Bei­hil­fe für eine Hor­mon­the­ra­pie bei vor­zei­ti­ger Meno­pau­se

Eine unter einer vor­zei­ti­gen Meno­pau­se lei­den­de Beam­tin hat nach einer Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart Anspruch auf Bei­hil­fe für eine Hor­mon­the­ra­pie. Die prä­ma­tu­re (vor­zei­ti­ge) Meno­pau­se ist, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, eine Krank­heit im Sin­ne der baden-würt­tem­ber­gi­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung, deren Behand­lung mit einer Hor­mon­the­ra­pie bei­hil­fe­fä­hig ist. Damit gab das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart der Kla­ge einer Beam­tin gegen das Land Baden-Würt­tem­berg Recht und ver­pflich­te­te das Land Baden-Würt­tem­berg, der Klä­ge­rin Bei­hil­fe in Höhe von 46,75 € zu gewäh­ren.

Bei­hil­fe für eine Hor­mon­the­ra­pie bei vor­zei­ti­ger Meno­pau­se

Die 1971 gebo­re­ne Klä­ge­rin ist bei­hil­fe­be­rech­tig­te Beam­tin des Lan­des Baden-Würt­tem­berg. Ihr im Novem­ber 2009 gestell­ter Antrag auf Gewäh­rung von Bei­hil­fe für Auf­wen­dun­gen für das Medi­ka­ment Cyclo-Pro­gy­n­o­va, für das ihr Rezep­te aus­ge­stellt wor­den waren, lehn­te das Lan­des­amt für Besol­dung und Ver­sor­gung mit der Begrün­dung ab, Mit­tel, die zur Emp­fäng­nis­re­ge­lung ver­ord­net wür­den, sei­en nicht bei­hil­fe­fä­hig und die prä­ma­tu­re Meno­pau­se sei kei­ne Krank­heit im bei­hil­fe­recht­li­chen Sin­ne. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruch erhob die Klä­ge­rin im Febru­ar 2010 Kla­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart gab der Klä­ge­rin Recht und führ­te in den Urteils­grün­den aus:

Nach den maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten der Bei­hil­fe­ver­ord­nung sei­en aus Anlass einer Krank­heit die Auf­wen­dun­gen u. a. für von Ärz­ten schrift­lich ver­ord­ne­te Arz­nei­mit­tel bei­hil­fe­fä­hig. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en erfüllt, da vor­lie­gend das Medi­ka­ment Cyclo-Pro­gy­n­o­va nicht zur Emp­fäng­nis­re­ge­lung ver­ord­net wor­den sei, son­dern aus Anlass einer Krank­heit. Bei der Klä­ge­rin, die noch kei­ne 40 Jah­re alt sei, sei eine prä­ma­tu­re Meno­pau­se dia­gnos­ti­ziert wor­den. Die "prä­ma­tu­re Meno­pau­se", bei der die Meno­pau­se ver­früht, d.h. vor dem 40. Lebens­jahr ein­tre­te, sei eine Erkran­kung im bei­hil­fe­recht­li­chen Sin­ne. Es kom­me dadurch zu einem ver­früh­ten Hor­mon­man­gel. Ca. 1 Pro­zent der Frau­en sei­en davon betrof­fen. Die­ser – schon als krank­haft anzu­se­hen­de – Zustand füh­re unbe­han­delt zu wei­te­ren krank­haf­ten Fol­ge­stö­run­gen wie erhöh­ten kar­dio­vas­ku­lä­ren und Osteo­po­ro­se-Risi­ken. Des­halb sei eine Hor­mon­er­satz­the­ra­pie ange­zeigt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 17. Mai 2010 – 12 K 699/​10