Nicht­an­mel­dung von Bar­geld­mit­teln an der Gren­ze – und die Buß­geld­hö­he

Hält das in einem Buß­geld­ver­fah­ren zu ent­schei­den­de Gericht die von der Buß­geld­be­hör­de nach ver­wal­tungs­in­ter­nen Anwei­sun­gen nach Pro­zent­zah­len – wie im Erlass der Bun­des­fi­nanz­di­rek­ti­on Süd­west des Zolls vom 03.02.2011 bezüg­lich § 31b ZollVG vor­ge­se­hen – ange­nom­me­ne Buß­geld­hö­he im Ein­zel­fall für ange­mes­sen, kann es auf die­se erken­nen, andern­falls muss es nach unten oder oben hier­von abwei­chen.

Nicht­an­mel­dung von Bar­geld­mit­teln an der Gren­ze – und die Buß­geld­hö­he

Aller­dings teilt das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he die Ansicht, dass die vom OLG Karls­ru­he mit Beschluss vom 12.12.20011 auf­ge­stell­ten all­ge­mei­nen Regel­sät­ze bei der Bemes­sung von Geld­bu­ßen nach § 12 c Abs. 1 FVG, wonach bei Vor­satz bis zu 8% und bei Fahr­läs­sig­keit bis zu 3% der mit­ge­führ­ten und nicht ange­zeig­ten Bar­mit­tel als Aus­gangs­punkt des im Ein­zel­nen dann noch aus­zu­ge­stal­ten­den rich­ter­li­chen Zumes­sungs­ak­tes her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen, mit Außer­kraft­tre­ten des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes bzw. der Nach­fol­ge­vor­schrift des § 31a Abs. 2 und 3 ZollVG und der seit 15.12.2005 unun­ter­bro­chen gül­ti­gen Ver­ord­nung (EG) Nr. 1889/​2005 des Euro­päi­schen Par­la­men­tes und des Rates vom 26.10.2005 über die Über­wa­chung von Bar­mit­teln, die in die Gemein­schaft oder aus der Gemein­schaft ver­bracht wer­den2, spä­tes­tens mit den am 15.06.2007 in Kraft getre­te­nen Rege­lun­gen der §§ 12a Abs. 1, 31b ZollVG ihre Grund­la­ge ver­lo­ren haben. Dies ergibt sich auch dar­aus, dass durch die Neu­re­ge­lung der Buß­geld­rah­men geän­dert wur­de, die­ser nun nicht mehr, wie dies bei § 12c Abs. 2 FVG bzw. bei § 31a Abs. 2 ZollVG i.d.F. v. 21.06.2005 der Fall war, an die Höhe des mit­ge­führ­ten Betra­ges gekop­pelt ist, son­dern nun­mehr nach § 31b Abs. 2 ZollVG bei Vor­satz von 5 Euro bis zu 1.000.000 Euro und bei Fahr­läs­sig­keits­ta­ten (§ 17 Abs. 2 OWiG) bis zu 500.000 Euro reicht. Für die Annah­me, dass hier­durch neben einer Anpas­sung an die übli­che Geset­zes­sys­te­ma­tik auch eine Anhe­bung des Buß­geld­ni­veaus erreicht wer­den soll, spricht die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1889/​2005 des Euro­päi­schen Par­la­men­tes und des Rates vom 26.10.2005 über die Über­wa­chung von Bar­mit­teln, die in die Gemein­schaft oder aus der Gemein­schaft ver­bracht wer­den3 i.V.m. §§ 1 Abs. 3, 12a Abs. 1 ZollVG. Danach sind die Mit­glieds­staa­ten zur Ver­hin­de­rung und Ver­fol­gung vor allem der Geld­wä­sche gemäß Art. 9 Abs. 1 der Ver­ord­nung zur Fest­le­gung von wirk­sa­men, ver­hält­nis­mä­ßi­gen und abschre­cken­den Sank­tio­nen gehal­ten.

Soweit danach die Bun­des­fi­nanz­di­rek­ti­on Süd­west des Zolls infol­ge einer bun­des­wei­ten Dienst­be­spre­chung Straf- und Buß­geld­an­ge­le­gen­hei­ten Sach­ge­bie­te Ahn­dung-Fach­ge­bie­te 2/​3 der Haupt­zoll­äm­ter vom 04./05.08.2010 in Pies­sow – TOP 16 – in einem Erlass vom 03.02.20114 und nach dem Schrei­ben des Haupt­zoll­am­tes Karls­ru­he vom 09.07.20135 auch auf Anord­nung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen bun­des­wei­te Maß­stä­be erlas­sen hat, wonach Zoll­be­hör­den bei Vor­satz­ta­ten 25% und bei Fahr­läs­sig­keits­ta­ten 12% des mit­ge­führ­ten Betra­ges zugrun­de legen sol­len, bin­den die­se Regel­sät­ze die Gerich­te nicht. Inso­weit ent­spricht es der stän­di­gen Recht­spre­chung des Ober­lan­des­ge­richts und ist auch ober­ge­richt­lich geklärt, dass sol­che Ver­wal­tungs­richt­li­ni­en anders als der nach § 26a StVG erlas­se­ne Buß­geld­ka­ta­log6, für Gerich­te nicht ver­bind­lich sind, son­dern ledig­lich als ver­wal­tungs­in­ter­ne Wei­sung für die gleich­mä­ßi­ge Ahn­dung gleich gela­ger­ter Ver­stö­ße sor­gen sol­len, Die­se Sät­ze sind aber vor allem wegen der gebo­te­nen Gleich­be­hand­lung ähn­li­cher Ver­stö­ße auch nicht völ­lig unbe­acht­lich, son­dern in jedem Ein­zel­fall – auch durch die Behör­de – auf ihre Ange­mes­sen­heit bezüg­lich der Höhe der zu ver­hän­gen­den Sank­ti­on hin zu über­prü­fen. Die Her­an­zie­hung der­ar­ti­ger Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen darf aber nicht dazu füh­ren, dass die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Betrof­fe­nen außer Betracht blei­ben und gegen die­sen eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge; und vom ihm nicht mehr leist­ba­re Sank­ti­on ver­hängt wird7.

Hält danach das zu ent­schei­den­de Gericht die von der Buß­geld­be­hör­de nach ver­wal­tungs­in­ter­nen Anwei­sun­gen nach Pro­zent­zah­len – wie vor­lie­gend im Erlass der Bun­des­fi­nanz­di­rek­ti­on Süd­west des Zolls vom 03.02.2011 vor­ge­schla­gen – ange­nom­me­ne Buß­geld­hö­he im Ein­zel­fall für ange­mes­sen, kann es auf die­se erken­nen, andern­falls muss es nach unten oder oben hier­von abwei­chen. Daher kann auch ein Buß­geld in Höhe von 25% des nicht dekla­rier­ten Betra­ges bei Vor­satz­de­lik­ten ange­mes­sen erschei­nen8. Einer abschlie­ßen­den und rechts­grund­sätz­li­chen Klä­rung der sich inso­weit stel­len­den Fra­gen, auch im Hin­blick auf die für die Buß­geld­be­mes­sung nach dem ZollVG noch wei­ter maß­geb­li­chen Bemes­sungs­kri­te­ri­en, bedurf­te es jedoch nicht, da es im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall hier­auf nicht ankommt.

Inso­weit ergab näm­lich für das OLG Karls­ru­he die Über­prü­fung des hier ange­foch­te­nen Urteils anhand der vom OLG Karls­ru­he bereits frü­her auf­ge­stell­ten Gesichts­punk­te9, dass das Amts­ge­richt im Ergeb­nis zu Recht von dem von der Buß­geld­be­hör­de zugrun­de geleg­ten Maß­stab abge­wi­chen und eine wesent­lich nied­ri­ge­re Sank­ti­on ver­hängt hat. Bei dem Betrof­fe­nen han­delt es sich näm­lich aus­weis­lich der Urteils­grün­de um einen zwi­schen­zeit­lich 69-jäh­ri­gen Rent­ner, wel­cher sei­nen Lebens­un­ter­halt von monat­lich 753 Euro Ren­te sowie einem monat­li­chen Zusatz­ver­dienst von 400 Euro bestrei­tet. Da etwai­ge Erschwe­rungs­grün­de aus den Urteils­grün­den nicht ersicht­lich sind und auch kei­ne Fest­stel­lun­gen zu vor­han­de­nen Ver­mö­gens­wer­ten des Betrof­fe­nen getrof­fen wur­den, erscheint in Anbe­tracht vor allem die­ser Ein­kom­mens­la­ge, des Geständ­nis­ses des Betrof­fe­nen sowie nahe­lie­gen­der sprach­li­cher Ver­stän­di­gungs­schwie­rig­kei­ten die vom Amts­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Bemes­sung der Geld­bu­ße mit 800 Euro im Ergeb­nis als ange­mes­sen und inner­halb des tatrich­ter­li­chen Bewer­tungs­spiel­raums lie­gend, auch wenn der Tatrich­ter zur Begrün­dung der Buß­geld­hö­he auf die vom OLG Karls­ru­he frü­her10 unter Gel­tung des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes auf­ge­stell­ten Regel­sät­ze mit abge­stellt hat.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 18. Juli 2014 – 1 (8) SsBs 533/​13; 1 (8) SsBs 533/​13AK180/​13

  1. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 12.12.2001 – 1 Ss 212/​01 []
  2. ABL. L 309 vom 25.11.2005 []
  3. ABL. L 309 vom 25.11.2005; Erwä­gungs­grün­de 2, 5, und 6 []
  4. BFD Süd­west, Erlass vom 03.02.2011 – S 0730 B – 10/​11 – RF 2203 []
  5. HZA Karls­ru­he, Schrei­ben vom 09.07.2013 – BL 11/​13 – F 2213 Z []
  6. vgl. hier­zu Göh­ler, OWiG, 16. Auf­la­ge § 2012, § 17 Rn. 32; Rn. 168 vor § 59 []
  7. vgl. hier­zu OLG Karls­ru­he NZV 2005, 329; Göh­ler, a.a.O, § 17 Rn. 32 []
  8. vgl. auch AG Saar­brü­cken, Urteil vom 03.03.2010, 43 OWi 33 Js 797/​0, abge­druckt bei juris; dass Urteil vom 24.04.2009, 43 OWi 448/​08 u.a., abge­druckt bei juris []
  9. OLG Karls­ru­he NZV 2005, 329 []
  10. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 12.12.2001, 1 Ss 212/​01 []