Straf­zu­mes­sung – und ihre Über­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz

Die Straf­zu­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tat­ge­richts. Es ist sei­ne Auf­ga­be, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den es in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent­las­ten­den und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, sie zu bewer­ten und hier­bei gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Straf­zu­mes­sung – und ihre Über­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz

Ein Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist in der Regel nur mög­lich, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein 1.Nur in die­sem Rah­men kann eine "Ver­let­zung des Geset­zes" (§ 337 Abs. 1 StPO) vor­lie­gen.

Dage­gen ist eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le aus­ge­schlos­sen 2.

Ent­schei­dend für das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Fal­les ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, ob das gesam­te Tat­bild ein­schließ­lich aller sub­jek­ti­ver Momen­te und der Täter­per­sön­lich­keit vom Durch­schnitt der erfah­rungs­ge­mäß gewöhn­lich vor­kom­men­den Fäl­le in einem so erheb­li­chen Maße abweicht, dass die Anwen­dung des Aus­nah­me­straf­rah­mens gebo­ten erscheint. Für die Prü­fung die­ser Fra­ge ist daher eine Gesamt­be­trach­tung erfor­der­lich, bei der alle Umstän­de her­an­zu­zie­hen und zu wür­di­gen sind, die für die Wer­tung der Tat und des Täters in Betracht kom­men, gleich­gül­tig, ob sie der Tat selbst inne­woh­nen, sie beglei­ten, ihr vor­aus­ge­hen oder nach­fol­gen. Die Erschwe­rungs­grün­de und die Mil­de­rungs­grün­de auf die­se Wei­se nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen gegen­ein­an­der abzu­wä­gen, ist Sache des Tatrich­ters. Sei­ne Wer­tung ist vom Revi­si­ons­ge­richt nur beschränkt nach­prüf­bar 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – 1 StR 350/​14

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 17.09.1980 – 2 StR 355/​80, BGHSt 29, 319, 320 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 10.04.1987, GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349; BGH, Urteil vom 12.01.2005 – 5 StR 301/​04[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 04.03.1997 – 1 StR 797/​96, StV 1997, 638[]