Sex hin­ter „schwe­di­schen Gar­di­nen“

Die vor­läu­fi­ge Dienstent­he­bung eines Jus­tiz­voll­zugs­be­am­ten ist recht­mä­ßig, wenn der Beam­te in gra­vie­ren­der Form gegen sei­ne Dienst­pflich­ten ver­sto­ßen hat. Das ist bei einer sexu­el­ler Bezie­hung zu einer Gefan­ge­nen der Fall. Die­ses Ver­hal­ten des Beam­ten belegt eine gra­vie­ren­de und mit den Sicher­heits­be­lan­gen im Straf­voll­zug nicht zu ver­ein­ba­ren­de völ­li­ge Pflicht­ver­ges­sen­heit.

Sex hin­ter „schwe­di­schen Gar­di­nen“

Zu die­ser Ent­schei­dung ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in einem Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes gelangt, mit dem sich der Beam­te gegen die vom Land Rhein­land-Pfalz aus­ge­spro­che­ne vor­läu­fi­ge Dienstent­he­bung sowie die Ein­be­hal­tung von 20% der monat­li­chen Bezü­ge gewehrt hat. Das Land hat­te im Novem­ber 2012 eine ent­spre­chen­de Ver­fü­gung gegen­über dem Beam­ten erlas­sen, nach­dem bekannt gewor­den war, dass die­ser mit einer Gefan­ge­nen in deren Zel­le bei offen­ste­hen­der Zel­len­tür ein­ver­nehm­li­chen Geschlechts­ver­kehr hat­te. Der Vor­gang war von einer Mit­ge­fan­ge­nen beob­ach­tet und von die­ser spä­ter der Anstalts­lei­tung gemel­det wor­den, nach­dem der sexu­el­le Kon­takt zum Gesprächs­the­ma in der Anstalt und zur Ursa­che für ver­schie­de­ne Anfein­dun­gen der Inhaf­tier­ten unter­ein­an­der gewor­den war.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier ist der Ansicht, dass nach dem aktu­el­len Erkennt­nis­stand eine Dienst­ent­fer­nung im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren über­wie­gend wahr­schein­lich erschei­ne. Der Beam­te habe in gra­vie­ren­der Form gegen sei­ne Dienst­pflich­ten ver­sto­ßen. Das Gebot der Zurück­hal­tung gegen­über Straf­ge­fan­ge­nen habe einen sehr hohen Stel­len­wert und sei aus gutem Grun­de unbe­dingt ein­zu­hal­ten. Abge­se­hen davon, dass mit inti­men Bezie­hun­gen regel­mä­ßig Auf­merk­sam­keits­ein­bu­ßen bei der Bewa­chung der Gefan­ge­nen ver­bun­den sei­en, mache sich der Beam­te, der bereits aus dienst­recht­li­chen Grün­den ein Öffent­lich­wer­den der Bezie­hung zu befürch­ten habe, damit auch erpress­bar. Das Ver­hal­ten des Beam­ten bele­ge eine gra­vie­ren­de und mit den Sicher­heits­be­lan­gen im Straf­voll­zug nicht zu ver­ein­ba­ren­de völ­li­ge Pflicht­ver­ges­sen­heit. Die Anstalts­lei­tung müs­se sich im sicher­heits­re­le­van­ten Bereich im Beson­de­ren dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass jeg­li­che Art von inner­dienst­li­chen Bezie­hun­gen, die die Sicher­heit des Straf­voll­zugs beein­träch­ti­gen kön­nen, unter­blei­ben bzw. ande­ren­falls unmit­tel­bar vom Beam­ten selbst offen­bart wer­den, was der Beam­te vor­lie­gend indes unter­las­sen habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Beschluss vom 2. Janu­ar 2013 – 3 L 1564/​12.TR