Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung – im beson­ders schwe­ren Fall

Ein beson­ders schwe­rer Fall der Steu­er­hin­ter­zie­hung liegt gemäß § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO in der Regel vor, wenn der Täter in gro­ßem Aus­maß Steu­ern ver­kürzt oder nicht gerecht­fer­tig­te Steu­er­vor­tei­le erlangt.

Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung – im beson­ders schwe­ren Fall

Wur­de die Tat vor dem 1.01.2008 began­gen, fin­det § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO in der bis zum 31.12 2007 gel­ten­den Fas­sung Anwen­dung. Das Regel­bei­spiel ist in die­sem Fall nur dann erfüllt, wenn der Täter zudem aus gro­bem Eigen­nutz gehan­delt hat. Gro­ber Eigen­nutz ist ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal im Sin­ne des § 28 StGB.

Der Bege­hungs­zeit­punkt der Tat bestimmt sich bei einer Bei­hil­fe gemäß § 2 Abs. 1, 2, § 8 StGB nach dem Zeit­punkt der Teil­nah­me­hand­lung als sol­cher und nicht nach dem Bege­hungs­zeit­punkt der Haupt­tat. Die Teil­nah­me­hand­lung ist been­det, wenn sie als sol­che abge­schlos­sen ist; auf den Tat­er­folg kommt es nach § 8 Satz 2 StGB nicht an.

Es ist rechts­feh­ler­haft, bei der Annah­me eines beson­ders schwe­ren Fal­les allein an das vom Haupt­tä­ter ver­wirk­lich­te Regel­bei­spiel der Steu­er­ver­kür­zung in gro­ßem Aus­maß anzu­knüp­fen.

Ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Annah­me eines beson­ders schwe­ren Fal­les (inner­halb oder außer­halb der Regel­bei­spie­le) erfüllt sind, ist bei meh­re­ren Tat­be­tei­lig­ten für jeden von ihnen geson­dert zu prü­fen. Das Ergeb­nis rich­tet sich – wenn auch unter Berück­sich­ti­gung der Tat des oder der ande­ren Betei­lig­ten – jeweils nach dem Tat­bei­trag und der Per­son des Teil­neh­mers, des­sen Stra­fe zuge­mes­sen wer­den soll.

Für die Bewer­tung der Tat des Gehil­fen und den zugrun­de zu legen­den Straf­rah­men ist somit ent­schei­dend, ob sich die Bei­hil­fe selbst – bei Berück­sich­ti­gung des Gewichts der Haupt­tat – als beson­ders schwe­rer Fall dar­stellt [1].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Sep­tem­ber 2016 – 1 StR 575/​15

  1. st. Rspr.; BGH, Beschlüs­se vom 17.02.1982 – 3 StR 19/​82, NStZ 1982, 206; vom 12.10.1987 – 2 StR 499/​87; vom 17.03.1989 – 2 StR 712/​88; BGHR BtMG § 29 Abs. 3 Nr. 4, Gehil­fe 2; vom 22.09.2008 – 1 StR 323/​08, NJW 2009, 690; vom 13.09.2007 – 5 StR 65/​07, wis­tra 2007, 461; und vom 31.07.2012 – 5 StR 188/​12, NStZ-RR 2012, 342[]