Baga­tell­gren­ze bei den Schmutz­was­ser­ge­büh­ren

Frisch­was­ser­men­gen, die für die Gar­ten­be­wäs­se­rung ver­wen­det wor­den sind, sind bei der Berech­nung von Schmutz­was­ser­ge­büh­ren nicht erst ab einer Men­ge über 20 cbm (sog. Baga­tell­gren­ze) in Abzug zu brin­gen. Denn eine Ungleich­be­hand­lung ist nur zuläs­sig, wenn sie sich durch hin­rei­chend gewich­ti­ge sach­li­che Grün­de recht­fer­ti­gen lässt.

Baga­tell­gren­ze bei den Schmutz­was­ser­ge­büh­ren

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Streit über die Ent­wäs­se­rungs­ge­büh­ren­sat­zun­gen der Stadt Bie­le­feld für die Gebüh­ren­jah­re 2007 bis 2010, die eine Rege­lung ent­hält, nach der erst Men­gen über 20 cbm abge­zo­gen wer­den (sog. Baga­tell­gren­ze, die sich auch in den Gebüh­ren­sat­zun­gen vie­ler ande­rer Gemein­den fin­det). Dage­gen hat einer Bie­le­fel­der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer geklagt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len wer­de bei der Berech­nung von Schmutz­was­ser­ge­büh­ren nach dem sog. Frisch­was­ser­maß­stab die Schmutz­was­ser­men­ge anhand des vom Gebüh­ren­schuld­ner bezo­ge­nen Frisch­was­sers berech­net. Die­ser Wahr­schein­lich­keits­maß­stab (wahr­schein­lich wird so viel Was­ser in die Abwas­ser­an­la­ge ein­ge­lei­tet wie bezo­gen wor­den ist) sei zuläs­sig, sofern die Sat­zung vor­se­he, dass nach­weis­lich der Abwas­ser­an­la­ge nicht zuge­führ­te Men­gen – etwa im Fal­le gärt­ne­ri­scher oder gewerb­li­cher Nut­zung – abge­zo­gen wer­den.

Die Rege­lung einer Baga­tell­gren­ze für die Abzugs­men­ge sei an dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­ge­bot (Art. 3 Abs. 1 GG) zu mes­sen. Eine Ungleich­be­hand­lung sei danach nur zuläs­sig, wenn sie sich durch hin­rei­chend gewich­ti­ge sach­li­che Grün­de recht­fer­ti­gen las­se. Das sei hier nicht der Fall. Ein Gebüh­ren­pflich­ti­ger, der 20 cbm Was­ser für die Gar­ten­be­wäs­se­rung ver­wen­de, müs­se dafür bis zu 59,40 Euro Schmutz­was­ser­ge­büh­ren ent­rich­ten, obwohl er die öffent­li­che Abwas­ser­an­la­ge nach­weis­bar inso­weit nicht in Anspruch neh­me. Der mit der Berück­sich­ti­gung auch gerin­ge­rer, tat­säch­li­cher Abzugs­men­gen ver­bun­de­ne Ver­wal­tungs­auf­wand recht­fer­ti­ge die­se Ungleich­be­hand­lung nicht. Er kön­ne durch sach­ge­rech­te Rege­lun­gen in der Sat­zung ein­ge­grenzt wer­den, zumal der Nach­weis der Abzugs­men­gen dem Gebüh­ren­pflich­ti­gen auf­er­legt wer­den kön­ne.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 3. Dezem­ber 2012 – 9 A 2646/​11