Auf­ru­fen ein­zel­ner Geburts­jahr­gän­ge für die Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes

Die Aus­rich­tung der Ergän­zungs­quo­ten für die Zulas­sung von Feld­we­beln zur Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes auf ein­zel­ne Geburts­jahr­gän­ge und das Auf­ru­fen die­ser Geburts­jahr­gän­ge zur Bedarfs­de­ckung unter­fal­len nicht der Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung, son­dern dem wehr­dienst­ge­richt­lich über­prüf­ba­ren Anwen­dungs­be­reich des Art. 33 Abs. 2 GG 1. Das Auf­ru­fen ein­zel­ner Geburts­jahr­gän­ge ist kein dem Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se (Art. 33 Abs. 2 GG, § 3 Abs. 1 SG) genü­gen­des Aus­wahl­kri­te­ri­um für die Bewer­ber­aus­wahl bei der Zulas­sung von Feld­we­beln zur Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes.

Auf­ru­fen ein­zel­ner Geburts­jahr­gän­ge für die Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes

Die durch ent­spre­chen­de Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten gelei­te­te Pra­xis der Bun­des­wehr, im Aus­wahl­ver­fah­ren für die Zulas­sung zur Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes bestimm­te Geburts­jahr­gän­ge auf­zu­ru­fen und eine Aus­wahl unter den Bewer­bern nach dem Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se nur bezo­gen auf den für die jeweils auf­ge­ru­fe­nen Geburts­jahr­gän­ge fest­ge­stell­ten Bedarf vor­zu­neh­men, ver­stößt gegen höher­ran­gi­ges Recht. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hält inso­weit an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung, die die­se Pra­xis gebil­ligt hat 2, nicht fest.

Rechts­grund­la­gen für die Zulas­sung zur Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes sind § 40 Abs. 1 SLV sowie Kapi­tel 8 der auf­grund der Ermäch­ti­gung in § 44 SLV vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung erlas­se­nen "Bestim­mun­gen über die Beför­de­rung und für die Ein­stel­lung, Über­nah­me und Zulas­sung von Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten" (ZDv 20/​7). Nach § 40 Abs. 1 SLV und Nr. 801 ZDv 20/​7 steht die Zulas­sung im Ermes­sen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung und setzt Bedarf und Eig­nung des Bewer­bers vor­aus. Die Aus­wahl erfolgt gemäß Nr. 805 ZDv 20/​7 nach der "Richt­li­nie für die Aus­wahl von Feld­we­beln für die Zulas­sung zur Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes" vom 19.12 2008 3 (Aus­wahl­richt­li­nie) sowie der gemäß Nr. 2.2 Satz 1 der Aus­wahl­richt­li­nie zeit­ge­recht vor dem jewei­li­gen Abga­be­ter­min von der Stamm­dienst­stel­le der Bun­des­wehr zu ver­öf­fent­li­chen­den "Aktu­el­len Anwei­sung und Infor­ma­ti­on zur Per­so­nal­füh­rung SDBw" (AAIP SDBw). Ziel des Aus­wahl­ver­fah­rens ist es, auf der Grund­la­ge des Bedarfs in den ein­zel­nen Aus­bil­dungs- und Verwendungsreihen/​Werdegängen der Offi­zie­re die nach Eig­nung, Befä­hi­gung und Leis­tung am bes­ten geeig­ne­ten Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber aus­zu­wäh­len und zur Zulas­sung vor­zu­schla­gen (Nr. 1.1 Satz 2 der Aus­wahl­richt­li­nie).

Hin­sicht­lich des Bedarfs legt gemäß Nr. 1.4 der Aus­wahl­richt­li­nie der zustän­di­ge Füh­rungs­stab im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung auf der Grund­la­ge der struk­tu­rel­len Vor­ga­ben und der haus­häl­te­ri­schen Mög­lich­kei­ten die Ergän­zungs­quo­ten an Offi­zier­an­wär­te­rin­nen und Offi­zier­an­wär­tern des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes für das jewei­li­ge Zulas­sungs­jahr bezo­gen auf den Geburts­jahr­gang und dif­fe­ren­ziert nach Aus­bil­dungs- und Verwendungsreihen/​Werdegängen fest. Der Füh­rungs­stab der Streit­kräf­te im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung ist mit Blick auf streit­kräf­te­ge­mein­sa­me Belan­ge sowie die Erfor­der­nis­se der Streit­kräf­te­ba­sis zu betei­li­gen. Die­se Bedarfs­trä­ger­vor­ga­ben sind für die nach­ge­ord­ne­ten per­so­nal­be­ar­bei­ten­den Dienst­stel­len bin­dend. Die Stamm­dienst­stel­le gibt in der von ihr zu ver­öf­fent­li­chen­den AAIP SDBw – unter ande­rem – den Per­so­nen­kreis, der für die Antrag­stel­lung im Aus­wahl­jahr in Betracht kommt, die auf­ge­ru­fe­nen Aus­bil­dungs- und Verwendungsreihen/​Werdegänge unter Beach­tung des struk­tu­rel­len Bedarfs in den Geburts­jahr­gän­gen bzw. im Jahr­gangs­band sowie Hin­wei­se auf die Mög­lich­kei­ten für die Umset­zun­gen in ande­re Aus­bil­dungs- und Verwendungsreihen/​Werdegänge/​Uniformträgerbereiche bekannt (Nr. 2.2 Satz 2 der Aus­wahl­richt­li­nie). Gemäß Nr. 8.1 der Aus­wahl­richt­li­nie (Erst­be­wer­ber­re­ge­lung) ist außer­dem Antrag­stel­lern aus nicht mehr auf­ge­ru­fe­nen Geburts­jahr­gän­gen, die sich wegen feh­len­der Teil­nah­me­vor­aus­set­zun­gen in ihrer Aus­bil­dungs- und Verwendungsreihe/​ihrem Wer­de­gang in den vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren noch nicht für das Aus­wahl­ver­fah­ren bewer­ben konn­ten, die ein­ma­li­ge Mög­lich­keit der Teil­nah­me am Aus­wahl­ver­fah­ren zum nächst­mög­li­chen Zeit­punkt ein­zu­räu­men. Die­se Antrag­stel­ler wer­den nach Maß­ga­be der Nr. 8.3 der Aus­wahl­richt­li­nie einem Eig­nungs- und Leis­tungs­ver­gleich mit den zuletzt zur Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes zuge­las­se­nen Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten unter­zo­gen; sie unter­lie­gen bei glei­cher oder bes­se­rer Eig­nung einer geson­der­ten Ent­schei­dung der Aus­wahl­kon­fe­renz, ob sie auch über die Bedarfs­vor­ga­be hin­aus mit Zustim­mung des zustän­di­gen Füh­rungs­sta­bes zuge­las­sen wer­den kön­nen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat bis­her in stän­di­ger Recht­spre­chung gebil­ligt, dass die zustän­di­gen mili­tä­ri­schen Stel­len die Lauf­bahn­zu­las­sung nicht nur im Hin­blick auf den fach­li­chen Ver­wen­dungs­be­reich, son­dern auch hin­sicht­lich des jewei­li­gen Geburts­jahr­gangs von Gesichts­punk­ten des Bedarfs und der Per­so­nal­struk­tur abhän­gig machen 4. Dar­an hält das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nach erneu­ter Über­prü­fung nicht mehr fest. Das Auf­ru­fen ein­zel­ner Geburts­jahr­gän­ge ist kein dem Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se (Art. 33 Abs. 2 GG, § 3 Abs. 1 SG) genü­gen­des Aus­wahl­kri­te­ri­um für die Bewer­ber­aus­wahl bei der Zulas­sung zur Lauf­bahn der Offi­zie­re des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes. Maß­geb­lich hier­für sind ent­spre­chen­de Erwä­gun­gen, wie sie dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 13.12 2012 5 zur ver­gleich­ba­ren Pro­ble­ma­tik bei der Bewer­ber­aus­wahl für die (sta­tus­recht­li­che) Beru­fung in das Dienst­ver­hält­nis eines Berufs­sol­da­ten zugrun­de lie­gen.

Grund­sätz­lich legt der Bun­des­mi­nis­ter der Ver­tei­di­gung (bzw. die von ihm beauf­trag­te Stel­le) den Bedarf in den ein­zel­nen Ver­wen­dungs­be­rei­chen und Lauf­bah­nen der Streit­kräf­te im Rah­men sei­ner Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit fest. Die Bedarfs­er­mitt­lung und die Bedarfs­fest­stel­lung sind wehr­dienst­ge­richt­lich nicht über­prüf­bar. Die Bedarfs­er­mitt­lung dient der Ver­wirk­li­chung pla­ne­ri­scher Vor­stel­lun­gen; sie ist eine von mili­tä­ri­schen Zweck­mä­ßig­keits­er­wä­gun­gen gepräg­te orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­me, mit deren Hil­fe das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung die erfor­der­li­chen und ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­gen Auf­ga­ben der Bun­des­wehr rea­li­sie­ren will. Es gehört nicht zu den Auf­ga­ben der Wehr­dienst­ge­rich­te, ihre Vor­stel­lun­gen über die Orga­ni­sa­ti­on der Streit­kräf­te an die Stel­le der dazu beru­fe­nen Orga­ne zu set­zen 6. Die Bedarfs­fest­stel­lung ist als Aus­übung der Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt den jewei­li­gen Aus­wahl- und Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren vor­ge­la­gert und berührt noch nicht geschütz­te sub­jek­ti­ve Rech­te eines Sol­da­ten 7.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss 17. Dezem­ber 2012 – 1 WB 51.12

  1. Ände­rung der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung, zuletzt BVerwG, Beschluss vom 26.06.2012 – 1 WB 34.11[]
  2. vgl. zuletzt BVerwG, Beschluss vom 26.06.2012 – 1 WB 34.11, m.w.N.[]
  3. BMVg PSZ I 1, 30 – 16 – 05-12/16[]
  4. vgl. zuletzt BVerwG, Beschluss vom 26.06.2012 a.a.O. []
  5. BVerwG, Urteil vom 13.12 2012 – 2 C 11.11, BVerw­GE 145, 237, Rn.19 ff.[]
  6. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.06.2006 – 1 WB 47.05; und vom 20.09.2011 – 1 WB 48.10, Rn. 42 m.w.N., inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 449.2 § 20 SLV 2002 Nr. 1[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.12 2012, a.a.O. Rn.20 m.w.N.[]