Der Kas­sen­arzt als Amts­trä­ger

Ist der Ver­trags­arzt Amts­trä­ger? Mit die­ser Fra­ge beschäf­ti­gen sich der­zeit meh­re­re Straf­se­na­te und zukünf­tig wohl auch der Gro­ße Senat in Straf­sa­chen des Bun­des­ge­richts­hofs.

Der Kas­sen­arzt als Amts­trä­ger

Der 5. (Leip­zi­ger) Straf­se­nat hat nun unter Bezug­nah­me auf den inhalts­glei­chen Vor­la­ge­be­schluss des 3. Straf­se­nats dem Gro­ßen Senat für Straf­sa­chen eben­falls die Fra­ge vor­ge­legt, ob Ver­trags­ärz­te (Kas­sen­ärz­te) Amts­trä­ger oder – hilfs­wei­se – Beauf­trag­te eines geschäft­li­chen Betriebs sind.

In dem zugrun­de­lie­gen­den Ver­fah­ren hat das Land­ge­richt Ham­burg einen Ver­trags­arzt wegen Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr und eine Phar­ma­re­fe­ren­tin wegen Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr jeweils zu Geld­stra­fen ver­ur­teilt 1. Ledig­lich die Phar­ma­re­fe­ren­tin hat gegen die Ent­schei­dung Revi­si­on ein­ge­legt.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Ham­burg betrieb das Unter­neh­men, bei wel­chem die Ange­klag­te als Refe­ren­tin tätig war, spä­tes­tens seit dem Jahr 1997 ein "Ver­ord­nungs­ma­nage­ment", auf des­sen Basis Ver­ein­ba­run­gen mit nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten geschlos­sen wur­den. Danach erhal­ten die­se Ärz­te Prä­mi­en von 5% des Her­stel­ler­ab­ga­be­prei­ses für sämt­li­che in einem Quar­tal ver­ord­ne­ten Arz­nei­mit­tel aus dem Ver­trieb die­ses Unter­neh­mens. Die ange­klag­te Phar­ma­re­fe­ren­tin über­gab in Aus­füh­rung die­ser Ver­ein­ba­rung dem mit­an­ge­klag­ten Arzt mehr­fach Schecks in Höhe von ins­ge­samt über 10.000 €, wei­ter­hin hän­dig­te sie auf der Grund­la­ge ent­spre­chen­der Ver­ein­ba­run­gen auch ande­ren (geson­dert ver­folg­ten) Ärz­ten Schecks aus. Mit die­sen Schecks, die zum Schein als Hono­ra­re für tat­säch­lich nicht gehal­te­ne Vor­trä­ge dekla­riert wur­den, erfolg­te die Zah­lung der Prä­mi­en.

Das Land­ge­richt Ham­burg hat in sei­nem Urteil die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ein Ver­trags­arzt nicht die Anfor­de­run­gen an eine Amts­trä­ger­stel­lung nach § 11 Abs. 1 Nr. 2 Buch­sta­be c StGB erfül­le, wes­halb auch die Amts­de­lik­te der Vor­teils­an­nah­me bzw. ‑gewäh­rung, Bestech­lich­keit bzw. Bestechung, §§ 331 ff. StGB aus­schie­den. Der Ver­trags­arzt sei jedoch im Hin­blick auf die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen als Beauf­trag­ter eines geschäft­li­chen Betriebs im geschäft­li­chen Ver­kehr im Sin­ne des § 299 StGB anzu­se­hen. Da auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren die Fra­ge ent­schei­dungs­er­heb­lich ist, ob Ver­trags­ärz­te, wenn sie ihren gesetz­lich ver­si­cher­ten Pati­en­ten Arz­nei­mit­tel ver­ord­nen, als Amts­trä­ger oder Beauf­trag­te im geschäft­li­chen Ver­kehr tätig wer­den, hat der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs die­ses Ver­fah­ren gleich­falls dem Gro­ßen Senat für Straf­sa­chen vor­ge­legt. Da bei­de Fall­kon­stel­la­tio­nen gewis­se Unter­schie­de auf­wei­sen – einer­seits Ver­ord­nung einer­seits von Hilfs­mit­teln, ande­rer­seits von Arz­nei­mit­teln – erwei­tert die Vor­la­ge für den Gro­ßen Senat zudem die Ent­schei­dungs­grund­la­ge.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Juli 2011 – 5 StR 115/​11

  1. LG Ham­burg – Urteil vom 09.12.2010 – 618 KLs 10/​09 – 5701 Js 47/​09[]