Die ange­klag­te Tat – und die ande­re Tat

Der pro­zes­sua­le Tat­be­griff umfasst den von der zuge­las­se­nen Ankla­ge betrof­fe­nen geschicht­li­chen Vor­gang, inner­halb des­sen der Ange­klag­te einen Straf­tat­be­stand ver­wirk­licht haben soll. Den Rah­men der Unter­su­chung bil­det also zunächst das tat­säch­li­che Gesche­hen, wie es die Ankla­ge beschreibt.

Die ange­klag­te Tat – und die ande­re Tat

Dabei kommt es im Ein­zel­fall dar­auf an, ob zwi­schen den zu beur­tei­len­den Ver­hal­tens­wei­sen unter Berück­sich­ti­gung ihrer straf­recht­li­chen Bedeu­tung eine so enge inne­re Ver­knüp­fung besteht, dass eine getrenn­te Abur­tei­lung in ver­schie­de­nen Das Tat­ge­richt muss hier­bei sei­ne Unter­su­chung auch auf Tei­le der Tat erstre­cken, die erst in der Haupt­ver­hand­lung bekannt wer­den [1]. Das Tat­ge­richt muss hier­bei sei­ne Unter­su­chung auch auf Tei­le der Tat erstre­cken, die erst in der Haupt­ver­hand­lung bekannt wer­den [1].

Die Umge­stal­tung der Straf­kla­ge darf aber nicht dazu füh­ren, dass die Iden­ti­tät der von der Ankla­ge umfass­ten Tat nicht mehr gewahrt ist, weil das von ihr zugrun­de lie­gen­de Gesche­hen durch ein ande­res ersetzt wird [2].

Für die Beur­tei­lung, ob ein bestimm­tes tat­säch­li­ches Gesche­hen Teil der pro­zes­sua­len Tat ist, las­sen sich über das Vor­ge­nann­te hin­aus kaum gene­ra­li­sie­ren­de Kri­te­ri­en ange­ben. Maß­geb­lich sind stets die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls [3].

Gemes­sen dar­an war im vor­lie­gen­den Fall der abge­ur­teil­te Sach­ver­halt nicht Gegen­stand der Ankla­ge­schrift gewesen:Die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts wei­chen hin­sicht­lich der Tat­zeit und Men­ge des ver­wahr­ten Betäu­bungs­mit­tels so erheb­lich vom Ankla­ge­vor­wurf ab, dass mit ihnen eine ande­re als die ange­klag­te Tat beschrie­ben ist. Ent­ge­gen den Aus­füh­run­gen der Straf­kam­mer ist die "Näm­lich­keit" der Tat nicht damit zu begrün­den, dass die Ermitt­lungs­be­hör­den bei der Beur­tei­lung der Aus­sa­ge des Zeu­gen P. einem Miss­ver­ständ­nis unter­le­gen sein sol­len. Die­ser Zeu­ge schil­der­te in sei­ner Ver­neh­mung zwei unter­schied­li­che Vor­fäl­le, zum einen den ankla­ge­ge­gen­ständ­li­chen "Sechs-Kilo-Vor­fall", von dem er vom Hören­sa­gen Kennt­nis erlangt habe. Der Zeu­ge ord­ne­te den Vor­gang zeit­lich etwa zehn bis fünf­zehn Tage vor sei­ner Ver­neh­mung vom 08.12 2014 ein, dem­nach wie in der Ankla­ge­schrift zugrun­de gelegt Ende Novem­ber 2014. Zum ande­ren beschrieb der Zeu­ge P. einen Vor­fall, ohne die­sen jedoch zeit­lich näher ein­zu­ord­nen, bei dem er per­sön­lich den Mit­an­ge­klag­ten K. zum Ange­klag­ten S. beglei­tet und hier­bei sechs vaku­um­ier­te Tüten mit etwa je 100 Gramm Mari­hua­na von die­sem gezeigt bekom­men habe. Bereits die­se Schil­de­rung zeigt ein­deu­tig auf, dass es sich bei den bei­den Vor­gän­gen nicht um einen ein­heit­li­chen Vor­gang im Sin­ne einer pro­zes­sua­len Tat gehan­delt hat. Die­ser Rechts­feh­ler führt zur Auf­he­bung des Urteils in die­sem Fall und inso­weit zur Ein­stel­lung des Ver­fah­rens gemäß § 206a Abs. 1, § 354 Abs. 1 StPO.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Dezem­ber 2017 – 1 StR 542/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 20.11.2014 – 4 StR 153/​14, Stra­Fo 2015, 68; Beschluss vom 27.11.2011 – 3 StR 255/​11, NStZ 2012, 268 f.[][]
  2. BGH, Urteil vom 30.10.2008 – 3 StR 375/​08, Stra­FO 2009, 71[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.12 2012 – 1 StR 415/​12, BGHR StPO § 264 Abs. 1 Aus­schöp­fung 5 mwN[]