Per­so­nal­rat – und die unbe­acht­li­che Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung

Gemäß § 79 Abs. 2 Satz 5 Sächs­PersVG a.F. (= § 69 Abs. 2 Satz 5 BPersVG) gilt eine Maß­nah­me im Sin­ne des § 79 Abs. 1 Sächs­PersVG als gebil­ligt, wenn nicht die Per­so­nal­ver­tre­tung inner­halb der genann­ten Frist die Zustim­mung unter Anga­be der Grün­de schrift­lich ver­wei­gert.

Per­so­nal­rat – und die unbe­acht­li­che Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu dem mit die­ser Bestim­mung wört­lich über­ein­stim­men­den § 69 Abs. 2 Satz 5 BPersVG ist die Ver­wei­ge­rung der Zustim­mung des Per­so­nal­rats zu einer mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Maß­nah­me unbe­acht­lich, wenn die von der Per­so­nal­ver­tre­tung ange­ge­be­nen Grün­de offen­sicht­lich außer­halb der Mit­be­stim­mung lie­gen.

Las­sen sich die von ihr ange­führ­ten Grün­de offen­sicht­lich kei­nem Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand zuord­nen, so gibt die Per­so­nal­ver­tre­tung zu erken­nen, dass sie kei­ne Rege­lung auf der Grund­la­ge eines Mit­be­stim­mungs­rechts anstrebt, son­dern die Zustim­mung ohne einen vom Gesetz gebil­lig­ten Grund ver­wei­gert.

Im Fall einer der­art unbe­acht­li­chen Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung gilt die beab­sich­tig­te Maß­nah­me nach Ablauf der gesetz­li­chen Stel­lung­nah­me­frist als gebil­ligt, und die Maß­nah­me kann durch­ge­führt wer­den [1].

Der Dienst­stel­le ist es ver­wehrt, die ange­ge­be­ne Begrün­dung einer Schlüs­sig­keits­prü­fung zu unter­zie­hen und die ein­zel­nen Grün­de auf ihre Rich­tig­keit zu unter­su­chen [2].

Die­se Grund­sät­ze bean­spru­chen auch für § 79 Abs. 2 Satz 5 Sächs­PersVG a.F. Gel­tung.

Nach § 82 Abs. 2 Nr. 1 Sächs­PersVG kann der Per­so­nal­rat in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten – wie hier – sei­ne Zustim­mung ver­wei­gern, wenn die Maß­nah­me gegen ein Gesetz ver­stößt.

§ 82 Abs. 2 Nr. 1 Sächs­PersVG stimmt im Wesent­li­chen über­ein mit § 77 Abs. 2 BPersVG. Zu die­ser Bestim­mung ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts geklärt, dass das Vor­brin­gen des Per­so­nal­rats es aus der Sicht eines sach­kun­di­gen Drit­ten zumin­dest als mög­lich erschei­nen las­sen muss, dass einer der dafür zuge­las­se­nen und in § 77 Abs. 2 BPersVG abschlie­ßend gere­gel­ten Ver­wei­ge­rungs­grün­de gege­ben ist.

Eine Begrün­dung, die offen­sicht­lich auf kei­nen die­ser Ver­sa­gungs­grün­de gestützt ist, ver­mag nicht die Ver­pflich­tung der Dienst­stel­le aus­zu­lö­sen, das Betei­li­gungs­ver­fah­ren fort­zu­set­zen [3].

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu § 77 Abs. 2 BPersVG ist eben­falls geklärt, dass dem Dienst­stel­len­lei­ter kei­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis ein­ge­räumt ist, nach Maß­ga­be sei­ner Rechts­auf­fas­sung dar­über zu befin­den, ob ein Ver­wei­ge­rungs­grund auch tat­säch­lich besteht oder er sich doch wenigs­tens aus dem Vor­brin­gen des Per­so­nal­rats schlüs­sig ergibt.

Der Per­so­nal­rat kann sei­ne Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung nicht nur mit dem Vor­trag von Tat­sa­chen, son­dern auch mit der Dar­le­gung einer Rechts­auf­fas­sung begrün­den.

Auch inso­weit ist zu unter­schei­den zwi­schen einer Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung, die unbe­grün­det ist, und einer sol­chen, die unbe­acht­lich ist, weil sie ent­we­der (objek­tiv) das Vor­lie­gen eines gesetz­li­chen Zustim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grun­des als nicht mög­lich erschei­nen lässt (sog. "Mög­lich­keits­theo­rie") oder aber aus sons­ti­gen (sub­jek­ti­ven) Grün­den rechts­miss­bräuch­lich ist.

Ange­sichts der weit­rei­chen­den Fol­gen der Unbe­acht­lich­keit bedarf der Abbruch des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens wegen sub­jek­ti­ver Rechts­miss­bräuch­lich­keit des ein­deu­ti­gen Nach­wei­ses.

Auch soweit es die Unbe­acht­lich­keit aus Grün­den der miss­bräuch­li­chen Kom­pe­tenz­über­schrei­tung betrifft, ist aus eben die­sem Grun­de eine kla­re Abgren­zung gebo­ten. Des­halb knüpft die Recht­spre­chung an das Merk­mal der Offen­sicht­lich­keit an. Sie wie­der­um ist – ent­spre­chend den zu § 42 Abs. 2 VwGO ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen – nur anzu­neh­men, wenn ein Ver­wei­ge­rungs­grund von vorn­her­ein und ein­deu­tig nicht vor­lie­gen kann, er nach kei­ner ver­tret­ba­ren Betrach­tungs­wei­se als mög­lich erscheint [4]. Dies gilt auch für § 82 Abs. 2 Nr. 1 Sächs­PersVG.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. März 2016 – 5 PB 31.15 -

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.12 1992 – 6 P 16.91, BVerw­GE 91, 276, 282; und vom 16.12 1992 – 6 P 27.91, BVerw­GE 91, 295, 299 f., jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 09.12 1992 – 6 P 16.91, BVerw­GE 91, 276, 282[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.12 1994 – 6 P 35.92, Buch­holz 251.8 § 80 RhP­PersVG Nr. 10 S. 6 m.w.N.[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.12 1994 – 6 P 35.92, Buch­holz 251.8 § 80 RhP­PersVG Nr. 10 S. 7 f.[]