Betrü­ge­ri­sche Lea­sing­ge­schäf­te – und der bewirk­te Ver­mö­gens­scha­den

Ein Ver­mö­gens­scha­den tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung 1).

Betrü­ge­ri­sche Lea­sing­ge­schäf­te – und der bewirk­te Ver­mö­gens­scha­den

Maß­geb­lich ist der Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung, also der Ver­gleich des Ver­mö­gens­werts unmit­tel­bar vor und nach der Ver­fü­gung 2.

Wur­de der Getäusch­te zum Abschluss eines Ver­tra­ges ver­lei­tet, sind bei der für die Scha­dens­be­stim­mung erfor­der­li­chen Gesamt­sal­die­rung der Geld­wert des erwor­be­nen Anspruchs gegen den Ver­trags­part­ner und der Geld­wert der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung mit­ein­an­der zu ver­glei­chen (Ein­ge­hungs­scha­den). Der Getäusch­te ist geschä­digt, wenn sich dabei ein Nega­tiv­sal­do zu sei­nem Nach­teil ergibt 3. Die­ser zunächst durch die rein rech­ne­ri­sche Gegen­über­stel­lung der wirt­schaft­li­chen Wer­te der gegen­sei­ti­gen ver­trag­li­chen Ansprü­che bestimm­te Scha­den mate­ria­li­siert sich mit der Erbrin­gung der ver­spro­che­nen Leis­tung des Tat­op­fers (Erfül­lungs­scha­den) und bemisst sich nach deren vol­lem wirt­schaft­li­chen Wert, wenn die Gegen­leis­tung völ­lig aus­bleibt bzw. nach der Dif­fe­renz zwi­schen dem wirt­schaft­li­chen Wert der Leis­tung und dem­je­ni­gen der Gegen­leis­tung, soweit eine sol­che vom Täter erbracht wird 4.

Wenn und soweit in der wirt­schaft­li­chen Pra­xis geeig­ne­te Metho­den zur Bewer­tung von Ver­mö­gens­po­si­tio­nen ent­wi­ckelt wor­den sind, müs­sen die Gerich­te die­se auch ihrer Beur­tei­lung zugrun­de legen. Soweit Unsi­cher­hei­ten ver­blei­ben, ist unter Beach­tung des Zwei­fels­sat­zes der (Mindest)Schaden durch Schät­zung zu ermit­teln 5.

Spä­te­re Ent­wick­lun­gen, wie Scha­dens­ver­tie­fung oder Scha­dens­wie­der­gut­ma­chung, berüh­ren den tat­be­stand­li­chen Scha­den nicht. Sie haben ledig­lich für die Straf­zu­mes­sung Bedeu­tung 6.

Stand dem bei der Lea­sing­ge­sell­schaft ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­ab­fluss kei­ne Gegen­leis­tung gegen­über, ist der Lea­sing­ge­sell­schaft daher ein ent­spre­chen­der Ver­mö­gens­scha­den ent­stan­den. Soweit die ver­kauf­ten Gegen­stän­de nicht exis­tier­ten, konn­ten die Lea­sing­ge­sell­schaf­ten an ihnen auch kein Eigen­tum und damit auch kei­ne dem Ver­mö­gens­ab­fluss gegen­über­ste­hen­de Ver­mö­gens­po­si­ti­on erwer­ben.

Der Umstand, dass es sich bei den vor­lie­gen­den Lea­sing- und Kauf­ge­schäf­ten um wirt­schaft­lich und recht­lich auf­ein­an­der bezo­ge­ne Geschäf­te han­del­te 7, führ­te hier nicht zu einem nied­ri­ge­ren Ver­mö­gens­scha­den.

Inso­weit kein "Sale­and­lease­back-Geschäft" zwi­schen Lea­sing­ge­ber und Lea­sing­neh­mer vor­lag, bestand ein Drei­ecks­ver­hält­nis, bei dem die jewei­li­ge Lea­sing­ge­sell­schaft einen Kauf­ver­trag mit einem vom Lea­sing­neh­mer unter­schied­li­chen Ver­käu­fer schloss, um den Lea­sing­ge­gen­stand zu erwer­ben, den sie benö­tig­te, damit sie ihre durch den Lea­sing­ver­trag begrün­de­te Gebrauchs­über­las­sungs­pflicht erfül­len konn­te 8.

Die­ses lea­sing­ty­pi­sche Drei­ecks­ver­hält­nis mit zwei ver­schie­de­nen Leis­tungs­be­zie­hun­gen ist auch bei der straf­recht­li­chen Beur­tei­lung zu beach­ten. Es ist nicht des­we­gen bedeu­tungs­los, weil Finan­zie­rungs­lea­sing­ver­trä­gen das Voll­amor­ti­sa­ti­ons­prin­zip bezüg­lich der erwor­be­nen Gegen­stän­de zugrun­de liegt 9 und der Eigen­tums­er­werb letzt­lich nur der Ver­schaf­fung eines Siche­rungs­mit­tels dient. Auch die Umstän­de, dass die Ange­klag­ten bei Täu­schung der Lea­sing­ge­sell­schaf­ten nicht nur für die Lea­sing­neh­me­rin, son­dern auch für die Ver­käu­fe­rin tätig wur­den, dass der Abschluss von Lea­sing- und Kauf­ver­trag jeweils im zeit­li­chen Zusam­men­hang erfolg­te, sowie, dass die Kauf­preis­zah­lun­gen weit­ge­hend an die Lea­sing­neh­me­rin wei­ter­ge­lei­tet wur­den, füh­ren nicht dazu, dass bei­de mit unter­schied­li­chen Ver­trags­part­nern geschlos­se­nen Ver­trä­ge für die Scha­dens­be­rech­nung als ein­heit­li­cher Ver­trag zu behan­deln wären.

Selbst wenn man aber trotz der Unter­schie­de gegen­über einem "Sale­and­lease­back-Geschäft" einen sol­chen Lea­sing­ver­trag und den Kauf­ver­trag als für die Scha­dens­be­stim­mung gemäß § 263 Abs. 1 StGB maß­geb­li­che wirt­schaft­li­che Ein­heit wer­ten und hier­an anknüp­fend für erfor­der­lich hal­ten wür­de, jeweils den gesam­ten Geschäfts­ab­schluss in die Scha­dens­be­stim­mung ein­zu­be­zie­hen, ergä­be sich hin­sicht­lich des den Lea­sing­ge­sell­schaf­ten ent­stan­de­nen Ver­mö­gens­scha­dens kein ande­res Ergeb­nis. Auch dann läge ein Scha­den min­des­tens in Höhe der für die nicht exis­tie­ren­de Hard- und Soft­ware aus­ge­zahl­ten Kauf­prei­se vor.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind dann, wenn der Geschä­dig­te zum Abschluss eines Lea­sing­ver­tra­ges ver­lei­tet wur­de, bei der für die Scha­dens­be­stim­mung erfor­der­li­chen Gesamt­sal­die­rung der Geld­wert des erwor­be­nen Anspruchs gegen den Ver­trags­part­ner und der Geld­wert der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung mit­ein­an­der zu ver­glei­chen (Ein­ge­hungs­scha­den 10). Ver­langt man in der vor­lie­gen­den Fall­kon­stel­la­ti­on für die Bestim­mung des Ver­mö­gens­scha­dens des Lea­sing­ge­bers, dass neben dem Kauf­ver­trag auch der Lea­sing­ver­trag in die Gesamt­sal­die­rung ein­be­zo­gen wird, muss auch der Anspruch auf Zah­lung der Lea­sing­ra­ten und des­sen Wert bei der Gesamt­sal­die­rung zum Ver­fü­gungs­zeit­punkt berück­sich­tigt und der Kauf­preis­zah­lung gegen­über­ge­stellt wer­den. Hier­zu ist das Aus­fall­ri­si­ko in Bezug auf die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Lea­sing­ra­ten zu den jewei­li­gen Zeit­punk­ten der Kauf­preis­zah­lun­gen zu ermit­teln 11.

Der Umstand, dass bis zur Insol­venz der Lea­sing­neh­me­rin (hier: sechs Jah­re spä­ter) "alle ver­ein­bar­ten Lea­sing­ra­ten" bezahlt wur­den, steht der Annah­me eines Ver­mö­gens­scha­dens in der Höhe der erbrach­ten Kauf­preis­zah­lun­gen nicht ent­ge­gen; denn hier­in lagen ledig­lich Scha­dens­wie­der­gut­ma­chun­gen, die den tat­be­stand­li­chen Scha­den nicht berühr­ten.

Soweit sich die Gesell­schaf­ter der Lea­sing­neh­me­rin in ein­zel­nen Fäl­len für die Zah­lung der Lea­sing­ra­ten ver­bürgt hat­ten, ergab sich im hier beur­teil­ten Fall zu deren wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen, dass die­se Sicher­hei­ten 12 bereits im Zeit­punkt der Vor­nah­me der Ver­mö­gens­ver­fü­gun­gen nicht wert­hal­tig waren, mit­hin bei der Gesamt­sal­die­rung kei­nen Abzugs­pos­ten bil­de­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. März 2017 – 1 StR 350/​16

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 02.02.2016 – 1 StR 435/​15, NStZ 2016, 283 Rn.20; und vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, BGHSt 60, 1, 9 Rn. 31; Beschlüs­se vom 16.06.2014 – 4 StR 21/​14, NStZ 2014, 640 Rn. 24; vom 19.02.2014 – 5 StR 510/​13, NStZ 2014, 318, 319; vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12, NStZ 2013, 711; vom 25.01.2011 – 1 StR 45/​11, BGHSt 57, 95, 113 Rn. 75; und vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199, 201 Rn. 10, jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 02.02.2016 – 1 StR 437/​15, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 86 Rn. 33; Beschluss vom 21.04.2016 – 1 StR 456/​15, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 89 Rn. 15, jeweils mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, BGHSt 60, 1, 9, 10 Rn. 31 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, BGHSt 60, 1, 10 Rn. 31 mwN[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 BvR 2559/​08 u.a., BVerfGE 126, 170, 211 f. Rn. 113 mwN[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 21.04.2016 – 1 StR 456/​15, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 89 Rn. 15 mwN[]
  7. vgl. dazu BGH, Urteil vom 22.01.2014 – – VIII ZR 178/​13, NJW 2014, 1519[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 22.01.2014 – – VIII ZR 178/​13, NJW 2014, 1519[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 28.05.2014 – – VIII ZR 241/​13, ZMR 2014, 966[]
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 21.04.2016 – 1 StR 456/​15, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 89 Rn. 15[]
  11. vgl. BGH aaO Rn. 18[]
  12. vgl. dazu BGH, Urteil vom 02.02.2016 – 1 StR 437/​15, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 86 sowie Beschlüs­se vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12, NStZ 2013, 711; und vom 13.04.2012 – 5 StR 442/​11, BGHR § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 76 Rn. 8, jeweils mwN[]