Jugend­stra­fe – wegen de Schwe­re der Schuld

Der Schuld­ge­halt der Tat bei der Bege­hung durch her­an­wach­sen­de Täter, auf die das Jugend­straf­recht Anwen­dung fin­det, ist jugend­spe­zi­fisch zu bestim­men.

Jugend­stra­fe – wegen de Schwe­re der Schuld

Die "Schwe­re der Schuld" im Sin­ne des § 17 Abs. 2 JGG wird daher nicht vor­ran­gig anhand des äuße­ren Unrechts­ge­halts der Tat und ihrer Ein­ord­nung nach dem all­ge­mei­nen Straf­recht bestimmt. Viel­mehr ist auf die inne­re Tat­sei­te abzu­stel­len 1.

Gemäß § 18 Abs. 2 JGG bemisst sich die Höhe der Jugend­stra­fe vor­ran­gig nach erzie­he­ri­schen Gesichts­punk­ten. Die Urteils­grün­de müs­sen des­halb erken­nen las­sen, dass dem Erzie­hungs­ge­dan­ken die ihm zukom­men­de Beach­tung geschenkt und bei der Bemes­sung der Jugend­stra­fe das Gewicht des Tat­un­rechts gegen die Fol­gen der Stra­fe für die wei­te­re Ent­wick­lung des Her­an­wach­sen­den abge­wo­gen wor­den ist.

Die Urteils­aus­füh­run­gen las­sen nicht erken­nen, dass das Land­ge­richt dem Erzie­hungs­ge­dan­ken Bedeu­tung bei­gemes­sen hat 2, wenn es in den Urteils­grün­den allei­ne auf das Tat­un­recht abge­stellt und nur Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen aus dem all­ge­mei­nen Straf­recht genannt hat. Die ver­häng­te Ein­heits­ju­gend­stra­fe hat es des­halb im vor­lie­gen­den Fall als "tat- und schuld­an­ge­mes­sen" bezeich­net. Unter erzie­he­ri­schen Gesichts­punk­ten hät­te es zum Bei­spiel – gege­be­nen­falls – auf eine posi­ti­ve Ent­wick­lung ein­ge­hen müs­sen, die der Ange­klag­te seit der Tat genom­men hat 3. An der­ar­ti­gen Erwä­gun­gen zum Erzie­hungs­be­darf fehlt es in den Urteils­grün­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. August 2016 – 2 StR 585/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 19.02.2014 – 2 StR 413/​13, NStZ 2014, 407, 408[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.04.2015 – 2 StR 503/​14, NStZ 2016, 105[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 04.12 2012 – 2 StR 376/​12, StV 2013, 758[]