Streit­wert­be­schwer­de in Straf­voll­zugs­sa­chen

Eine Streit­wert­be­schwer­de ist in Straf­voll­zugs­sa­chen unab­hän­gig von einer Anfech­tung der Haupt­ent­schei­dung statt­haft. Das Ober­lan­des­ge­richt hat bei einer Streit­wert­be­schwer­de in Straf­voll­zugs­sa­chen in der Beset­zung mit drei Rich­tern zu ent­schei­den.

Streit­wert­be­schwer­de in Straf­voll­zugs­sa­chen

Die Streit­wert­be­schwer­de ist nach § 68 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 GKG zuläs­sig. Sie ist ins­be­son­de­re unab­hän­gig von der Haupt­ent­schei­dung – § 68 GKG ent­hält kei­ne Beschrän­kung des Beschwer­de­rechts – statt­haft 1. Der Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te ist nach § 32 Abs. 2 Satz 1 RVG aus eige­nem Recht zur Ein­le­gung des Rechts­mit­tels befugt.

Der Beschwer­de­wert, der nach der Dif­fe­renz der Rechts­an­walts­ge­büh­ren zwi­schen dem fest­ge­setz­ten und dem ange­streb­ten Streit­wert zu berech­nen ist 2, muss 200, – € über­stei­gen. Anzu­set­zen sind dabei man­gels sons­ti­ger Anga­ben des Beschwer­de­füh­rers jeweils die Ver­fah­rens­ge­bühr nach Nr. 3100 VV RVG (d.h. das 1, 3‑fache der in § 13 Abs. 1 RVG bestimm­ten Gebühr), die Post- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­pau­scha­le von 20 Pro­zent bzw.20 € nach Nr. 7002 VV RVG sowie die auf die­se Ver­gü­tung anfal­len­de Umsatz­steu­er nach Nr. 7008 VV RVG. Wäh­rend sich hier­für bei einem Streit­wert von 500, – € ein Ver­gü­tungs­an­spruch von 83, 54 € ergibt, beträgt die­ser bei einem Streit­wert von 5.000 € 492, 54 €, sodass sich eine Dif­fe­renz von 409, – € errech­net.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat nicht durch den Ein­zel­rich­ter, son­dern in der Beset­zung mit drei Rich­tern zu ent­schei­den. Eine Ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter käme nur in Betracht, wenn die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer "durch eines ihrer Mit­glie­der als Ein­zel­rich­ter" ent­schie­den hät­te (§ 66 Abs. 6 Satz 1 i.V.m. § 68 Abs. 1 Satz 5 GKG). Dies ist nicht der Fall, da sie – wie in § 65 Abs. 1 GKG vor­ge­se­hen – über den Streit­wert zusam­men mit der Haupt­sa­che in einem Beschluss befun­den hat. Damit war sie nicht mit einem Ein­zel­rich­ter im Sin­ne von § 66 Abs. 6 Satz 1 i.V.m. § 68 Abs. 1 Satz 5 GKG, son­dern gemäß § 78b Abs. 1 Nr. 2 GVG besetzt 3.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 10. März 2016 – 2 Ws 67/​16

  1. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 25.11.2010 – 2 Ws 409/​10; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 01.12.2009 – 3 Ws 436/​09; KG Ber­lin, Beschluss vom 14.02.2014 – 2 Ws 27/​14 Vollz, juris; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 46. Aufl.2016, § 68 GKG Rn. 3; AK-Kaman­n/­Spa­ni­ol, StVoll­zG, 6. Aufl.2012, § 121 Rn. 12; Beck­OK, Straf­voll­zug Bund/​Euler, StVoll­zG, § 121 Rn. 8; aA OLG Ros­tock NStZ-RR 2013, 92; OLG Stutt­gart Die Jus­tiz 2006, 15 [§ 464 Abs. 3 Satz 1 2. Halb­satz StPO i.V.m. § 121 Abs. 4 StVoll­zG ist anwend­bar]; Arloth, StVollG, 3. Aufl.2011, § 121 Rn. 1[]
  2. OLG Karls­ru­he, aaO; KG Ber­lin, aaO[]
  3. OLG Ros­tock, aaO; OLG Stutt­gart, aaO[]