Der Dis­coun­ter auf der grü­nen Wie­se

Erklär­tes Ziel der Bau­leit­pla­nung in vie­len Städ­ten ist es, Geschäf­te nach Mög­lich­keit in der Innen­stadt zu hal­ten und die Kon­kur­renz durch Ein­kaufs­märk­te "auf der grü­nen Wie­se" oder in den Gewer­be­ge­bie­ten am Stadt­markt mög­lichst zu ver­hin­dern. Eines der Mit­tel hier­zu ist der Bebau­ungs­plan, in dem nach Ansicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz durch­aus zwi­schen "innen­stadt-rele­van­ten" und sons­ti­gen Geschäf­ten unter­schie­den wer­den darf:

Der Dis­coun­ter auf der grü­nen Wie­se

So ent­schied jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz, dass der Erwei­te­rung des ALDI-Mark­tes und dem Bau eines Dro­ge­rie­mark­tes in der Spey­er­dor­fer Stra­ße in Neu­stadt a. d. W. der Bebau­ungs­plan „Chem­nit­zer Stra­ße“ ent­ge­gen steht.

Die kla­gen­de Fir­ma ALDI beab­sich­tig­te, auf einem Grund­stück, das ca. 1 km Luft­li­nie vom Stadt­zen­trum von Neu­stadt an der Wein­straße ent­fernt liegt, einen vor­han­de­nen Ein­zel­han­dels­be­trieb erwei­tern sowie einen Dro­ge­rie­markt neu errich­ten. Die Beklag­te wies den Bau­an­trag unter Hin­weis auf den für das Grund­stück gel­ten­den Bebau­ungs­plan zurück. Der Bebau­ungs­plan las­se groß­flä­chi­ge Han­dels­be­trie­be nur für nicht zen­tren­re­le­van­te Ein­zel­han­dels­sor­ti­men­te zu. In den von der Klä­ge­rin geplan­ten Vor­ha­ben soll­ten dem­ge­gen­über vor allem Lebens­mit­tel und Dro­ge­rie­waren ver­trie­ben wer­den. Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge hat bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt abge­wie­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Koblenz bestä­tig­te nun die­se Ent­schei­dung.

Der Bebau­ungs­plan, wel­cher nur groß­flä­chi­ge Han­dels­be­trie­be mit nicht-innen­stadt­re­le­van­tem Sor­ti­ment zulas­se, sei hin­rei­chend bestimmt, auch wenn die Sor­ti­ments­lis­te nicht abschlie­ßend sei. Die bei­spiel­haf­te Auf­zäh­lung von Sor­ti­men­ten wei­se eine inne­re Sys­te­ma­tik auf, nach der sich ermit­teln las­se, wel­che Sor­ti­men­te im Ein­zel­nen im Plan­ge­biet zuläs­sig sein soll­ten. Der Aus­schluss von Ein­zel­han­dels­be­trie­ben mit zen­tren­re­le­van­ten Sor­ti­men­ten sei auch durch beson­de­re städ­te­bau­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt. Aus der Begrün­dung zum Bebau­ungs­plan erge­be sich, dass sich am Stadt­rand ein mit der Innen­stadt stark kon­kur­rie­ren­des Ein­kaufs­zen­trum gebil­det habe. Bei die­ser Sach­la­ge erwei­se es sich als schlüs­si­ges Pla­nungs­kon­zept, einer­seits dem Ansied­lungs­druck von groß­flä­chi­gem Ein­zel­han­del durch die Aus­wei­sung von Son­der­ge­bie­ten nach­zu­ge­ben, dort ande­rer­seits aber nur Sor­ti­men­te zuzu­las­sen, wel­che die bereits bekann­ten nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Stand­orts auf die Innen­stadt nicht wei­ter ver­schärften. Sei der Bebau­ungs­plan dem­nach wirk­sam, ste­he er der Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung für die Erwei­te­rung des vor­han­de­nen Aldi-Mark­tes und die Errich­tung eines Dro­ge­rie-Mark­tes ent­ge­gen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 1. Juni 2011 – 8 A 10399/​11.OVG