Ver­gnü­gungs­steu­er als Wett­bü­ro­steu­er

Eine Ver­gnü­gungs­steu­er für Wett­bü­ros, in denen Wet­ter­eig­nis­se über­tra­gen wer­den, stellt auf­grund der Unent­gelt­lich­keit der Mit­ver­fol­gung der­sel­ben für den Wett­kun­den kei­ne ört­li­che Auf­wand­steu­er dar und unter­fällt daher nicht der kom­mu­na­len Steu­er­ho­heit.

Ver­gnü­gungs­steu­er als Wett­bü­ro­steu­er

Im hier ent­schie­de­nen Fall unter­lag das Wett­bü­ro zwar nach §§ 1, 2 Abs. 2 der Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung der beklag­ten Gemein­de der Ver­gnü­gungs­steu­er. Nach §§ 3 Abs. 1, 6 Abs. 6 der Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung der Gemein­de war die Betrei­be­rin des Wett­bü­ros des­we­gen steu­er­pflich­tig. Die Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung der Gemein­de

stellt jedoch kei­ne taug­li­che Rechts­grund­la­ge für die Erhe­bung einer Ver­gnü­gungs­steu­er auf die Ver­mitt­lung oder Ver­an­stal­tung von Pfer­de- und Sport­wet­ten in Wett­bü­ros (sog. Wett­bü­ro­steu­er) dar, auch wenn dort neben der Wett­schein­an­nah­me das Mit­ver­fol­gen der Wet­ter­eig­nis­se mög­lich ist. Denn der Gemein­de fehlt es bereits an der Kom­pe­tenz zur Erhe­bung einer sol­chen Steu­er. Nach § 9 Abs. 4 KAG kön­nen die Gemein­den zwar ört­li­che Ver­brauch- und Auf­wand­steu­ern erhe­ben, soweit Steu­er­ge­set­ze nicht bestehen, solan­ge die­se bun­des­ge­setz­lich gere­gel­ten Steu­ern nicht gleich­ar­tig sind und sofern die Steu­ern nicht vom Land erho­ben wer­den oder den Stadt- und Land­krei­sen vor­be­hal­ten sind. Die Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung der Gemein­de hält sich jedoch nicht im Rah­men die­ser Ermäch­ti­gung. Denn bei der danach erho­be­nen Wett­bü­ro­steu­er han­delt es sich nicht um eine ört­li­che Auf­wand­steu­er.

Ob eine als Ver­gnü­gungs­steu­er erho­be­ne Abga­be tat­säch­lich eine ört­li­che Auf­wand­steu­er dar­stellt, bestimmt sich nicht nach ihrer Bezeich­nung, son­dern nach ihrem Steu­er­tat­be­stand, ihrem Steu­er­maß­stab und ihren wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen. Her­kömm­li­che Ver­gnü­gungs­steu­er­tat­be­stän­de sind als ört­li­che Auf­wand­steu­ern zu qua­li­fi­zie­ren, weil sie die in der Ein­kom­mens­ver­wen­dung für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf im ört­li­chen Bereich des Steu­er­pflich­ti­gen zum Aus­druck kom­men­de erhöh­te wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit des sich Ver­gnü­gen­den besteu­ern. Sie sol­len regel­mä­ßig die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit erfas­sen, die sich in der Teil­nah­me an ent­gelt­li­chen Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tun­gen äußert. Damit beru­hen sie auf dem all­ge­mei­nen Gedan­ken, dass dem­je­ni­gen, der sich ein Ver­gnü­gen leis­tet, auch eine zusätz­li­che Abga­be für die All­ge­mein­heit zuge­mu­tet wer­den kann. Hier­aus ergibt sich aber im Umkehr­schluss, dass Ver­an­stal­tun­gen, die für den Teil­neh­men­den unent­gelt­lich sind, von vorn­her­ein als ver­gnü­gungs­steu­er­pflich­tig aus­schei­den müs­sen. Denn dort, wo für ein Ver­gnü­gen kein finan­zi­el­ler Auf­wand ent­steht, kann ein sol­cher schlech­ter­dings auch nicht Grund­la­ge für eine Besteue­rung sein 1. Ist mit dem Ver­gnü­gen kein in wel­cher Form auch immer zu erbrin­gen­der Auf­wand ver­bun­den, kann die Steu­er fer­ner auch nicht auf den sich Ver­gnü­gen­den abge­wälzt wer­den. Eine am Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG aus­ge­rich­te­te, gerech­te Zutei­lung der Ver­gnü­gungs­steu­er­last erfor­dert aber, dass die Steu­er jeden­falls im Ergeb­nis von dem­je­ni­gen auf­ge­bracht wird, der den von der Steu­er erfass­ten Ver­gnü­gungs­auf­wand betreibt 2.

Nach die­sen Grund­sät­zen kann die von der Gemein­de erho­be­ne Wett­bü­ro­steu­er nicht als ört­li­che Auf­wand­steu­er ange­se­hen wer­den. Denn das Ver­fol­gen von Wet­ter­eig­nis­sen auf den von der Klä­ge­rin auf­ge­stell­ten Bild­schir­men ist für die Kun­den des Wett­bü­ros kos­ten­frei. Es han­delt sich – wie selbst die Ein­las­sung der Gemein­de, man gehe davon aus, dass sich die­se Maß­nah­me loh­ne und hier­durch höhe­re Umsät­ze und Gewin­ne erzielt wer­den könn­ten, zeigt – im Kern um eine Wer­be­maß­nah­me. Für das Ver­wal­tungs­ge­richt ist es nach­voll­zieh­bar, dass der Ein­satz von Bild­über­tra­gun­gen geeig­net ist, Wett­kun­den zu einem län­ge­ren Ver­wei­len im Wett­bü­ro und dadurch mit­un­ter auch zu wei­te­ren Wett­ein­sät­zen zu ani­mie­ren. Indem die Gemein­de dies steu­er­bar stellt, auch um damit – wie sich aus der Sat­zungs­be­grün­dung ergibt – len­kungs­po­li­ti­sche Zie­le zu ver­fol­gen, erfasst sie jedoch ersicht­lich kei­nen Ver­gnü­gungs­auf­wand, son­dern besteu­ert ein unter­neh­me­ri­sches Kon­zept und hier­durch allein die Gewinn­chan­cen des Betrei­bers. Damit han­delt es sich aber nicht um eine Auf­wand­steu­er, son­dern letzt­lich um eine beson­de­re Unter­neh­mens­be­steue­rung. Für deren Rege­lung fehlt der Gemein­de die Kom­pe­tenz 3.

Da die Erhe­bung der Wett­bü­ro­steu­er durch die Gemein­de schon des­we­gen unzu­läs­sig ist, kommt es auf die Fra­ge eines Ver­sto­ßes gegen das in Art. 105 Abs. 2a GG ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Gleich­ar­tig­keits­ver­bot 4, nicht mehr ent­schei­dungs­er­heb­lich an.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 24. April 2015 – 6 K 1514/​13; 6 K 1515/​13; 6 K 1532/​13

  1. vgl. hier­zu BVerfG, Beschluss vom 04.02.2009 – 1 BvL 8/​05, Rdnrn. 44 ff.; Beschluss vom 10.08.1989 – 2 BvR 1532/​88, Rdnrn. 3 f.; BVerwG, Urteil vom 27.06.2012 – 9 C 2.12, Rdnrn. 9 ff.; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 03.07.2014 – 2 S 3/​14, Rdnr. 24; Urteil vom 23.02.2011 – 2 S 196/​10, Rdnr. 51; Thü­rO­VG, Urteil vom 22.09.2008 – 3 KO 274/​04, Rdnr. 73; Beschluss vom 22.05.2004 – 4 ZKO 890/​00, Rdnr. 7[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 04.02.2009 – 1 BvL 8/​05, Rdnrn. 61 ff.[]
  3. vgl. inso­weit auch BVerwG,, Urteil vom 11.07.2012 – 9 CN 1.11, Rdnr. 14; Hess.VGH, Beschluss vom 08.12.2014 – 5 C 2008/​13.N, Rdnr. 81[]
  4. vgl. hier­zu ver­nei­nend VG Frei­burg, Beschlüs­se vom 26.03.2014 – 2 K 2389/​12, 2 K 805/​13 und 2 K 806/​13; Meier/​Wolffsohn, KStZ 2007, S. 65, 69 f.; a.A. Birk, ZfWG 2015, S. 2, 4 ff.[]