Ver­le­gung in eine ande­re Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt – und die gericht­li­che Zustän­dig­keit

Bei der Ver­le­gungs­an­ord­nung des Lei­ters der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt han­delt es sich um eine Maß­nah­me auf dem Gebiet des Straf­voll­zu­ges, die auf Antrag nach § 109 StVoll­zG der gericht­li­chen Über­prü­fung unter­liegt 1.

Ver­le­gung in eine ande­re Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt – und die gericht­li­che Zustän­dig­keit

Sie hat gemäß § 26 Abs. 2 Satz 3 StVoll­s­trO mit Eini­gung der obers­ten Voll­zugs­be­hör­den bei­der Län­der zu erfol­gen, wenn die Maß­nah­me die Ver­le­gung des Ver­ur­teil­ten in die Voll­zugs­an­stalt eines ande­ren Bun­des­lan­des vor­sieht 2.

Die ört­li­che Zustän­dig­keit der Gerich­te in Straf­voll­zugs­sa­chen rich­tet sich nach § 110 StVoll­zG, wonach die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer zustän­dig ist, in deren Bezirk die betei­lig­te Voll­zugs­be­hör­de ihren Sitz hat.

Da vor­lie­gend der Lei­ter der ver­le­gen­den Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt die ange­foch­te­ne Maß­nah­me im Außen­ver­hält­nis gegen­über dem Ver­ur­teil­ten selbst ange­ord­net hat, ist die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer am Sitz der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt (hier:) Wald­heim ört­lich zustän­dig 3. Dies begrün­det die Zustän­dig­keit (hier:) der Aus­wär­ti­gen Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer Döbeln des Land­ge­richts Chem­nitz, die auch nach der zwi­schen­zeit­li­chen Durch­füh­rung der Ver­le­gung bestehen bleibt 4.

Die Zustän­dig­keit der Aus­wär­ti­gen Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer Döbeln des Land­ge­richts Chem­nitz ist nicht nach­träg­lich durch ihren Ver­wei­sungs­be­schluss ent­fal­len. Eine ört­li­che Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Erfurt ist hier­durch nicht bin­dend begrün­det wor­den.

Zwar ist ein Beschluss, durch den das Ver­fah­ren an eine ande­re Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer ver­wie­sen wird, ent­spre­chend § 83 Satz 1 VwGO in Ver­bin­dung mit § 17a Abs. 2 Satz 3 GVG hin­sicht­lich der ört­li­chen Zustän­dig­keit grund­sätz­lich bin­dend 5. Eine Bin­dungs­wir­kung tritt jedoch dann nicht ein, wenn die Ver­wei­sungs­ent­schei­dung will­kür­lich erscheint, nament­lich, wenn eine ört­li­che Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer, an die der Rechts­streit ver­wie­sen wor­den ist, unter kei­nem Gesichts­punkt in Betracht kommt oder die Ver­wei­sung sonst inhalt­lich grob und offen­sicht­lich feh­ler­haft ist 6.

Gemes­sen hier­an erwies sich im vor­lie­gen­den Fall der Ver­wei­sungs­be­schluss als will­kür­lich und offen­sicht­lich feh­ler­haft, da eine ört­li­che Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Erfurt unter kei­nem denk­ba­ren Umstand ersicht­lich ist. Als ver­le­gen­de Voll­zugs­be­hör­de ist zudem allein die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Wald­heim in dem gericht­li­chen Ver­fah­ren in der Lage, die Erwä­gun­gen dar­zu­le­gen, die der Ver­le­gungs­ent­schei­dung im Zeit­punkt ihres Erlas­ses zugrun­de lagen 7. Dem­ge­mäß ist auch die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Wald­heim als zustän­di­ge Voll­zugs­be­hör­de an dem gericht­li­chen Ver­fah­ren gemäß § 111 Abs. 1 Nr. 2 StVoll­zG zu betei­li­gen 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 2018 – 2 ARs 151/​18

  1. AK-StVoll­z­G/Weß­el­s/Bö­ning, 7. Aufl., § 16 Lan­desR Rn. 17; Ver­rel in Laubenthal/​Nestler/​Neubacher/​Verrel, StVoll­zG, 12. Aufl., Abschnitt D, Rn. 32 f.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 28.04.1995 – 2 ARs 99/​95; OLG Frank­furt a.M., Beschluss vom 15.03.1996 – 3 Ws 26/​96, NStZ-RR 1996, 188, 189[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 20.01.1984 – 2 ARs 403/​83, BGHSt 32, 233, 235 f.; AK-StVoll­z­G/­Spa­ni­ol, aaO, § 110 StVoll­zG Rn. 2 f.[]
  4. vgl. AK-StVoll­z­G/Weß­el­s/Bö­ning, aaO, § 16 Lan­desR Rn. 17; Arloth/​Krä/​StVollzG, 4. Aufl., § 110 StVoll­zG Rn. 4[]
  5. vgl. Arloth/​Krä/​StVollzG, aaO, § 110 StVoll­zG Rn. 4[]
  6. vgl. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 17.05.2016 – 2 AR 16/​16, BeckRS 2016, 09302 mwN; OLG Cel­le, Beschluss vom 19.10.2016 – 1 Ws 501/​16, BeckRS 2016, 18830 mwN; Beck­OK Straf­voll­zug Bund/​Euler StVoll­zG, 14. Ed., § 110 Rn. 5[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 15.12 2016 – 2 ARs 398/​16, NStZ-RR 2017, 232; AK-StVoll­z­G/­Spa­ni­ol, aaO, § 115 StVoll­zG Rn. 51[]
  8. vgl. Beck­OK Straf­voll­zug Bund/​Euler, 13. Ed., StVoll­zG § 111 Rn. 2[]