Ein­ge­hungs­be­trug – und der Ver­mö­gens­scha­den

War die ver­fü­gen­de Per­son zunächst durch Täu­schung zu dem Abschluss eines Ver­tra­ges ver­lei­tet wor­den und erbringt die­se spä­ter die ver­spro­che­ne Leis­tung, so bemisst sich die Höhe des Ver­mö­gens­scha­dens nach deren vol­lem wirt­schaft­li­chen Wert, wenn die Gegen­leis­tung völ­lig aus­bleibt 1.

Ein­ge­hungs­be­trug – und der Ver­mö­gens­scha­den

Den Wert der jeweils erbrach­ten Leis­tung in Form der Über­las­sung des Besit­zes an den bestell­ten Möbel­stü­cken konn­te das Land­ge­richt rechts­feh­ler­frei unter Zugrun­de­le­gung des jeweils ver­ein­bar­ten Kauf­prei­ses bestim­men.

Aus der nach objek­ti­ven wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten vor­zu­neh­men­den Scha­dens­be­stim­mung folgt, den Wert der erbrach­ten Leis­tung und – soweit erbracht – den der Gegen­leis­tung nach ihrem Ver­kehrs- bzw. Markt­wert zu bestim­men 2.

Wel­che Umstän­de der Tatrich­ter der Bestim­mung des Markt- bzw. Ver­kehrs­werts zugrun­de zu legen hat, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab 3. Schon wegen der Viel­falt der tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­se lässt sich dies nicht für sämt­li­che denk­ba­ren Kon­stel­la­tio­nen eines betrugs­re­le­van­ten Ver­mö­gens­scha­dens ein­heit­lich fest­le­gen. Ange­sichts der Not­wen­dig­keit, den objek­ti­ven Wert eines Ver­mö­gens­be­stand­teils zu bewer­ten, einer­seits und der Viel­falt mög­li­cher Lebens­sach­ver­hal­te ande­rer­seits hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den, dass in Kon­stel­la­tio­nen der Fest­le­gung des Werts einer Leis­tung, bei denen ledig­lich ein ein­zi­ger Nach­fra­ger auf dem rele­van­ten Markt vor­han­den ist, sich dann nach dem von den Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­ten Preis unter Berück­sich­ti­gung der für die Par­tei­en des frag­li­chen Geschäfts maß­geb­li­chen preis­bil­den­den Fak­to­ren bestimmt 4.

Maß­geb­lich ist aller­dings stets, dass der Tatrich­ter bei den im Rah­men sei­ner frei­en Beweis­wür­di­gung (§ 261 StPO) berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen und berück­sich­tig­ten Umstän­den der Wert­be­stim­mung der gebo­te­nen vor­ran­gig wirt­schaft­li­chen Betrach­tung hin­rei­chend Rech­nung trägt. Aus­ge­hend von die­sen Maß­stä­ben ist es jeden­falls dann, wenn ver­gleich­ba­re Pro­duk­te von einer grö­ße­ren Zahl von Markt­teil­neh­mern ange­bo­ten wer­den, recht­lich nicht zu bean­stan­den, wenn das Tat­ge­richt einen unter die­sen Bedin­gun­gen – regel­mä­ßig ohne Preis­ver­hand­lun­gen auf der Basis der Preis­lis­te des Anbie­ters – zustan­de gekom­me­nen Kauf­preis als dem Markt­wert ent­spre­chend ansieht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Febru­ar 2016 – 1 StR 437/​15

  1. BGH, Urteil vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13 Rn. 31 mwN, BGHSt 60, 1[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.01.2012 – 1 StR 45/​11, BGHSt 57, 95, 115; BGH, Urtei­le vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13 Rn. 33 mwN, BGHSt 60, 1; und vom 19.11.2015 – 4 StR 115/​15 Rn. 30 mwN[]
  3. vgl. dazu auch BGH, Urtei­le vom 20.03.2013 – 5 StR 344/​12, BGHSt 58, 205; und vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13 Rn. 31, BGHSt 60, 1 sowie Beschlüs­se vom 19.08.2015 – 1 StR 334/​15; und vom 02.09.2015 – 5 StR 186/​15, NStZ-RR 2015, 374 Rn. 7 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 14.07.2010 – 1 StR 245/​09, NStZ 2010, 700[]

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