Beding­ter Tötungs­vor­satz – und die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung

Beding­ten Tötungs­vor­satz hat, wer den Ein­tritt des Todes als mög­li­che, nicht ganz fern­lie­gen­de Fol­ge sei­nes Han­delns erkennt (Wis­sens­ele­ment) und bil­li­gend in Kauf nimmt (Wil­lens­ele­ment).

Beding­ter Tötungs­vor­satz – und die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung

Bei­de Ele­men­te müs­sen getrennt von­ein­an­der geprüft und durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den. Ihre Beja­hung oder Ver­nei­nung kann nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de erfol­gen 1.

In die Prü­fung sind dabei neben der objek­ti­ven Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung und der kon­kre­ten Angriffs­wei­se des Täters auch sei­ne psy­chi­sche Ver­fas­sung bei Tat­be­ge­hung und sei­ne Moti­va­ti­ons­la­ge ein­zu­be­zie­hen 2.

Das Urteil lässt eine getrenn­te Prü­fung des Wis­sens- und des Wil­lens­ele­ments ver­mis­sen. Die Über­le­gung des Land­ge­richts, der Ange­klag­te habe ein selbst bei Schlä­gen mit gerin­ger Wucht beson­ders gefähr­li­ches Werk­zeug ver­wen­det und zwar einen Not­ham­mer mit nadel­glei­cher metal­le­ner Spit­ze und er habe den Treff­punkt wegen mög­li­cher Aus­weich­be­we­gun­gen nicht kon­trol­lie­ren kön­nen, belegt, dass das Land­ge­richt aus der Kennt­nis des Ange­klag­ten von der objek­ti­ven Lebens­ge­fähr­lich­keit sei­nes Tuns auf das Wis­sens­ele­ment geschlos­sen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Dezem­ber 2016 – 1 StR 351/​16

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, Rn. 7; vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11, NStZ 2012, 443, 444; und vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699, 701 Rn. 34 f. mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, Rn. 7; und vom 16.05.2013 – 3 StR 45/​13, NStZ 2013, 581, 582 mwN[]