Gesamt­stra­fen­bil­dung – und die Dar­stel­lung der frü­he­ren Ver­ur­tei­lun­gen in den Ent­schei­dungs­grün­den

Die Urteils­grün­de zur Gesamt­stra­fen­bil­dung lei­den an einem Dar­stel­lungs­man­gel bereits des­halb, wenn sie sich nicht zum Ein­tritt der Rechts­kraft der vor­aus­ge­gan­ge­nen Urtei­le ver­hal­ten.

Gesamt­stra­fen­bil­dung – und die Dar­stel­lung der frü­he­ren Ver­ur­tei­lun­gen in den Ent­schei­dungs­grün­den

Dies gilt auch, wenn sich zwar dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Urteils­grün­de noch hin­rei­chend sicher ent­neh­men lässt, dass die Vor­ver­ur­tei­lun­gen zum Zeit­punkt der Urteils­ver­kün­dung im hie­si­gen Ver­fah­ren rechts­kräf­tig waren, was sich im vor­lie­gen­den Fall für den Bun­des­ge­richts­hof ins­be­son­de­re auch dar­aus ergab, dass ande­ren­falls das Amts­ge­richt Osna­brück kei­nen Gesamt­stra­fen­be­schluss hät­te erlas­sen dür­fen. Das land­ge­richt­li­che Urteil teilt aber die Rechts­kraft­da­ten der bei­den Vor­ver­ur­tei­lun­gen nicht mit; sei­nen Grün­den lässt sich nicht ent­neh­men, dass die­se straf­recht­li­chen Erkennt­nis­se zeit­nah in Rechts­kraft erwach­sen sind. Ande­ren­falls bestün­de die Mög­lich­keit, dass in den jewei­li­gen Ver­fah­ren den benann­ten Ent­schei­dun­gen der Amts­ge­rich­te Osna­brück und Bie­le­feld zeit­lich fol­gend noch wei­te­re wenigs­tens noch über einen Teil des Straf­aus­spruchs zu befin­den war 1.

Ins­be­son­de­re für die Vor­ver­ur­tei­lung durch das Amts­ge­richt Osna­brück am 9.09.2014 kommt hier in Betracht, dass in dem betref­fen­den Ver­fah­ren nach Ver­kün­dung die­ses Urteils eine wei­te­re Sach­ent­schei­dung im Sin­ne des § 55 Abs. 1 Satz 2 StPO getrof­fen wur­de. Denn der Gesamt­stra­fen­be­schluss des Amts­ge­richts Osna­brück vom 25.01.2016 wäre auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen zu den Vor­stra­fen nur dann frei von Rechts­feh­lern, wenn eine sol­che Ent­schei­dung nach dem 24.10.2014 – der Tat­zeit der zwei­ten der bei­den vom Amts­ge­richt Bie­le­feld abge­ur­teil­ten Dieb­stahlsta­ten – ergan­gen wäre. Dies hät­te für die hie­si­ge Gesamt­stra­fen­bil­dung zur Fol­ge, dass nicht nur die Stra­fe aus dem Urteil des Amts­ge­richts Osna­brück, son­dern auch die vom Amts­ge­richt Bie­le­feld fest­ge­setz­ten Ein­zel­stra­fen mit ein­zu­be­zie­hen wären. Die Straf­kam­mer hat dem­ge­gen­über von deren Ein­be­zie­hung abge­se­hen und ist somit ohne nähe­re Erör­te­rung von der Rechts­wid­rig­keit des Gesamt­stra­fen­be­schlus­ses vom 25.01.2016 aus­ge­gan­gen.

Über die Gesamt­stra­fe war nach alle­dem noch­mals zu ent­schei­den, wobei der Bun­des­ge­richts­hof von der § 354 Abs. 1b Satz 1 StPO eröff­ne­ten Mög­lich­keit Gebrauch machtt, die Ent­schei­dung dem Nach­ver­fah­ren gemäß §§ 460, 462 StPO zuzu­wei­sen. Dabei wird die hier­zu beru­fe­ne Straf­kam­mer zu beach­ten haben, dass inso­weit der Voll­stre­ckungs­stand des gegen den Ange­klag­ten ergan­ge­nen Gesamt­stra­fen­be­schlus­ses zum Zeit­punkt der Ver­kün­dung des ange­foch­te­nen Urteils (30.01.2018) maß­ge­bend ist 2 und im Fall einer vom Erst­ur­teil abwei­chen­den Gesamt­stra­fen­bil­dung auch Augen­merk auf das Ver­schlech­te­rungs­ver­bot des § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO zu rich­ten sein wird 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2018 – 3 StR 245/​18

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.09.2009 – 3 StR 178/​09, NStZ-RR 2010, 41; vom 03.05.2016 – 3 StR 101/​16 2; vom 08.06.2016 – 4 StR 73/​16, NStZ-RR 2016, 275, 276; San­der, NStZ 2016, 584, 586 mwN[]
  2. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 05.07.2011 – 3 StR 188/​11 5; vom 06.03.2018 – 3 StR 530/​17, StV 2018, 489, 490[]
  3. s. etwa BGH, Beschluss vom 08.06.2016 – 4 StR 73/​16, NStZ-RR 2016, 275, 276[]