Beschwer­de­be­fug­nis für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Der Beklag­te ist grund­sätz­lich befugt, gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on in einem die Kla­ge als unzu­läs­sig abwei­sen­den Beru­fungs­ur­teil Beschwer­de ein­zu­le­gen 1.

Beschwer­de­be­fug­nis für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Für das zivil­ge­richt­li­che Ver­fah­ren ist aner­kannt, dass der Beklag­te beschwert sein kann, wenn die Kla­ge durch Pro­zes­sur­teil statt durch Sachur­teil abge­wie­sen wird. Denn die Rechts­kraft des Sachur­teils geht wei­ter als die des Pro­zes­sur­teils 2.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und die ver­wal­tungs­recht­li­che Lite­ra­tur haben sich dem für das ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Ver­fah­ren ange­schlos­sen 3.

An die­ser Recht­spre­chung hält das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt fest. § 92 Abs. 1 Satz 2 VwGO bringt zum Aus­druck, dass auch der Beklag­te ab dem dort genann­ten Zeit­punkt einen Anspruch auf gericht­li­che Ent­schei­dung hat 4. Damit wird dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass der Beklag­te zu sei­ner Ver­tei­di­gung bereits Anstal­ten gemacht und finan­zi­el­len Auf­wand gehabt hat 5. Die­sel­be Wer­tung liegt der Recht­spre­chung zugrun­de, wonach der Beklag­te bei berech­tig­tem Inter­es­se trotz Erle­digt­er­klä­rung durch den Klä­ger einen Anspruch auf Nach­prü­fung hat, ob die Kla­ge gegen ihn zu Recht erho­ben wor­den ist 6.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bejaht danach eine Beschwer, wenn das Pro­zes­sur­teil nicht in dem­sel­ben Umfang in Rechts­kraft erwächst wie ein Sachur­teil, son­dern nur in gerin­ge­rem Umfang. Dies ist hier der Fall. Der Beklag­te hat zu gewär­ti­gen, dass die Fra­ge, die Gegen­stand des hie­si­gen Ver­fah­rens ist, in einem Fol­ge­pro­zess – etwa in dem ange­kün­dig­ten Amts­haf­tungs­pro­zess sowie in dem Rechts­streit um die Rück­gän­gig­ma­chung der Fol­gen der Ver­äu­ße­rung – erneut auf­ge­wor­fen wird, ohne dass er die mate­ri­el­le Rechts­kraft ein­wen­den kann.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Febru­ar 2011 – 7 B 49.10

  1. im Anschluss an BVerwG, Urtei­le vom 10.02.1960 – 5 C 14.58, BVerw­GE 10, 148, 149; und vom 10.04.1968 – 4 C 160.65, NJW 1968, 1795[]
  2. BGH, Urteil vom 18.11.1958 – VIII ZR 131/​57, BGHZ 28, 349; BAG, Beschluss vom 19.11.1985 – 1 ABR 37/​83, NJW 1987, 514[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 10.02.1960 – 5 C 14.58, BVerw­GE 10, 148, 149; Beschluss vom 15.03.1968 – 7 C 183.65, BVerw­GE 29, 210, 211; Urteil vom 10.04.1968 – 4 C 160.65, NJW 1968, 1795; Happ, in: Eyer­mann, VwGO, 13. Aufl., Vor­bem. zu § 124 Rn. 41; Blan­ke, in: Sodan/​Ziekow, VwGO, 3. Aufl., Vor­bem. zu § 124 Rn. 66[]
  4. vgl. Clausing, in: Schoch­/­Schmidt-Aßman­n/Pietz­ner, VwGO, § 92 Rn. 25[]
  5. vgl. Becker-Eber­hard, Münch­Komm-ZPO, 3. Aufl., § 269 Rn. 1[]
  6. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.01.1965 – 1 C 68.61, BVerw­GE 20, 146, 154[]