Zugangs­ver­mu­tung bei Steu­er­be­schei­dung bei Beauf­tra­gung eines pri­va­ten Fran­kier­ser­vices

Weist das Finanz­ge­richt eine Kla­ge zu Unrecht durch Pro­zes­sur­teil als unzu­läs­sig ab, statt zur Sache zu ent­schei­den, liegt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ein Ver­fah­rens­feh­ler i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO vor 1. Ein sol­cher Man­gel liegt ins­be­son­de­re vor, wenn das Gericht des­halb nicht zur Sache ent­schei­det, weil es zu Unrecht davon aus­geht, dass die Kla­ge­frist ver­säumt ist 2.

Zugangs­ver­mu­tung bei Steu­er­be­schei­dung bei Beauf­tra­gung eines pri­va­ten Fran­kier­ser­vices

Mit der Behaup­tung, die Kla­ge­frist sei bei Kla­ge­er­he­bung nicht abge­lau­fen gewe­sen und das Finanz­ge­richt habe in die­sem Zusam­men­hang § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO unrich­tig ange­wandt, da die Ein­spruchs­ent­schei­dung nicht, wie vom Beklag­ten (Finanz­amt) behaup­tet, am 13.01.2012, son­dern erst am 16.01.2012 zur Post gege­ben wor­den sei, haben die Klä­ger einen Ver­fah­rens­feh­ler gel­tend gemacht und auch hin­rei­chend dar­ge­legt. Bedient sich –wie im Streit­fall– die Finanz­ver­wal­tung zur Bekannt­ga­be von Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen eines pri­va­ten Fran­kier­ser­vices und weist der Steu­er­pflich­ti­ge nach, dass die für die Über­mitt­lung mit ein­fa­cher Brief­post bestimm­te Sen­dung nicht an dem in den Akten des Finanz­amt als Tag der "Auf­ga­be zur Post" ver­merk­ten Zeit­punkt (hier am Frei­tag, den 13.01.2012), son­dern am ers­ten Werk­tag der Fol­ge­wo­che (d.h. am Mon­tag, den 16.01.2012) von dem Fran­kier­ser­vice fran­kiert und sodann ver­schickt wur­de, gilt die Zugangs­ver­mu­tung des § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO als wider­legt, weil ein (ver­mu­te­ter) Zugang am glei­chen Tag –dem 16.01.2012– schlecht­hin nicht mög­lich ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Juli 2013 – IX B 28/​13

  1. BFH, Beschluss vom 01.03.2013 – IX B 144/​12, BFH/​NV 2013, 952; Gräber/​Ruban, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 115 Rz 80; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 115 FGO Rz 234, jeweils m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 24.09.1985 – IX R 47/​83, BFHE 145, 299, BSt­Bl II 1986, 268; BFH, Beschluss vom 26.05.2010 – VIII B 228/​09, BFH/​NV 2010, 2080[]