Fah­ren ohne Fahr­er­laub­nis wäh­rend des Diens­tes

Beim Fah­ren ohne Fahr­er­laub­nis wäh­rend des Diens­tes ist Aus­gangs­punkt der Zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen eine Her­ab­set­zung im Dienst­grad je­den­falls dann, wenn dies unter In­an­spruch­nah­me von Dienst­fahr­zeu­gen er­folg­te und nicht ver­ein­zelt ge­schah.

Fah­ren ohne Fahr­er­laub­nis wäh­rend des Diens­tes

Zum Kom­plex Fah­ren ohne Fahr­erlaub­nis hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits ent­schie­den, dass bei einer – ledig­lich – erst­ma­li­gen und – zudem – nur außer­dienst­li­chen Straf­tat in Gestalt eines Fah­rens ohne Fahr­erlaub­nis eine Dienst­grad­her­ab­set­zung in aller Regel nicht gebo­ten ist. Zwar stellt das Fah­ren ohne Fahr­erlaub­nis für sich allein die dienst­li­che Zuver­läs­sig­keit eines Vor­ge­setz­ten in Fra­ge, weil die Nicht­be­ach­tung ver­kehrs­recht­li­cher Vor­schrif­ten, die zum Schut­ze der All­ge­mein­heit erlas­sen sind, zwangs­läu­fig Rück­schlüs­se auf eine man­geln­de cha­rak­ter­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on zulas­sen. Ein Vor­ge­setz­ter, der ver­pflich­tet ist, in Hal­tung und Pflicht­er­fül­lung ein Bei­spiel zu geben, zieht dadurch sein Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und sei­ne Auto­ri­tät erheb­lich in Zwei­fel, auch wenn es sich um außer­dienst­li­ches Fehl­ver­hal­ten han­delt. Als ange­mes­se­ne gericht­li­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me kommt dafür eine Gehalts­kür­zung oder ein Beför­de­rungs­ver­bot in Betracht. Aller­dings hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 1 auch her­vor­ge­ho­ben, dass er bei einem Fah­ren ohne Fahr­erlaub­nis die Her­ab­set­zung eines Unter­of­fi­ziers in den Dienst­grad eines Haupt­ge­frei­ten als ange­mes­se­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ange­se­hen habe, weil die­ser unmit­tel­bar nach Ent­zug der Fahr­erlaub­nis wegen Fah­rens unter Alko­hol­ein­fluss mehr­fach, näm­lich acht­mal, und davon zwei­mal wäh­rend des Diens­tes uner­laubt gefah­ren sei 2. Dar­aus erschloss sich hin­rei­chend deut­lich, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ein Fah­ren ohne Fahr­erlaub­nis zu einem Sprung hin­sicht­lich der Maß­nah­me­art regel­mä­ßig jeden­falls dann führt, wenn es – wie vor­lie­gend – in dienst­li­chem Zusam­men­hang steht, mit Dienst­fahr­zeu­gen erfolgt und nicht ver­ein­zelt geschieht.

Die Ver­hän­gung der Höchst­maß­nah­me mit in den Blick zu neh­men, dräng­te sich ange­sichts der Ein­zel­fall­um­stän­de, die dem Dienst­ver­ge­hen eine über­durch­schnitt­li­che Schwe­re ver­lei­hen – wie nament­lich Anzahl und Dau­er der ange­schul­dig­ten Pflicht­ver­let­zun­gen sowie mehr­fa­che, zum Teil ein­schlä­gi­ge dis­zi­pli­na­ri­sche Vor­be­las­tun­gen, davon zwei dis­zi­pli­nar­ge­richt­li­che – auf. Sie lie­ßen es nahe­lie­gend erschei­nen, dass der Sol­dat durch sein erneu­tes Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn in sei­ne per­sön­li­che Inte­gri­tät und Zuver­läs­sig­keit end­gül­tig zer­stört hat­te 3.

Dass der Dienst­herr davon abge­se­hen hat, den Sol­da­ten trotz des – erneu­ten – Dienst­ver­ge­hens weg­zu­ver­set­zen, ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts für die Fest­stel­lung des objek­ti­ven Ver­trau­ens­ver­lus­tes von allen­falls indi­zi­el­ler, nicht aber kon­sti­tu­ti­ver Bedeu­tung 4. Hin­zu tritt, dass einer Her­ab­set­zung im Dienst­grad das abzu­se­hen­de Dienst­zei­ten­de des Sol­da­ten und damit der Ver­lust der Chan­ce, wie­der den alten Dienst­grad zu errei­chen, nicht von vorn­her­ein ent­ge­gen­stan­den. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hält unver­än­dert an sei­ner Recht­spre­chung fest, dass allein dies die Ver­hän­gung einer an sich gebo­te­nen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nicht unver­hält­nis­mä­ßig wer­den lässt. Das BVerwG hat erst jüngst fest­ge­stellt, dass es der Zweck des Wehr­dis­zi­pli­nar­rechts gebie­te, die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me aus­zu­spre­chen, die dem Gewicht des Dienst­ver­ge­hens und dem dadurch ein­ge­tre­te­nen Ver­trau­ens­scha­den ent­spricht. Hat bei­des erheb­li­ches Gewicht, ist der wirt­schaft­li­che und beruf­li­che Nach­teil, der für den Sol­da­ten etwa durch eine Degra­die­rung ein­tritt, nicht unver­hält­nis­mä­ßig. Er liegt als gesetz­lich vor­ge­se­he­ne und vom Sol­da­ten daher vor­her­seh­ba­re Rechts­fol­ge in des­sen per­sön­li­chen Ver­ant­wor­tungs­be­reich. Eben­so ent­spricht es stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass Art oder Höhe einer Kri­mi­nal­stra­fe für die Gewich­tung der Schwe­re des sach­glei­chen Dienst­ver­ge­hens regel­mä­ßig nicht von aus­schlag­ge­ben­der Bedeu­tung sind und sie es auch nicht gebie­ten, eine mil­de­re Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me zu ver­hän­gen 5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Janu­ar 2012 – 2 WD 5.11

  1. BVerwG, Urteil vom 11.03.1999 – 2 WD 29.98, Buch­holz 236.1 § 17 SG Nr. 26[]
  2. BVerwG, Urteil vom 25.09.2008 – 2 WD 19.07, Buch­holz 449 § 17 SG Nr. 42[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 04.03.2009 – 2 WD 10.08, Buch­holz 450.2 § 38 WDO 2002 Nr. 27[]
  4. BVerwG, Urtei­le vom 16.12.2010 – 2 WD 43.09; und vom 13.01.2011 – 2 WD 20.09[]
  5. BVerwG, Urteil vom 04.05.2011 – 2 WD 2.10 – m.w.N.[]