Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung – und die Bemes­sung der Kom­pen­sa­ti­on

Nach den Grund­sät­zen der Recht­spre­chung sind als Grund­la­ge der Kom­pen­sa­ti­on Art, Aus­maß und Ursa­chen der Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung zu ermit­teln und im Urteil kon­kret fest­zu­stel­len.

Rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung – und die Bemes­sung der Kom­pen­sa­ti­on

Hier­bei ist zu beach­ten, dass nicht – wie in der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung ange­nom­men – die gesam­te Ver­fah­rens­dau­er von der Auf­nah­me der Ermitt­lun­gen bis zum Abschluss der Haupt­ver­hand­lung unein­ge­schränkt und pau­schal als rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung ange­se­hen wer­den kann.

Viel­mehr ist zu berück­sich­ti­gen, dass in die­sem Zeit­raum auch not­wen­di­ge, den Fort­gang des Ver­fah­rens för­dern­de Tätig­kei­ten vor­ge­nom­men wur­den, deren Erle­di­gung jeweils eine ange­mes­se­ne Zeit bean­spru­chen und dau­ern durf­te, ohne dass dar­in eine rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung gese­hen wer­den könn­te [1].

Es wird des­halb fest­zu­stel­len sein, wel­cher Zeit­raum bei zeit­lich ange­mes­se­ner Ver­fah­rens­ge­stal­tung für die Erle­di­gung der ent­spre­chen­den Maß­nah­men in den ver­schie­de­nen Ver­fah­rens­sta­di­en (Ermitt­lungs, Zwi­schen- und Haupt­ver­fah­ren) bean­sprucht wer­den durf­te. Die­ser ist bei der Berech­nung der Dau­er der rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung nicht zu berück­sich­ti­gen [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Juli 2015 – 2 StR 38/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 06.03.2008 – 3 StR 514/​07[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.05.2008 – 3 StR 157/​08; Urteil vom 09.10.2008 – 1 StR 238/​08[]