Straf­be­frei­en­der Rück­tritt vom been­de­ten Ver­such

Ein been­de­ter Ver­such liegt vor, wenn der Täter nach der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung den Ein­tritt des tat­be­stands­mä­ßi­gen Erfolgs für mög­lich hält (sog. Rück­tritts­ho­ri­zont; vgl. nur BGH, Beschluss vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221, 227). Eine Kor­rek­tur des Rück­tritts­ho­ri­zonts ist in engen Gren­zen mög­lich.

Straf­be­frei­en­der Rück­tritt vom been­de­ten Ver­such

Der Ver­such eines Tötungs­de­likts ist daher nicht been­det, wenn der Täter zunächst irr­tüm­lich den Ein­tritt des Todes für mög­lich hält, aber "nach als­bal­di­ger Erkennt­nis sei­nes Irr­tums" von wei­te­ren Aus­füh­rungs­hand­lun­gen Abstand nimmt [1]. Die Fra­ge, ob nach die­sen Rechts­grund­sät­zen von einem been­de­ten oder unbe­en­de­ten Ver­such aus­zu­ge­hen ist, bedarf ins­be­son­de­re dann ein­ge­hen­der Erör­te­rung, wenn das ange­grif­fe­ne Tat­op­fer nach der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung noch – vom Täter wahr­ge­nom­men – zu kör­per­li­chen Reak­tio­nen fähig ist, die geeig­net sind, Zwei­fel dar­an auf­kom­men zu las­sen, das Opfer sei bereits töd­lich ver­letzt [2].

So liegt es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs etwa in dem Fall, dass das Opfer noch in der Lage ist, sich vom Tat­ort weg­zu­be­we­gen [3]. Ein sol­cher Umstand kann geeig­net sein, die Vor­stel­lung des Täters zu erschüt­tern, alles zur Errei­chung des gewoll­ten Erfolgs getan zu haben [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2014 – 2 StR 78/​14

  1. vgl. Fischer, StGB, 62. Aufl., § 24 Rn. 15d mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 07.11.2001 – 2 StR 428/​01, NStZ-RR 2002, 73, 74; BGH, Urteil vom 06.03.2013 – 5 StR 526/​12, NStZ 2013, 463; Urteil vom 17.07.2014 – 4 StR 158/​14, NStZ 2014, 569, 570[]
  3. BGH, Beschluss vom 19.12 2000 – 4 StR 525/​00; Urteil vom 11.11.2004 – 4 StR 349/​04, NStZ 2005, 331 f.; Urteil vom 17.07.2014 – 4 StR 158/​14, NStZ 2014, 569, 570 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 17.07.2014, aaO mwN[]