkennt­nis gelas­sen, was sie inso­weit übri­gens auch nicht bestrei­tet, und dadurch Steu­ern ver­kürzt und den objek­ti­ven Tat­be­stand einer leicht­fer­ti­gen Steu­er­ver­kür­zung ver­wirk­licht. Soweit die Ver­käu­fe­rin in die­sen Zusam­men­hang aller­dings betont, die Nicht­ab­ga­be der Steu­er­an­mel­dung sei kei­ne kau­sa­le Ursa­che der ein­ge­tre­te­nen Steu­er­ver­kür­zung, weil bei ord­nungs­ge­mä­ßer Bear­bei­tung des Vor­gangs durch sie im Rah­men der Steu­er­an­mel­dung glei­cher­ma­ßen auch ein ent­spre­chen­der Ent­las­tungs­an­trag gestellt wor­den sei, kann sie damit nicht durch­drin­gen. Es mag der Ver­käu­fe­rin zuzu­ge­ben sein, dass im Fall der unver­züg­li­chen Abga­be der Steu­er­an­mel­dung die zeit­glei­che Bean­tra­gung einer Steu­er­ent­las­tung nach § 50 Ener­gieStG auf dem dafür vor­ge­se­he­nen For­mu­lar nahe gele­gen haben mag und im Fall einer in vol­ler Höhe zu gewäh­ren­den Steu­er­ent­las­tung im Ergeb­nis wer­tungs­mä­ßig auch kein Steu­er­aus­fall anzu­neh­men wäre. Ob ein – von der Steu­er­an­mel­dung als sol­cher zu unter­schei­den­der und durch geson­der­te Erklä­rungs­hand­lung vor­zu­neh­men­der – Ent­las­tungs­an­trag durch die Ver­käu­fe­rin tat­säch­lich gestellt und eine Steu­er­ent­las­tung – die abge­se­hen von der Wah­rung der Antrags­frist nach § 94 Abs. 1 Satz 3 Ener­gieStV 1 bzw. § 94 Abs. 1 Satz 4 Ener­gieStV 2 noch von wei­te­ren beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig ist, vgl. 50 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Ener­gieStG 3 bzw. § 50 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5, Abs. 3 Ener­gieStG 4 – tat­säch­lich in vol­ler Höhe gewährt wor­den wäre, ist jedoch letzt­lich Spe­ku­la­ti­on und kann und muss auch nicht abschlie­ßend geklärt wer­den. Denn ent­schei­dend ist, dass die von der Ver­käu­fe­rin geschul­de­te Ener­gie­steu­er nach § 9 Abs. 2 Satz 2, 3 Ener­gieStG eine als Anmel­dungs­steu­er aus­ge­stal­te­te Fäl­lig­keits­steu­er ist, so dass der Ver­kür­zungs­er­folg nach §§ 378 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. 370 Abs. 4 Satz 1 AO bereits mit Ablauf des Fäl­lig­keits­zeit­punk­tes, mit­hin hier mit dem Unter­las­sen einer unver­züg­lich nach Ent­ste­hung der Steu­er abzu­ge­ben­den Steu­er­an­mel­dung, ein­ge­tre­ten ist. Denn liegt die als Steu­er­fest­set­zung gel­ten­de Steu­er­an­mel­dung zum Fäl­lig­keits­zeit­punkt nicht vor, so ist zu die­sem Zeit­punkt die Steu­er i. S. v. § 370 Abs. 4 Satz 1 AO ver­kürzt und eine Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen voll­endet 5. Ob ein Steu­er­ent­las­tungs­an­spruch nach § 50 Ener­gieStG bestan­den hät­te, wenn die Ver­käu­fe­rin eine sol­che Steu­er­ent­las­tung recht­zei­tig mit einer unver­züg­lich abzu­ge­ben­den Steu­er­an­mel­dung bean­tragt hät­te, ist inso­fern irrele­vant, als Umstän­de, die erst nach der Fest­set­zung der Steu­er ein­tre­ten kön­nen, bereits nach § 370 Abs. 4 Satz 1 AO, und inso­fern übri­gens auch unab­hän­gig vom etwaig zu berück­sich­ti­gen­den Kom­pen­sa­ti­ons­ver­bot nach §§ 378 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. 370 Abs. 4 Satz 3 AO, außer Betracht blei­ben 6. Einen der­ar­ti­gen, erst nach Fest­set­zung der Steu­er ein­tre­ten­den Umstand stellt auch die Steu­er­ent­las­tung auf Antrag für nach­weis­lich ver­steu­er­te, d. h. zur Steu­er ange­mel­de­te 7, Ener­gie­er­zeug­nis­se dar.

Auf der sub­jek­ti­ven Sei­te ist der Ver­käu­fe­rin leicht­fer­ti­ges Ver­hal­ten vor­zu­wer­fen. Leicht­fer­tig­keit bedeu­tet einen erheb­li­chen Grad an Fahr­läs­sig­keit, der etwa der gro­ben Fahr­läs­sig­keit des bür­ger­li­chen Rechts ent­spricht, aber im Gegen­satz dazu auf die per­sön­li­chen Fähig­kei­ten des Täters abstellt 8. Ein der­ar­ti­ges Ver­schul­den liegt vor, wenn der Täter nach den Gege­ben­hei­ten des kon­kre­ten Falls und sei­nen indi­vi­du­el­len Fähig­kei­ten in der Lage gewe­sen wäre, den sich aus den kon­kret ein­schlä­gi­gen gesetz­li­chen Rege­lun­gen erge­ben­den Sorg­falts­pflich­ten zu genü­gen 9. Steu­er­pflich­ti­ge müs­sen sich über die steu­er­li­chen Pflich­ten infor­mie­ren, dar­über hin­aus sind an die Erfül­lung der Erkun­di­gungs­pflich­ten bei einem Kauf­mann jeden­falls bei Rechts­ge­schäf­ten, die zu sei­ner kauf­män­ni­schen Tätig­keit gehö­ren, höhe­re Anfor­de­run­gen zu stel­len als bei ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen; zudem beschrän­ken sich die Erkun­di­gungs­pflich­ten nicht auf die Steu­er­pflicht einer Tätig­keit, son­dern umfas­sen auch die an die Steu­er­pflicht anknüp­fen­den Erklä­rungs- und Anzei­ge­pflich­ten 10. Die Miss­ach­tung von den Steu­er­pflich­ti­gen tref­fen­den Infor­ma­ti­ons- und Erkun­di­gungs­pflich­ten kann dazu füh­ren, dass auch in Fäl­len von erweis­li­chem Irr­tum über Anwend­bar­keit und Reich­wei­te steu­er­li­cher Vor­schrif­ten Leicht­fer­tig­keit anzu­neh­men ist 11.

In die­sem Sin­ne unter­liegt die Leicht­fer­tig­keit des klä­ge­ri­schen Ver­hal­tens – bzw. des Ver­hal­tens des für die Ver­käu­fe­rin ver­ant­wort­li­chen Geschäfts­füh­rers bzw. der für die Ver­käu­fe­rin täti­gen Mit­ar­bei­ter – kei­nem wirk­li­chen Zwei­fel.

Der Ver­käu­fe­rin war – wie sie selbst ein­räumt – bekannt, dass Pflan­zen­öle, die dazu bestimmt sind, als Ener­gie­er­zeug­nis­se ver­wen­det zu wer­den, grund­sätz­lich nach der neu­en Rechts­la­ge nach Ein­füh­rung des Ener­gie­steu­er­ge­set­zes ener­gie­steu­er­pflich­tig waren. Dass die Ver­käu­fe­rin sich – dies ein­mal zuguns­ten der Ver­käu­fe­rin unter­stellt – über die nähe­ren Ein­zel­hei­ten, ins­be­son­de­re über die Fra­ge, wer bei zu der­ar­ti­ger Nut­zung bestimm­ten Pflan­zen­ölen Steu­er­schuld­ner ist, und wel­che Ver­fah­rens­pflich­ten, hier Steu­er­an­mel­de­pflich­ten, den Steu­er­schuld­ner tref­fen, im Irr­tum befand, ent­las­tet die Ver­käu­fe­rin nicht von dem Vor­wurf der Leicht­fer­tig­keit. An die die Ver­käu­fe­rin tref­fen­den Infor­ma­ti­ons- und Erkun­di­gungs­pflich­ten sind im Streit­fall stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Bei der Ver­käu­fe­rin han­delt es sich um eine erfah­re­ne Wirt­schafts­be­tei­lig­te. Der Han­del mit Pflan­zen­ölen und auch die Wei­ter­ga­be von Pflan­zen­ölen an diver­se Kun­den zum Zweck der ener­ge­ti­schen Ver­wen­dung gehör­te in dem Zeit­raum, in dem die hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Ener­gie­steu­ern ent­stan­den sind, zum lau­fen­den unter­neh­me­ri­schen Han­deln der Ver­käu­fe­rin. Gera­de auf­grund des nicht uner­heb­li­chen Zeit­raums von ein­ein­halb Jah­ren, in dem unter Betei­li­gung ver­schie­de­ner Kun­den als Abneh­mer wie­der­hol­te und auch vom Volu­men her umfang­rei­che Lie­fe­run­gen von Pflan­zen­öl zum Zweck ener­ge­ti­scher Ver­wen­dung erfolg­ten, und der der Ver­käu­fe­rin vom Grund­satz her bekann­ten ver­än­der­ten Rechts­la­ge hät­te für die Ver­käu­fe­rin bei ihrer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit beson­de­rer Anlass bestan­den, dafür Sor­ge zu tra­gen, ihre – irri­ge – Annah­me über die aus­schließ­li­che Steu­er­schuld­ner­schaft ihrer Kun­den durch Nach­fra­ge bei qua­li­fi­zier­ten Aus­kunfts­per­so­nen abzu­si­chern. Die von der Ver­käu­fe­rin ange­führ­te "außer­ge­wöhn­li­che recht­li­che Kon­struk­ti­on" von Steu­er­pflicht und Steu­er­ent­las­tung auf Antrag nach § 50 Ener­gieStG ver­mag eben­falls kei­ne der Ver­käu­fe­rin güns­ti­ge­re Beur­tei­lung recht­fer­ti­gen. Im Gegen­teil, der Umstand, dass nach dem Ener­gie­steu­er­ge­setz beson­de­re recht­li­che Aus­ge­stal­tun­gen im Zusam­men­hang mit der Besteue­rung von Bio­kraft- und Heiz­stof­fen vor­ge­se­hen sind, hät­te der Ver­käu­fe­rin viel­mehr ver­stärkt Anlass geben müs­sen, sich dies­be­züg­li­che recht­li­che Klar­heit zu ver­schaf­fen. Allein die Kom­ple­xi­tät recht­li­cher Rege­lun­gen ent­bin­det näm­lich gera­de nicht von einer Infor­ma­ti­ons­pflicht über sol­che Rege­lun­gen. Eben­so wenig ver­mag der Umstand, dass der Gesetz­ge­ber die von der Ver­käu­fe­rin abge­ge­be­nen Pflan­zen­öle zu ener­ge­ti­schen Zwe­cken über die Ent­las­tungs­re­ge­lung des § 50 Ener­gieStG im Ergeb­nis von der Ener­gie­steu­er frei­stel­len woll­te, die Ver­käu­fe­rin vom Vor­wurf der Leicht­fer­tig­keit zu ent­las­ten. Denn – abge­se­hen davon, dass der Ent­las­tungs­an­spruch vom Vor­lie­gen beson­de­rer Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig und im Ein­zel­fall jeweils zu prü­fen ist – hat der Gesetz­ge­ber zahl­rei­che Ent­las­tun­gen im Ener­gie­steu­er­ge­setz gera­de nicht als Steu­er­be­frei­un­gen oder ‑ermä­ßi­gun­gen aus­ge­stal­tet, son­dern hat es wegen der gro­ßen Zahl poten­zi­el­ler Ent­las­tungs­be­rech­tig­ter und zur Ver­mei­dung höhe­ren Ver­wal­tungs­auf­wan­des den Betrof­fe­nen über­las­sen, die Initia­ti­ve zu ergrei­fen, um die Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen zu erlan­gen 12. So gilt es auch bei gemäß § 50 Ener­gieStG ent­las­tungs­fä­hi­gen Bio­kraft- oder ‑Heiz­stof­fen, die Über­schnei­dung mit der Ent­las­tungs­fä­hig­keit nach ande­ren Vor­schrif­ten, bei­spiels­wei­se der des belie­fer­ten Waren­emp­fän­gers als Ent­las­tungs­be­rech­tig­ter nach § 53 Ener­gieStG, sowie nach §§ 56 und 57 Ener­gieStG, zu berück­sich­ti­gen 13. Damit trifft den Steu­er­pflich­ti­gen gera­de trotz der grund­sätz­lich vor­ge­se­he­nen Ent­las­tungs­mög­lich­keit nach § 50 Ener­gieStG eine beson­de­re Infor­ma­ti­ons- und Erkun­di­gungs­pflicht hin­sicht­lich der für sei­ne jewei­li­ge Situa­ti­on zu berück­sich­ti­gen­den steu­er­recht­li­chen Ver­fah­rens­pflich­ten beim Umgang mit Bio­kraft- oder Heiz­stof­fen 14.

Schließ­lich kann sich die Ver­käu­fe­rin auch nicht dar­auf beru­fen, dass die zu ener­ge­ti­schen Zwe­cken von ihr wei­ter­ver­äu­ßer­ten Pflan­zen­öle bei der Ein­fuhr jeweils zoll­ver­fah­rens­recht­lich unbe­an­stan­det unter dem Ver­fah­rens­code 4000 ange­mel­det wor­den sind. Dabei kann dahin gestellt blei­ben, wer im Ein­zel­nen mit den jewei­li­gen Ein­fuhr­vor­gän­gen befasst gewe­sen ist und ob gege­be­nen­falls auch Mit­ar­bei­ter der Ver­käu­fe­rin von den Umstän­den der Abwick­lung der Ein­fuhr­vor­gän­ge im Ein­zel­nen Kennt­nis erhal­ten haben – wobei nach dem Akten­in­halt und den ergän­zen­den Erläu­te­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung davon aus­zu­ge­hen ist, dass nicht die Ver­käu­fe­rin selbst, son­dern die A GmbH & Co. Han­dels-KG, die der­sel­ben Unter­neh­mens­grup­pe wie die Ver­käu­fe­rin ange­hört, die Pflan­zen­öle ein­ge­führt und dem­entspre­chend die erfor­der­li­chen Zollan­mel­dun­gen vor­ge­nom­men hat. Eben­so kann offen blei­ben, ob die Zollan­mel­dun­gen unter dem Ver­fah­rens­code 4000 zu Recht unbe­an­stan­det geblie­ben sind – wofür aller­dings eini­ges spricht, da nach den über­ein­stim­men­den Fest­stel­lun­gen der Betei­lig­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung die Pflan­zen­öle zu tech­ni­schen indus­tri­el­len Zwe­cken ohne eine Ein­engung auf ener­ge­ti­sche Zwe­cke ein­ge­führt wur­den und erst nach Abga­be durch die A GmbH & Co. Han­dels-KG an die Ver­käu­fe­rin, und dann auch nur teil­wei­se, an Kun­den zum Zweck der ener­ge­ti­schen Ver­wen­dung wei­ter­ver­äu­ßert wur­den. Jeden­falls hät­te die Ver­käu­fe­rin auch aus einer gege­be­nen­falls feh­ler­haf­ten und gleich­wohl unbe­an­stan­det geblie­be­nen Zollan­mel­dungs­pra­xis kei­nen Rück­schluss dahin gehend zie­hen kön­nen, dass dann eine Wei­ter­ver­äu­ße­rung der Pflan­zen­öle zum Zweck der ener­ge­ti­schen Ver­wen­dung ener­gie­steu­er­recht­lich für sie fol­gen­los blie­be. Denn ent­schei­dend für die Ent­ste­hung der Ener­gie­steu­er ist vor­lie­gend allein die Bestim­mungs­hand­lung durch die Wei­ter­ver­äu­ße­rung der Pflan­zen­öle zu ener­ge­ti­schen Zwe­cken, unab­hän­gig davon, zu wel­chem Ver­wen­dungs­zweck die Pflan­zen­öle gege­be­nen­falls ein­ge­führt wer­den soll­ten. Die ener­gie­steu­er­recht­li­che Rechts­la­ge hät­te von der Ver­käu­fe­rin – unab­hän­gig von den zoll­ver­fah­rens­recht­li­chen Umstän­den der Ein­fuhr der Pflan­zen­öle – bei hin­rei­chen­der Beach­tung ihrer Infor­ma­ti­ons­pflicht unpro­ble­ma­tisch erfasst wer­den kön­nen.

Glei­ches gilt übri­gens auch für den Umstand, dass die im Rah­men der Wei­ter­ver­äu­ße­rung der Pflan­zen­öle an die Kun­den der Ver­käu­fe­rin aus­ge­füll­ten Über­tra­gungs-/Über­nah­me­be­stä­ti­gun­gen für Waren in der beson­de­ren Ver­wen­dung gemäß Vor­druck 0275 von den jeweils zustän­di­gen Zoll­äm­tern der über­neh­men­den Kun­den unbe­an­stan­det zur Kennt­nis genom­men wor­den sind. Denn durch die Zoll­äm­ter wird anläss­lich der Über­mitt­lung die­ser Über­tra­gungs-/Über­nah­me­be­stä­ti­gun­gen, die vor­nehm­lich der Nach­voll­zieh­bar­keit des Ver­bleibs von Waren, die in den zoll­recht­lich frei­en Ver­kehr zur beson­de­ren Ver­wen­dung über­ge­führt wor­den sind, zwecks Sicher­stel­lung der dies­be­züg­li­chen zoll­amt­li­chen Über­wa­chung die­nen, vgl. Art. 82 Abs. 1, Abs. 2, Art. 90 der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2913/​92 des Rates zur Fest­le­gung des Zoll­ko­dex der Gemein­schaf­ten vom 12.10.1992 15 – ZK -, nicht über­prüft, ob nach dem Ener­gie­steu­er­ge­setz erfor­der­li­che Steu­er­an­mel­dun­gen ord­nungs­ge­mäß vor­ge­nom­men wor­den sind. Auch inso­fern bestand mit­hin die Infor­ma­ti­ons­pflicht der Ver­käu­fe­rin hin­sicht­lich der sie betref­fen­den ener­gie­steu­er­recht­li­chen Lage unein­ge­schränkt fort.

Die nach alle­dem gel­ten­de Fest­set­zungs­frist von fünf Jah­ren war mit Erlass der Ener­gie­steu­er­be­schei­de vom 21.01.2009, die sowohl im Kalen­der­jahr 2006 als auch im Kalen­der­jahr 2007 ent­stan­de­ne Ener­gie­steu­ern betra­fen, jeweils ersicht­lich nicht abge­lau­fen.

Ergän­zend sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die von der Ver­käu­fe­rin ange­führ­te bei recht­zei­ti­ger Steu­er­an­mel­dung gege­be­nen­falls zu berück­sich­ti­gen­de Ent­las­tungs­mög­lich­keit nach § 50 Ener­gieStG und die dies­be­züg­li­chen gesetz­li­chen Wer­tun­gen im Ener­gie­steu­er­recht, die nach vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen den Vor­wurf der Leicht­fer­tig­keit der Ver­käu­fe­rin im Ergeb­nis unbe­rührt las­sen, einer­seits und das zeit­li­che Aus­ein­an­der­fal­len der fünf­jäh­ri­gen Fest­set­zungs­frist für die Ener­gie­steu­er bei leicht­fer­ti­ger Steu­er­ver­kür­zung und der nur ein­jäh­ri­gen Fest­set­zungs­frist für eine mög­li­che Steu­er­ent­las­tung ande­rer­seits gege­be­nen­falls im Rah­men einer etwai­gen Bil­lig­keits­ent­schei­dung des Beklag­ten hin­sicht­lich einer Erstat­tung der Ener­gie­steu­er außer­halb des vor­lie­gen­den Kla­ge­ver­fah­rens zu prü­fen sein wer­den.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 27. Novem­ber 2012 – 4 K 179/​10

  1. in der Fas­sung des Geset­zes vom 15.07.2006, BGBl. I S. 1753[]
  2. in der Fas­sung des Geset­zes vom 29.01.2007, BGBl. I S. 60[]
  3. in der Fas­sung des Geset­zes vom 15.07.2006, BGBl. I S. 1534[]
  4. in der Fas­sung des Geset­zes vom 18.12.2006, BGBl. I S. 3180[]
  5. vgl. zur Umsatz­steu­er BGH, Beschluss vom 19.01.2011 – 1 StR 640/​10, m. w. N.; vgl. zur Ener­gie­steu­er auch Soyk, in: Friedrich/​Meißner, Ener­gie­steu­ern, Band 1, Lose­blatt­samm­lung, Stand: 29. Ergän­zungs­lie­fe­rung Okto­ber 2012, § 9 Ener­gieStG Rn. 21, § 8 Ener­gieStG Rn. 64 f.[]
  6. vgl. zur Ein­fuhr­um­satz­steu­er BFH, Urteil vom 12.10.1993 – VII R 44/​93; BGH, Beschluss vom 26.06.2012 – 1 StR 289/​12[]
  7. vgl. Fried­rich, in: Friedrich/​Meißner, a. a. O., § 45 Ener­gieStG Rn. 4[]
  8. Kru­se, in: Tipke/​Kruse, Abgabenordnung/​Finanzgerichtsordnung, Band II, Lose­blatt­samm­lung, Stand: 131. Ergän­zungs­lie­fe­rung Novem­ber 2012, § 169 AO Rn. 15[]
  9. BFH, Urteil vom 19.12.2002 – IV R 37/​01; vgl. auch FG Ham­burg, Urtei­le vom 25.01.2012 – 4 K 195/​10, und vom 08.06.2012 – 4 K 104/​11[]
  10. vgl. BFH, Urteil vom 19.02.2009 – II R 49/​07[]
  11. vgl. BFH, Urteil vom 24.04.1996 – II R 73/​93[]
  12. vgl. dazu Fried­rich, in: Friedrich/​Meißner, a. a. O., § 45 Ener­gieStG Rn. 11[]
  13. vgl. dazu Fried­rich, in: Friedrich/​Meißner, a. a. O., § 50 Ener­gieStG Rn. 24[]
  14. anders wohl, aller­dings unter Berück­sich­ti­gung der dor­ti­gen Umstän­de des Ein­zel­falls eines aus­schließ­lich zu eige­nen Ver­wen­dungs­zwe­cken Bio­kraft­stoff ein­füh­ren­den Unter­neh­mers und inso­weit nicht auf den vor­lie­gend zu ent­schei­den­den Fall über­trag­bar: FG Ham­burg, Urteil vom 07.12.2010 – 4 K 135/​10[]
  15. ABl. Nr. L 302/​1, ber. ABl.1993 Nr. L 79/​84, ABl.1996 Nr. L 97/​38 und Nr. L 321/​23, m. spät. Änd.[]