Euro­päi­scher Haft­be­fehl – und die Zusi­che­rung men­schen­wür­di­ger Haft­be­din­gun­gen

Die all­ge­mei­ne Zusi­che­rung des Minis­te­ri­ums für Jus­tiz der Repu­blik Bul­ga­ri­en vom 13.08.2015, der zufol­ge Per­so­nen, deren Aus­lie­fe­rung auf­grund eines Euro­päi­schen Haft­be­fehls und unter einer ent­spre­chen­den Bedin­gung bewil­ligt wur­de, ent­spre­chend Art. 3 der Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten sowie den euro­päi­schen Min­dest­nor­men unter­ge­bracht wer­den, ist aus­rei­chend.

Euro­päi­scher Haft­be­fehl – und die Zusi­che­rung men­schen­wür­di­ger Haft­be­din­gun­gen

Die vor­he­ri­ge Ein­ho­lung einer indi­vi­du­el­len Zusi­che­rung der bul­ga­ri­schen Behör­den ist inso­weit nicht erfor­der­lich. Ent­behr­lich sind auch wei­te­re Details wie die genaue Anga­be der Haft­an­stalt, in die der Ver­folg­te nach erfolg­ter Aus­lie­fe­rung auf­ge­nom­men wird sowie die Beschrei­bung der kon­kre­ten Haft­be­din­gun­gen.

Den teil­wei­se unzu­rei­chen­den Haft­be­din­gun­gen in der Repu­blik Bul­ga­ri­en kann dadurch Rech­nung getra­gen wer­den, dass die Aus­lie­fe­rung nur mit der Maß­ga­be bewil­ligt wird, dass der Ver­folg­te durch­ge­hend in einer Haft­an­stalt unter­zu­brin­gen ist, deren Stan­dards den Anfor­de­run­gen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on bzw. denen der Euro­päi­schen Straf­voll­zugs­grund­sät­ze ent­spre­chen. Da das bul­ga­ri­sche Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um am 13.08.2015 eine ent­spre­chen­de Unter­brin­gung von nach Bul­ga­ri­en aus­ge­lie­fer­ten Per­so­nen all­ge­mein zuge­si­chert hat, sofern die Aus­lie­fe­rungs­be­wil­li­gung mit einer ent­spre­chen­den Bedin­gung ver­knüpft wird, erscheint die vor­he­ri­ge Ein­ho­lung einer indi­vi­du­el­len Zusi­che­rung der bul­ga­ri­schen Behör­den nicht erfor­der­lich 1.

Soweit das OLG Mün­chen im Beschluss vom 27.10.2015 2 die genaue Anga­be der Haft­an­stalt erwar­tet, in die der Ver­folg­te nach erfolg­ter Aus­lie­fe­rung auf­ge­nom­men und in der er wäh­rend der Dau­er des Frei­heits­ent­zugs inhaf­tiert sein wird, sowie die Zusi­che­rung, dass die räum­li­che Unter­brin­gung und die sons­ti­ge Gestal­tung der Haft­be­din­gun­gen in die­ser Haft­an­stalt den euro­päi­schen Min­dest­stan­dards ent­spre­chen und den Häft­lin­gen dort kei­ne unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Stra­fe oder Behand­lung im Sin­ne von Art. 3 der Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten droht, sowie die Beschrei­bung der Haft­be­din­gun­gen in der nament­lich benann­ten Haft­an­stalt, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Zahl der Haft­plät­ze, die Gesamt­zahl der Gefan­ge­nen, Anzahl, Grö­ße und Aus­stat­tung der Haft­räu­me (ins­be­son­de­re auch Anga­ben zu Fens­tern, Frisch­luft­zu­fuhr und Hei­zung), Bele­gung der Haft­räu­me, Aus­stat­tung der Haft­an­stalt mit sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen, Ver­pfle­gungs­be­din­gun­gen, Art und Bedin­gun­gen des Zugangs der Häft­lin­ge zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung, hält das Ober­lan­des­ge­richt der­ar­tig detail­lier­te Zusi­che­run­gen nicht für geeig­net; sie wer­den der Dyna­mik eines gege­be­nen­falls län­ge­ren Straf­voll­zug nicht gerecht. Im Lauf der Zeit des Voll­zugs – wie vor­lie­gend – lang­jäh­ri­ger Frei­heits­stra­fen kann sich die (Über)Belegungssituation – etwa auch auf­grund von Ände­run­gen der Gesamt­zahl inhaf­tier­ter Per­so­nen sowie von Voll­stre­ckungs­plä­nen schnell ändern. Eben­so kann die Aus­stat­tung der Haft­räu­me einer Anstalt auf­grund von Reno­vie­rungs­maß­nah­men oder dem Unter­las­sen sol­cher Ver­än­de­run­gen vari­ie­ren. Mit zuneh­men­der Dau­er des Voll­zugs wer­den Locke­run­gen in Betracht zu zie­hen sein. Auf der­ar­ti­ge Ent­wick­lun­gen kann der Urteils­staat fle­xi­bler mit einer Ver­le­gung des Gefan­ge­nen in eine ande­re – adäqua­te – Anstalt reagie­ren, als nach einer Zusi­che­rung des Ver­bleibs in einer kon­kre­ten Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt. Das Ober­lan­des­ge­richt hält die genann­te Zusi­che­rung des bul­ga­ri­schen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um vom 13.08.2015 auch für völ­ker­recht­lich ver­bind­lich und hegt die Erwar­tung, dass die Bun­des­re­gie­rung von ihren Inspek­ti­ons­mög­lich­kei­ten auch tat­säch­lich Gebrauch macht und die mit Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­ren befass­ten Ober­lan­des­ge­rich­te über hier­bei erlang­te Ergeb­nis­se infor­miert.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 8. März 2016 – 1 Ausl 8/​16

  1. so auch OLG Frank­furt am Main, Beschluss vom 14.01.2016 – 2 Ausl A 184/​15; vgl. auch OLG Ros­tock, Beschluss vom 14.10.2015 – 2 Ausl 25/​15[]
  2. OLG Mün­chen, Beschluss vom 27.10.2015 – 1 AR 392/​15[]