Straf­voll­zug – und der Nicht­rau­cher­schutz

Das im nord­rhein-west­fä­li­schen Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz (NiSchG NRW) gere­gel­te Rauch­ver­bot ist auch von den Jus­tiz­voll­zugs­be­hör­den durch­zu­set­zen.

Straf­voll­zug – und der Nicht­rau­cher­schutz

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall fest­ge­stellt, dass die bean­stan­de­te Unter­brin­gung des betrof­fe­nen Gefan­ge­nen rechts­wid­rig war. Der ange­foch­te­ne Beschluss des Land­ge­richts Dort­mund vom 18.05.2017 1 ist auf­ge­ho­ben wor­den. Im Dezem­ber 2016 befand sich der 1977 gebo­re­ne Straf­ge­fan­ge­ne einer nord­rhein-west­fä­li­schen Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt zum Abschluss eines sta­tio­nä­ren Auf­ent­hal­tes im War­te­raum des Jus­tiz­voll­zugs­kran­ken­hau­ses in Frön­den­berg. Dort war er mehr als 1 Stun­de gemein­sam mit 14 ande­ren Straf­ge­fan­ge­nen unter­ge­bracht, von denen acht Per­so­nen rauch­ten.

Der Gefan­ge­ne hat dar­auf­hin bei der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Dort­mund bean­tragt, fest­zu­stel­len, dass sei­ne gemein­sa­me Unter­brin­gung mit Rau­chern rechts­wid­rig war.

Der Antrag hat­te in ers­ter Instanz kei­nen Erfolg. Nach der im Ver­fah­ren abge­ge­be­nen Stel­lung­nah­me des Jus­tiz­voll­zugs­kran­ken­hau­ses sei es der Anstalt trotz der ergrif­fe­nen vor­beu­gen­den Maß­nah­me – der Abnah­me von Feu­er­zeu­gen bei der Umklei­dung – nicht mög­lich gewe­sen, das bean­stan­de­te Rau­chen voll­stän­dig zu ver­hin­dern. Aus­ge­hend hier­von ent­schied die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Dort­mund, dass die durch das NSchG NRW gewähr­leis­te­ten Rech­te des Gefan­ge­nen im vor­lie­gen­den Fall nicht durch das Jus­tiz­voll­zugs­kran­ken­haus, son­dern durch die rau­chen­den Mit­in­haf­tier­ten ver­letzt wor­den sei­en. Dage­gen hat der Straf­ge­fan­ge­ne mit der Rechts­be­schwer­de gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, dass die Argu­men­ta­ti­on des Jus­tiz­voll­zugs­kran­ken­hau­ses, nach wel­cher das Rau­chen der Mit­in­haf­tier­ten durch die – als ein­zig kon­kre­te Maß­nah­me benann­te – Abnah­me von Feu­er­zeu­gen bei der Umklei­dung nicht habe ver­hin­dert wer­den kön­nen, nicht den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 2 for­mu­lier­ten Anfor­de­run­gen genü­ge. Nach den Vor­ga­ben der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung habe der Staat den Jus­tiz­voll­zug so zu gestal­ten, dass dem Anspruch eines nicht­rau­chen­den Gefan­ge­nen auf Schutz vor Gefähr­dung und erheb­li­cher Beläs­ti­gung durch das Rau­chen von Mit­ge­fan­ge­nen und Auf­sichts­per­so­nal Rech­nung getra­gen wer­de. Des­we­gen sei es Auf­ga­be der Voll­zugs­be­hör­de, im vor­lie­gen­den Fall des Jus­tiz­voll­zugs­kran­ken­hau­ses, durch geeig­ne­te, von der Beschwer­de eines Nicht­rau­chers unab­hän­gi­ge Vor­keh­run­gen, wie z.B. Rauch­mel­der, für eine sys­te­ma­ti­sche Durch­set­zung des sich aus dem NiSchG NRW erge­ben­den gesetz­li­chen Rauch­ver­bots zu sor­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 18. Juli 2017 – 1 Vollz(Ws) 274/​17

  1. LG Dort­mund, Beschluss vom 18.05.2017 – 66 StVK 32/​17[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 18.05.2017 – 2 BvR 249/​17 und vom 20.03.2013 – 2 BvR 67/​11[]