Die bereits voll­streck­te Ein­zel­stra­fe – Här­te­fall­aus­gleich statt nach­träg­li­cher Gesamt­stra­fe

Ist nach § 55 StGB eine nach­träg­li­che Gesamt­stra­fen­bil­dung an sich mög­lich, schei­tert sie aber dar­an, dass die frü­her erkann­te Stra­fe bereits voll­streckt, ver­jährt oder erlas­sen ist, oder wird durch die Zäsur­wir­kung einer frü­he­ren Ver­ur­tei­lung die Bil­dung einer Gesamt­stra­fe ver­hin­dert, ist die dar­in lie­gen­de Här­te bei der Bemes­sung der nun­mehr zu ver­hän­gen­den Stra­fe aus­zu­glei­chen 1.

Die bereits voll­streck­te Ein­zel­stra­fe – Här­te­fall­aus­gleich statt nach­träg­li­cher Gesamt­stra­fe

Hat das Land­ge­richt dies nicht geprüft, obwohl ein sol­cher Fall nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen in Betracht kommt, zwingt die­ser Erör­te­rungs­man­gel zur Auf­he­bung des Straf­aus­spruchs.

Die neu zu tref­fen­de Ent­schei­dung über den Gesamt­stra­fen­aus­spruch kann nicht gemäß § 354 Abs. 1b StPO dem Beschluss­ver­fah­ren nach §§ 460, 462 StPO über­las­sen wer­den, weil die hier unter Umstän­den erfor­der­li­che Ent­schei­dung über einen Här­teaus­gleich nicht in den Rege­lungs­be­reich die­ser Vor­schrif­ten fällt. Sie ist der Ent­schei­dung des Tat­ge­richts nach Durch­füh­rung einer Haupt­ver­hand­lung vor­be­hal­ten 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Febru­ar 2017 – 2 StR 439/​16

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 09.11.2010 – 4 StR 441/​10, BGHR StGB § 55 Abs. 1 Satz 1 Här­teaus­gleich 20; Urteil vom 05.11.2014 – 1 StR 299/​14, BGHR StGB § 55 Bemes­sung 4 jew. mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 25.02.2016 – 2 StR 31/​16, NStZ-RR 2016, 251[]