Verfolgungsjagd in München

Ist ein Fahrzeug beschädigt worden, kann die Verfolgung des vermutlichen Täters unter Missachtung der Straßenverkehrsordnung eine versuchte gefährliche Körperverletzung im Straßenverkehr und eine vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung sein, die den Fahrer als ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erweist.

Verfolgungsjagd in München

So hat das Amtsgericht Müchen in dem hier vorliegenden Fall eines Fahrers entschieden, der die Verfolgung eines Fahrradfahrers aufnahm und ihn stellte, weil er ihn für ein Geräusch bzw. eine Beschädigung an seinem Fahrzeug verantwortlich gemacht hat. Der 47-jährige Münchner saß am 23.10.2014 in seinem Pkw BMW, als er ein Geräusch bemerkte. Er ging davon aus, dass ein Fahrradfahrer, der spätere Geschädigte, sein Fahrzeug beschädigt hat. Der Münchner nahm mit seinem PKW sofort die Verfolgung des Fahrradfahrers auf, um ihn zu stellen und die Personalien auszutauschen. Auf der Kreuzung Elisabethstraße/Nordendstraße in München zeigte die Ampel Rotlicht. Der Münchner ignorierte jedoch bewusst das Rotlicht und überquerte die Kreuzung auf der linken von zwei Fahrspuren. Eine Fußgängerin, die bei Grünlicht der Fußgängerampel die Straße schon halb überquert hatte und das herannahende Fahrzeug zufällig bemerkt hatte, konnte einen Zusammenstoß nur dadurch verhindern, dass sie abrupt stehen blieb. Der Münchner fuhr mit seinem Pkw BMW mit einem Abstand von circa drei bis vier Schritten an der Fußgängerin vorbei. Nach diesem Fahrmanöver zog er mit seinem Pkw nach rechts, stellte das Fahrzeug quer zum Fahrradweg ab und stoppte den Radfahrer. Im weiteren Verlauf sprangen der Münchner und sein Beifahrer aus dem Pkw BMW. Der Münchner packte den Fahrradfahrer am Kragen und warf diesen auf die Motorhaube des Pkw BMW. Er drückte den Geschädigten mehrfach zurück und schüttelte ihn aggressiv. Der Münchner und sein Beifahrer ließen erst bei Eintreffen der Polizei von dem Geschädigten ab. Verletzungen erlitt der Fahrradfahrer nicht. Vor dem Amtsgericht München war der Pkw-Fahrer voll geständig und bereute die Tat.

In seiner Urteilsbegründung hat das Amtsgericht München ausgeführt, dass dieses an den Tag gelegte Verhalten im Zusammenhang mit einem aus dem Verkehrsgeschehen entstandenen Streit unter keinen Umständen hinzunehmen und entschuldbar sei.

Der Münchner habe durch die versuchte gefährliche Körperverletzung im Straßenverkehr und die vorsätzliche Straßenverkehsgefährdung mit aller Nachdrücklichkeit sich als ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erwiesen. Daher ordnete das Amtsgericht den Entzug der Fahrerlaubnis an und verhängte eine Sperre für die Wiedererteilung des Führerscheins von 12 Monaten. Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung mit Nötigung kam es zu einer Gesamtgeldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 15 Euro, also insgesamt zur Zahlung von 2700 Euro.

Amtsgericht München, Urteil vom 27. Juli 2015 – 1031 Ds 463 Js 222688/14 jug