Der Per­so­nal­rat in der Neben­dienst­stel­le

Die Exis­tenz eines Neben­stel­len­lei­ters ist nicht Vor­aus­set­zung für die Rechts­wirk­sam­keit einer per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ver­selb­stän­di­gung. Der Per­so­nal­rat einer Neben­stel­le, die kei­nen Dienst­stel­len­lei­ter hat, hat kei­nen Infor­ma­ti­ons­an­spruch gegen­über dem Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le. Der Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le ist nicht ver­pflich­tet, für die ver­selb­stän­dig­te Neben­stel­le einen Lei­ter zu beru­fen.

Der Per­so­nal­rat in der Neben­dienst­stel­le

Nach § 6 Abs. 3 Satz 1 des sach­sen-anhal­ti­ni­schen Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes (SAPers­VG) sind Neben­stel­len, deren Lei­tung Befug­nis­se hat, die der Betei­li­gung der Per­so­nal­ver­tre­tung unter­lie­gen, oder die räum­lich weit von der Haupt­dienst­stel­le ent­fernt lie­gen, von der obers­ten Dienst­be­hör­de zu Dienst­stel­len im Sin­ne des Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes zu erklä­ren, wenn die Mehr­heit ihrer wahl­be­rech­tig­ten Beschäf­tig­ten dies in gehei­mer Abstim­mung beschließt.

In der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und teil­wei­se in der Lite­ra­tur klingt als wei­te­re Vor­aus­set­zung für die Rechts­wirk­sam­keit einer per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ver­selb­stän­di­gung an, dass die Neben­stel­le über einen Lei­ter ver­fü­gen muss 1. Von einem der­ar­ti­gen Erfor­der­nis ist jedoch im Anwen­dungs­be­reich des § 6 Abs. 3 Satz 1 Alt. 2 SAPers­VG abzu­se­hen.

Dies drängt sich bereits nach dem Wort­laut der Vor­schrift mit Blick auf die ers­te Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve auf. Die­se setzt die Exis­tenz eines – mit per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich rele­van­ten Befug­nis­sen aus­ge­stat­te­ten – Neben­stel­len­lei­ters vor­aus. Anstel­le die­ses Merk­mals tritt in der zwei­ten Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ve die wei­te Ent­fer­nung von der Haupt­dienst­stel­le; wei­te­re spe­zi­el­le Anfor­de­run­gen wer­den nicht gestellt 2.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und in der Lite­ra­tur ist aner­kannt, dass zur Wirk­sam­keit der Ver­selb­stän­di­gung der Neben­stel­len­lei­ter nicht über ein Mini­mum per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­cher Befug­nis­se ver­fü­gen muss 3. Von die­sem Ver­ständ­nis ist auch der Lan­des­ge­setz­ge­ber bei der Kon­zi­pie­rung der Rege­lung in § 6 Abs. 3 SAPers­VG aus­ge­gan­gen 4. Dabei ist als "Extrem­fall" mit­ge­dacht, dass der Lei­ter der Neben­stel­le kei­ner­lei per­so­nal­recht­li­che Befug­nis­se hat und daher als ver­ant­wort­li­cher Part­ner einer Per­so­nal­ver­tre­tung aus­schei­det. Dann ergibt es aber kei­nen Sinn, die Exis­tenz eines Neben­stel­len­lei­ters als Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für die Ver­selb­stän­di­gung zu ver­lan­gen. Dage­gen ist die Bil­dung eines Neben­stel­len­per­so­nal­rats schon mit Blick auf die Rege­lung in § 71 Abs. 2 und 3 SAPers­VG in jedem Fall sinn­voll.

Nach § 57 Abs. 2 Satz 1 und 2 SAPers­VG ist der Per­so­nal­rat zur Durch­füh­rung sei­ner Auf­ga­ben recht­zei­tig und umfas­send zu unter­rich­ten; alle erfor­der­li­chen Unter­la­gen sind ihm früh­zei­tig vor­zu­le­gen. Der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Per­so­nal­rats ist daher streng auf­ga­ben­be­zo­gen. Er besteht nur, wenn die begehr­ten Infor­ma­tio­nen in Bezug gesetzt wer­den kön­nen zur Erfül­lung einer gesetz­li­chen Auf­ga­be 5. Der Antrag­stel­ler als Per­so­nal­rat einer Neben­stel­le ohne Dienst­stel­len­lei­ter hat kei­ne Auf­ga­ben, auf die ein Infor­ma­ti­ons­an­spruch gegen den betei­lig­ten Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le gestützt wer­den kann.

Nach § 71 Abs. 1 SAPers­VG ist in Ange­le­gen­hei­ten, in denen die Dienst­stel­le nicht zur Ent­schei­dung befugt ist, anstel­le der Per­so­nal­rä­te die bei der zustän­di­gen Dienst­stel­le gebil­de­te Stu­fen­ver­tre­tung zu betei­li­gen. Danach ist die Zustän­dig­keit der Stu­fen­ver­tre­tung gege­ben, wenn der Lei­ter der über­ge­ord­ne­ten Dienst­stel­le eine Maß­nah­me zu tref­fen beab­sich­tigt, wel­che die Beschäf­tig­ten nach­ge­ord­ne­ter Dienst­stel­len oder des gesam­ten Geschäfts­be­reichs betrifft 6. Die Grund­sät­ze über die Abgren­zung der Zustän­dig­kei­ten von ört­li­chen Per­so­nal­rä­ten und Stu­fen­ver­tre­tun­gen sind nicht auf die Fäl­le der Mit­be­stim­mung nach §§ 65 ff. SAPers­VG beschränkt. Sie erfas­sen viel­mehr auch die all­ge­mei­nen Auf­ga­ben der Per­so­nal­ver­tre­tung gemäß § 57 Abs. 1 SAPers­VG 7. Die Rege­lung in § 71 Abs. 1 SAPers­VG ist Aus­druck des Part­ner­schafts­grund­sat­zes, wonach ein Per­so­nal­rat bei der ent­schei­dungs­be­fug­ten Dienst­stel­le zu betei­li­gen ist 8.

§ 71 Abs. 3 SAPers­VG bestimmt, dass § 71 Abs. 1 SAPers­VG für die Ver­tei­lung der Zustän­dig­kei­ten zwi­schen Per­so­nal­rat und Gesamt­per­so­nal­rat ent­spre­chend gilt. Somit folgt die Zustän­dig­keit des Gesamt­per­so­nal­rats der Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen Stu­fen­ver­tre­tung und ört­li­chem Per­so­nal­rat, wie sie sich aus § 71 Abs. 1 SAPers­VG ergibt. Danach ist der Gesamt­per­so­nal­rat zur Betei­li­gung beru­fen, wenn der Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le eine Maß­nah­me zu tref­fen beab­sich­tigt, wel­che Beschäf­tig­te der ver­selb­stän­dig­ten Dienst­stel­len oder alle Beschäf­tig­ten der Gesamt­dienst­stel­le betrifft 9. § 71 Abs. 3 SAPers­VG erstreckt somit die Gel­tungs­kraft des Part­ner­schafts­grund­sat­zes auf die Gesamt­dienst­stel­le. Auch hier ist nur ein bei der ent­schei­dungs­be­fug­ten Dienst­stel­le gebil­de­ter Per­so­nal­rat zur Betei­li­gung beru­fen. Beab­sich­tigt der dafür zustän­di­ge Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le daher eine Maß­nah­me, so ist die Betei­li­gung des Neben­stel­len­per­so­nal­rats auch dann aus­ge­schlos­sen, wenn die Maß­nah­me aus­schließ­lich die Neben­stel­le oder einen ihrer Beschäf­tig­ten betrifft 10.

Die Betei­li­gung des Neben­stel­len­per­so­nal­rats durch den Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le ist von einer gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung im Sin­ne des Prin­zips vom sach­lich-räum­li­chen Wir­kungs­be­reich abhän­gig, wie sie in einer Rei­he von Bun­des­län­dern getrof­fen wor­den ist 11. Die vor­ge­nann­ten Rege­lun­gen zeich­nen sich dadurch aus, dass sie – abwei­chend von § 82 Abs. 3 BPers­VG, § 71 Abs. 3 SAPers­VG und ver­gleich­ba­ren Bestim­mun­gen in ande­ren Bun­des­län­dern – nicht die ent­spre­chen­de Anwen­dung der Rege­lun­gen für die Stu­fen­ver­tre­tung vor­schrei­ben, son­dern eine spe­zi­el­le Aus­sa­ge ent­hal­ten, durch wel­che die Zustän­dig­keit des Gesamt­per­so­nal­rats zuguns­ten der ört­li­chen Per­so­nal­rä­te ein­ge­schränkt wird. Die Zustän­dig­keit des Neben­stel­len­per­so­nal­rats in den beschrie­be­nen Fäl­len auf der Grund­la­ge von Rege­lun­gen anneh­men zu wol­len, die wie § 71 Abs. 3 SAPers­VG dem Part­ner­schafts­grund­satz fol­gen 12, wider­spricht dem Wort­laut und der Sys­te­ma­tik des Geset­zes sowie dem deut­lich gewor­de­nen Wil­len des Gesetz­ge­bers, die Zustän­dig­keits­ab­gren­zung zwi­schen Stu­fen­ver­tre­tun­gen und ört­li­chen Per­so­nal­rä­ten einer­seits sowie Gesamt­per­so­nal­rä­ten und ört­li­chen Per­so­nal­rä­ten ande­rer­seits par­al­lel zu gestal­ten.

Die­se Par­al­le­li­tät bezieht sich auch auf die all­ge­mei­nen Auf­ga­ben nach § 57 Abs. 1 SAPers­VG. Die dort nor­mier­ten Kon­troll- und Initia­tiv­rech­te des Per­so­nal­rats ste­hen nicht außer­halb der Bezie­hung zum Dienst­stel­len­lei­ter, son­dern knüp­fen an des­sen Pflich­ten- und Ver­ant­wor­tungs­kreis an. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Auf­ga­ben, die der Antrag­stel­ler in der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung ange­spro­chen hat. Soweit der Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le zustän­dig und ver­ant­wort­lich ist für die Durch­füh­rung der zuguns­ten der Beschäf­tig­ten geschaf­fe­nen Bestim­mun­gen, die Ent­schei­dung über bean­trag­te Maß­nah­men bzw. über Abhil­fe von Anre­gun­gen und Beschwer­den sowie für die Ein­glie­de­rung Schwer­be­hin­der­ter (§ 57 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 SAPers­VG), ist der Gesamt­per­so­nal­rat zur Wahr­neh­mung der damit ein­her­ge­hen­den Auf­ga­ben beru­fen und dem­entspre­chend die Zustän­dig­keit des Neben­stel­len­per­so­nal­rats aus­ge­schlos­sen. Das­sel­be gilt für die Wah­rung des Gleich­heits­grund­sat­zes und die Unfall­ver­hü­tung (§§ 58, 59 SAPers­VG).

Die Durch­bre­chung des Part­ner­schafts­grund­sat­zes kommt nicht in dem Son­der­fall in Betracht, in wel­chem ein Neben­stel­len­lei­ter nicht bestellt ist. Sol­ches wäre sys­tem­wid­rig und führ­te zu Wer­tungs­wi­der­sprü­chen. Dies wird deut­lich, wenn man sich den Fall vor Augen führt, dass der Neben­stel­len­lei­ter nur in ganz gerin­gem Umfang über per­so­nal­recht­li­che Kom­pe­ten­zen ver­fügt. In die­sem Fall steht fest, dass in Ange­le­gen­hei­ten jen­seits die­ser gering­fü­gi­gen Kom­pe­ten­zen die Betei­li­gung des Neben­stel­len­per­so­nal­rats aus­ge­schlos­sen ist. Damit nicht in Ein­klang stün­de die Annah­me, bei gänz­li­chem Feh­len eines Neben­stel­len­lei­ters wür­den die Kom­pe­ten­zen des ört­li­chen Per­so­nal­rats in neben­stel­len­be­zo­ge­nen Ange­le­gen­hei­ten voll­stän­dig wie­der auf­le­ben.

Im vor­lie­gen­den Fall hat der Behör­den­lei­ter des Lan­des­ver­wal­tungs­am­tes für die Neben­stel­le Mag­de­burg kei­nen Dienst­stel­len­lei­ter beru­fen. Dem Antrag­stel­ler steht daher kein Part­ner gegen­über, der über irgend­wel­che per­so­nal­recht­li­chen Kom­pe­ten­zen ver­fügt, an wel­che all­ge­mei­ne Auf­ga­ben oder Mit­be­stim­mungs­rech­te der Per­so­nal­ver­tre­tung anknüp­fen könn­ten. Der Antrag­stel­ler hat daher kei­ner­lei ori­gi­nä­re Kom­pe­ten­zen, die die Grund­la­ge für einen Unter­rich­tungs­an­spruch gegen den Betei­lig­ten sein könn­ten.

Damit läuft die per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Ver­selb­stän­di­gung gemäß § 6 Abs. 3 Satz 1 SAPers­VG nicht leer.

Dies folgt aus § 71 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 SAPers­VG, wonach der Gesamt­per­so­nal­rat vor einem Beschluss in Ange­le­gen­hei­ten, die die Neben­stel­le oder ein­zel­ne ihrer Beschäf­tig­ten betref­fen, dem Per­so­nal­rat der Neben­stel­le Gele­gen­heit zur Äuße­rung gibt. Ein­zel­ne Beschäf­tig­te sind stets im Sin­ne von § 71 Abs. 2 Satz 1 SAPers­VG betrof­fen in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten nach §§ 66, 67 SAPers­VG. Die Neben­stel­le ist betrof­fen, wenn die Maß­nah­me sie erfasst und nicht zugleich für den voll­stän­di­gen Geschäfts­be­reich der Gesamt­dienst­stel­le ergeht 13.

Die in § 71 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 SAPers­VG nor­mier­te Ver­pflich­tung des Gesamt­per­so­nal­rats, dem Per­so­nal­rat der Neben­stel­le Gele­gen­heit zur Äuße­rung zu geben, bringt es mit sich, dass die­ser über die vom Dienst­stel­len­lei­ter beab­sich­tig­te Maß­nah­me unter­rich­tet wird. Die­se Infor­ma­ti­ons­pflicht erfüllt der Gesamt­per­so­nal­rat im Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren dadurch, dass er den Zustim­mungs­an­trag des Dienst­stel­len­lei­ters gemäß § 61 Abs. 3 Satz 1 SAPers­VG voll­stän­dig, das heißt ein­schließ­lich der gege­be­nen Begrün­dung und etwa bei­gefüg­ter Unter­la­gen an den Per­so­nal­rat der Neben­stel­le zur Stel­lung­nah­me inner­halb einer ange­mes­se­nen Frist wei­ter­lei­tet. Mit der Abga­be der Stel­lung­nah­me – auf­grund bei ihm vor­han­de­ner oder durch Nach­fra­ge bei den betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten beschaff­ter Infor­ma­tio­nen – nimmt der Per­so­nal­rat der Neben­stel­le eine den Gesamt­per­so­nal­rat unter­stüt­zen­de Rol­le wahr. Dabei kann er auf die aus sei­ner Sicht für die Beur­tei­lung der Ange­le­gen­heit noch offe­nen Fra­gen auf­merk­sam machen und ergän­zen­de Ermitt­lun­gen des Gesamt­per­so­nal­rats bei dem Dienst­stel­len­lei­ter anre­gen. Die Gren­zen des Infor­ma­ti­ons­an­spruchs gegen­über dem Gesamt­per­so­nal­rat erge­ben sich aus den die­sen jeweils bin­den­den zeit­li­chen Vor­ga­ben (§ 61 Abs. 3 Satz 3 bis 8, § 71 Abs. 2 Satz 2 SAPers­VG) und müs­sen stets den Grund­satz im Auge behal­ten, dass der Gesamt­per­so­nal­rat die zustän­di­ge Inter­es­sen­ver­tre­tung der Beschäf­tig­ten ist 14. Die Pflicht zur effi­zi­en­ten Unter­rich­tung des Neben­stel­len­per­so­nal­rats in den Gren­zen des § 71 Abs. 2 und 3 SAPers­VG trifft den Gesamt­per­so­nal­rat auch, wenn er im Rah­men der Mit­be­stim­mung initia­tiv wird (§ 61 Abs. 4 SAPers­VG) oder all­ge­mei­ne Auf­ga­ben wahr­nimmt.

Aus dem Vor­ste­hen­den ergibt sich, dass die Ver­selb­stän­di­gung nach § 6 Abs. 3 Satz 1 SAPers­VG durch die Beschäf­tig­ten der Neben­stel­le selbst dann einen kol­lek­tiv­recht­li­chen Vor­teil mit sich bringt, wenn der Per­so­nal­rat der Neben­stel­le wegen Feh­lens eines Dienst­stel­len­lei­ters über kei­ne ori­gi­nä­ren Kom­pe­ten­zen ver­fügt. Die Beschäf­tig­ten der Neben­stel­le legi­ti­mie­ren den Gesamt­per­so­nal­rat in der­sel­ben Wei­se wie den Per­so­nal­rat der Dienst­stel­le ohne Ver­selb­stän­di­gung (§ 55 SAPers­VG). Im Fall der Ver­selb­stän­di­gung ver­fü­gen sie jedoch über ein eigen­stän­di­ges Gre­mi­um, durch wel­ches sie auf die Wil­lens­bil­dung des zur Betei­li­gung beru­fe­nen Per­so­nal­rats Ein­fluss neh­men kön­nen. Auf die­se Wei­se wird dem Zweck der Rege­lung in § 71 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 SAPers­VG ent­spro­chen, wonach der ört­li­che Per­so­nal­rat die für die sach­ge­rech­te Aus­übung des Betei­li­gungs­rechts not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen ver­mit­teln soll, über wel­che der Gesamt­per­so­nal­rat als "ent­fern­te­re" Per­so­nal­ver­tre­tung nicht ver­fügt 15.

Der Per­so­nal­rat der Neben­stel­le kann nicht ver­lan­gen, dass für die Neben­stel­le ein Dienst­stel­len­lei­ter bestellt wird.

Ein sol­ches Recht folgt nicht aus der rechts­wirk­sa­men Ver­selb­stän­di­gung einer Neben­stel­le nach § 6 Abs. 3 Satz 1 SAPers­VG. Die Ver­selb­stän­di­gung einer Neben­stel­le hat kei­nen Ein­fluss auf die Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on und die Befug­nis­se des Lei­ters der Haupt­dienst­stel­le 16. Der Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le ist daher nicht gehal­ten, irgend­ei­ne sei­ner per­so­nal­recht­li­chen Kom­pe­ten­zen auf einen Beschäf­tig­ten der Neben­stel­le zu über­tra­gen. In einem sol­chen Fall ergibt es aber auch kei­nen Sinn, über­haupt einen Neben­stel­len­lei­ter zu bestel­len. Denn ein "Dienst­stel­len­lei­ter" ohne per­so­nal­recht­li­che Kom­pe­ten­zen schei­det als ver­ant­wort­li­cher Part­ner einer Per­so­nal­ver­tre­tung aus.

Der Hin­weis des Antrag­stel­lers auf die Vier­tel­jah­res­ge­sprä­che zwi­schen Dienst­stel­len­lei­ter und Per­so­nal­rat führt eben­falls nicht wei­ter. § 56 Abs. 1 SAPers­VG setzt unaus­ge­spro­chen die Befug­nis des Dienst­stel­len­lei­ters zu per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich rele­van­ten Ent­schei­dun­gen vor­aus. Dies ist bei der unge­teil­ten Dienst­stel­le stets und bei Ver­selb­stän­di­gung in den Fäl­len des § 6 Abs. 3 Satz 1 Alt. 1 SAPers­VG gege­ben. Man­gelt es dar­an in den Fäl­len des § 6 Abs. 3 Satz 1 Alt. 2 SAPers­VG, so geht die Ver­pflich­tung zur Durch­füh­rung regel­mä­ßi­ger Bespre­chun­gen ins Lee­re. Die Lücke wird im Inter­es­se der Beschäf­tig­ten der betrof­fe­nen Neben­stel­le durch die Gesprä­che zwi­schen dem Lei­ter der Haupt­dienst­stel­le und dem Gesamt­per­so­nal­rat voll­stän­dig geschlos­sen (§ 56 Abs. 1, § 71 Abs. 4 SAPers­VG).

Die Bestel­lung eines Lei­ters der Neben­stel­le kommt schließ­lich nicht unter dem Gesichts­punkt in Betracht, die­ser müs­se in der Funk­ti­on eines Boten die dem Betei­lig­ten gegen­über dem Antrag­stel­ler oblie­gen­de Infor­ma­ti­ons­pflicht nach § 57 Abs. 2 SAPers­VG erfül­len. Dies schei­tert dar­an, dass der Antrag­stel­ler – wie aus­ge­führt – kei­ne Auf­ga­ben hat, die Grund­la­ge für einen Unter­rich­tungs­an­spruch gegen den Betei­lig­ten sein könn­ten.

Die bereits zitier­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 22. Juni 1962 17 und vom 29. Mai 1991 18 sind nicht ein­deu­tig. Sie kön­nen – wie bereits erwähnt – in der Wei­se ver­stan­den wer­den, dass die Exis­tenz eines Neben­stel­len­lei­ters Vor­aus­set­zung für eine rechts­wirk­sa­me Ver­selb­stän­di­gung und damit die Bil­dung eines ört­li­chen Per­so­nal­rats in der Neben­stel­le sein soll. Soll­ten sie dage­gen mit dem Ver­wal­tungs­ge­richt dahin zu ver­ste­hen sein, dass die Bestel­lung eines Neben­stel­len­lei­ters Rechts­fol­ge der Ver­selb­stän­di­gung sein soll, so könn­te dar­an aus den vor­ge­nann­ten Grün­den nicht fest­ge­hal­ten wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2010 -6 P 14.09

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 22.06.1962 – 7 P 9.61, BVerw­GE 14, 287, 288 = Buch­holz 238.3 § 10 Pers­VG Nr. 4 S. 11; und vom 29.05.1991 – 6 P 12.89, Buch­holz 250 § 6 BPers­VG Nr. 12 S. 16, inso­weit in BVerw­GE 88, 233 nicht abge­druckt; Altvater/​Hamer/​Kröll/​Lemcke/​Peiseler, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 6. Aufl. 2008, § 6 Rn. 11a[]
  2. vgl. Bie­ler, in: Bieler/​Vogelgesang/​Plaßmann/​Kleffner, Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz Sach­sen-Anhalt, G § 6 Rn. 24 ff.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 29.05.1991 a.a.O. S. 234 f. bzw. S. 13; vom 29.03.2001 – 6 P 7.00, Buch­holz 250 § 6 BPers­VG Nr. 15 S. 8 f.; und vom 26.11.2008, a.a.O. Rn. 33; Alt­va­ter u.a., a.a.O. § 6 Rn. 11a; Faber, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, § 6 Rn. 34; Ilbertz/​Widmaier, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 11. Aufl. 2008, § 6 Rn. 17[]
  4. vgl. LT-Drs. 1/​1301 Begrün­dung S. 3[]
  5. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 20.03.2002 – 6 P 6.01, Buch­holz 250 § 77 BPers­VG Nr. 16 S. 8; vom 12.08.2009 – 6 PB 18.09, Buch­holz 251.92 § 71 SAPers­VG Nr. 1 Rn. 12; und vom 16.02.2010 – 6 P 5.09[]
  6. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 13.09.2002 – 6 P 4.02, Buch­holz 250 § 82 BPers­VG Nr. 17 S. 8 f.; vom 15.07.2004 – 6 P 1.04, Buch­holz 250 § 82 BPers­VG Nr. 18 S. 15; vom 12.08.2009 a.a.O.; und vom 30.07.2010 – 6 P 11.09[]
  7. vgl. BVerwG, Beschluss vom 12.08.2009, a.a.O.[]
  8. vgl. BVerwG, Beschluss vom 15.07.2004 a.a.O. S. 16[]
  9. vgl. BVerwG, Urteil vom 20.08.2003 – 6 C 5.03, Buch­holz 251.8 § 56 RhPPers­VG Nr. 1 S. 3; sowie BVerwG, Beschlüs­se vom 26.11.2008 a.a.O.; und vom 30.07.2010 a.a.O.[]
  10. eben­so Bie­ler, a.a.O. G § 71 Rn. 13; Lau­ten­bach, PersV 2004, 164, 165; Vogel­ge­sang, ZfPR 2005, 107, 109 f.[]
  11. vgl. § 85 Abs. 8 BaWü­Pers­VG, § 54 Bln­Pers­VG, § 50 Abs. 1 BrPers­VG, § 56 Abs. 4 HmbPers­VG, § 74 Abs. 1 MVPers­VG, § 55 Abs. 3 Saar­Pers­VG, § 61 Abs. 1 MBGSH[]
  12. so Wurm, ZfPR 2003, 342, 343[]
  13. vgl. BVerwG, Beschluss vom 15.07.2004, a.a.O. S. 14[]
  14. vgl. BVerwG, Beschluss vom 02.10.2000 – 6 P 11.99, Buch­holz 250 § 82 BPers­VG Nr. 16 S. 3 ff.[]
  15. vgl. BVerwG, Beschluss vom 02.10.2000 a.a.O. S. 5[]
  16. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.04.1961 – 7 P 4.60, BVerw­GE 12, 194, 195 = Buch­holz 238.3 § 74 Pers­VG Nr. 2 S. 5; vom 24.11.1961 – 7 P 10.59, Buch­holz 238.3 § 74 Pers­VG Nr. 3 S. 9; und vom 22.06.1962 a.a.O. S. 288 bzw. S. 11; Faber, a.a.O. § 6 Rn. 38; Ilbertz/​Widmaier, a.a.O. § 6 Rn. 17 und 30; Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: GKÖD, Bd. V, K § 6 Rn. 24; Ben­ecke, in: Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 3. Aufl. 2008, § 6 Rn. 33; Bie­ler, a.a.O. G § 6 Rn. 30; Lor­se, ZfPR 2004, 144, 150; Vogel­ge­sang, a.a.O. S. 107[]
  17. a.a.O. S. 288 bzw. S. 11[]
  18. a.a.O. S. 16[]