Arz­nei­mit­tel­fest­be­trä­ge und die Bei­hil­fe

Der Anspruch eines Bun­des­be­am­ten auf Bei­hil­fe im Krank­heits­fall wird durch die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern bestimm­ten Fest­be­trä­ge für Arz­nei­mit­tel wirk­sam begrenzt.

Arz­nei­mit­tel­fest­be­trä­ge und die Bei­hil­fe

Der Klä­ger des jetzt vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz in Koblenz ent­schie­de­nen Falls, ein Bun­des­be­am­ter, bean­trag­te Bei­hil­fe zu Arz­nei­mit­tel­kos­ten von 135 €, wel­che die Bei­hil­fe­be­hör­de jedoch nur in Höhe eines zuvor durch Ver­wal­tungs­vor­schrift bestimm­ten Fest­be­trags von 90 € als bei­hil­fe­fä­hig aner­kann­te. Dem­entspre­chend blieb auch die letzt­lich gewähr­te Bei­hil­fe hin­ter dem Antrag des Klä­gers zurück. Die­ser erhob Kla­ge auf Gewäh­rung unge­kürz­ter Bei­hil­fe, der das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz statt­gab. Auf die Beru­fung des Bun­des hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz die­ses Urteil jetzt auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts beru­he der ange­wand­te Arz­nei­mit­tel­fest­be­trag auf einer hin­rei­chen­den gesetz­li­chen Grund­la­ge. Er füh­re daher zu einer wirk­sa­men Begren­zung des Bei­hil­fe­an­spruchs. Auch nach der neu­en Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung sei­en grund­sätz­lich nur not­wen­di­ge und wirt­schaft­lich ange­mes­se­ne Auf­wen­dun­gen bei­hil­fe­fä­hig. Bei meh­re­ren Medi­ka­men­ten mit glei­cher Wir­kung bedeu­te dies, dass der Bei­hil­fe die Kos­ten des preis­güns­tigs­ten Medi­ka­ments zugrun­de gelegt wer­den dürf­ten, auch wenn der Beam­te sich für ein teu­re­res Mit­tel ent­schie­den habe. Zur Ver­wirk­li­chung die­ses Grund­sat­zes ermäch­tig­ten das Bun­des­be­am­ten­ge­setz und die Bun­des­bei­hil­fen­ver­ord­nung das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um aus­drück­lich, Arz­nei­mit­tel­fest­be­trä­ge zu bestim­men und so die Bei­hil­fe­fä­hig­keit von Medi­ka­men­ten auf ein wirt­schaft­li­ches Maß zu begren­zen. Zur Ver­mei­dung zusätz­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wands habe sich das Minis­te­ri­um dabei an den für die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung gel­ten­den Fest­be­trä­gen zu ori­en­tie­ren. Damit hät­ten Gesetz-und Ver­ord­nungs­ge­ber selbst alles Wesent­li­che in Bezug auf die Fest­be­trags­be­stim­mung gere­gelt. Ein nen­nens­wer­ter „geset­zes­frei­er“ Gestal­tungs­spiel­raum blei­be dem Minis­te­ri­um nicht. Gleich­zei­tig erlaub­ten die Bestim­mun­gen der Bun­des­bei­hil­fen­ver­ord­nung aber auch ein Abwei­chen von den Fest­be­trä­gen in Här­te­fäl­len, wie es aus Grün­den der Für­sor­ge gebo­ten sein kön­ne.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 15. April 2011 – 10 A 11331/​10.OVG