Ver­mö­gens­ver­fall und Ent­las­tungs­be­weis beim Wider­ruf der Bestel­lung als Steu­er­be­ra­ter

Die Bestel­lung als Steu­er­be­ra­ter ist gemäß § 46 Abs. 2 Nr. 4 StBerG zu wider­ru­fen, wenn der Steu­er­be­ra­ter in Ver­mö­gens­ver­fall gera­ten ist, es sei denn, dass dadurch die Inter­es­sen der Auf­trag­ge­ber nicht gefähr­det sind; ein Ver­mö­gens­ver­fall wird ver­mu­tet, wenn ein Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen des Steu­er­be­ra­ters oder Steu­er­be­voll­mäch­tig­ten eröff­net oder der Steu­er­be­ra­ter oder Steu­er­be­voll­mäch­tig­te in das vom Voll­stre­ckungs­ge­richt zu füh­ren­de Ver­zeich­nis (§ 26 Abs. 2 InsO, § 882b ZPO) ein­ge­tra­gen ist.

Ver­mö­gens­ver­fall und Ent­las­tungs­be­weis beim Wider­ruf der Bestel­lung als Steu­er­be­ra­ter

Besteht eine sol­che gesetz­li­che Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls, so obliegt es nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs dem Steu­er­be­ra­ter, den sog. Ent­las­tungs­be­weis bzw. den Nach­weis zu füh­ren, dass sich die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se nach­hal­tig gebes­sert haben.

Hier­zu erfor­der­lich ist ein sub­stan­ti­ier­ter und glaub­haf­ter Vor­trag, auf­grund des­sen auf eine nun­mehr geord­ne­te Ver­mö­gens­la­ge geschlos­sen oder mit hin­rei­chen­der Gewiss­heit die grund­sätz­lich beim Ver­mö­gens­ver­fall zu unter­stel­len­de Gefahr aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass der Steu­er­be­ra­ter sei­ne Berufs­pflich­ten unter dem Druck sei­ner deso­la­ten Ver­mö­gens­la­ge ver­let­zen wird 1.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Anfor­de­run­gen ist der blo­ße Hin­weis auf eine vor­ge­leg­te Ver­mö­gens­über­sicht und auf eine ver­meint­lich bestehen­de Nach­for­schungs­pflicht des Finanz­ge­richts im Fall von Zwei­feln an der Rich­tig­keit des Ver­zeich­nis­ses nicht aus­rei­chend, um einen Ver­fah­rens­man­gel schlüs­sig zu bele­gen. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn das Finanz­ge­richt in der Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung auf eine unzu­rei­chen­de Dar­le­gung der Ver­kehrs­wer­te von hoch belas­te­ten Grund­stü­cken, auf die bestehen­de Ein­tra­gung eines Haft­be­fehls im Schuld­ner­ver­zeich­nis und auf die unzu­rei­chen­de Offen­le­gung der Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se sowie auf die Unzu­ver­läs­sig­keit in eige­nen Ange­le­gen­hei­ten hin­ge­wie­sen hat. Im Übri­gen hat der Klä­ger aus­weis­lich des Sit­zungs­pro­to­kolls in der münd­li­chen Ver­hand­lung kei­ne Beweis­an­trä­ge gestellt und inso­weit sein Rüge­recht ver­lo­ren 2.

Im vor­lie­gen­den Fall ist dar­über hin­aus zu berück­sich­ti­gen, dass der Wider­ruf nicht nur auf die bestehen­den Steu­er­schul­den son­dern kumu­la­tiv auch auf die Ver­let­zung steu­er­li­cher Pflich­ten durch den Steu­er­be­ra­ter gestützt ist und damit der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs folgt, wonach eine kon­kre­te Gefähr­dung von Auf­trag­ge­ber­in­ter­es­sen nicht ver­neint wer­den kann, wenn fest­ge­stellt wor­den ist, dass der Steu­er­be­ra­ter in sons­ti­gen geschäft­li­chen oder auch eige­nen Ange­le­gen­hei­ten unzu­ver­läs­sig ist und sich an gesetz­li­che Vor­ga­ben nicht hält 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Febru­ar 2014 – VII B 109/​13

  1. BFH, Beschluss vom 04.03.2004 – VII R 21/​02, BFHE 204, 563, BSt­Bl II 2004, 1016[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 28.08.2003 – VII B 71/​03, BFH/​NV 2004, 493; und vom 17.12 1999 – VII B 183/​99, BFH/​NV 2000, 597[]
  3. BFH, Urteil vom 04.12 2007 – VII R 64/​06, BFHE 220, 558, BSt­Bl II 2008, 401[]