Der Feu­er­wehr­ein­satz und die Kos­ten

Soweit ein Feu­er­wehr­ein­satz der Lebens­ret­tung einer Per­son gilt, ist die­ser nach dem Nie­der­säch­si­schen Brand­schutz­ge­setz und der ein­schlä­gi­gen Feu­er­wehr­kos­ten­sat­zung unent­gelt­lich. Sind nach der Lebens­ret­tung jedoch wei­te­re Hil­fe­leis­tun­gen der Feu­er­wehr erfor­der­lich, ist der Ver­ur­sa­cher des Ein­sat­zes inso­weit zah­lungs­pflich­tig.

Der Feu­er­wehr­ein­satz und die Kos­ten

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg in zwei Fäl­len ent­schie­den, in denen sich ein Mann, der in der Sil­ves­ter­nacht 2012 einen Unfall ver­ur­sacht hat­te, bei dem er selbst lebens­ge­fähr­lich ver­letzt wur­de, gegen die Kos­ten­tra­gung des Feu­er­wehr­ein­sat­zes gewehrt hat. Am Neu­jahrs­mor­gen 2012 kam der Klä­ger gegen 4.00 Uhr früh mit sei­nem Pkw nach einer schar­fen Rechts­kur­ve von der Fahr­bahn ab, durch­fuhr zwei Gär­ten und prall­te anschlie­ßend gegen eine Haus­wand, die dadurch teil­wei­se durch­sto­ßen wur­de.

Gegen 4.04 Uhr wur­den die Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren Lüb­ber­stedt und Eges­torf sowie unmit­tel­bar im Anschluss die Poli­zei Salz­hau­sen alar­miert. Die Orts­wehr Lüb­ber­stedt rück­te mit einem Trag­kraft­sprit­zen­fahr­zeug (TSF) sowie mit neun Feu­er­wehr­leu­ten aus. Von der Feu­er­wehr Eges­torf kamen vier Kam­mera­den mit einem Tank­lösch­fahr­zeug (TLF 16/​25), neun Feu­er­wehr­leu­te mit einem Lösch­grup­pen­fahr­zeug (LF 10/​6) sowie drei Kam­mera­den mit einem Rüst­wa­gen (RW 2), der dem Land­kreis Har­burg gehört.

Im Lau­fe des Ein­sat­zes küm­mer­ten sich zunächst fünf Feu­er­wehr­leu­te um den Klä­ger, der bewusst­los in sei­nem völ­lig zer­stör­ten Fahr­zeug ein­ge­klemmt war. Nach ca. 15 Minu­ten wur­de der Klä­ger an den Not­arzt über­ge­ben und mit dem Kran­ken­wa­gen in das Kli­ni­kum Lüne­burg ver­bracht, wo ein Blut­al­ko­hol­ge­halt von 2,93 g/​l fest­ge­stellt wur­de. Die ande­ren Feu­er­wehr­leu­te waren mit dem Aus­leuch­ten und Absi­chern der in einer Kur­ve gele­ge­nen Ein­satz­stel­le befasst. Nach der Befrei­ung des Klä­gers hal­fen die Feu­er­wehr­leu­te dem Ber­gungs­un­ter­neh­men, den Pkw aus der Mau­er Rich­tung Abschlepp­wa­gen zu schie­ben. Zudem waren sie an der zer­stör­ten Haus­wand damit befasst, die ein­ge­drück­ten Wän­de von innen frei zu räu­men, damit Bal­ken und Dreh­stei­fen ange­setzt wer­den konn­te.

Die Kla­ge (6 A 78/​13) rich­te­te sich gegen einen Bescheid der Samt­ge­mein­de Han­stedt vom 4. April 2012, mit der die­se gegen­über dem Klä­ger Kos­ten für den ein­ein­halb­stün­di­gen Ein­satz der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Han­stedt, Orts­wehr Eges­torf, i. H. v. 574,14 EUR fest­setzt hat.

Eine wei­te­re Kla­ge (6 A 92/​12) rich­te­te sich gegen einen Bescheid des Land­krei­ses Har­burg vom 10. April 2012, mit dem die­se die Kos­ten für den zwei­stün­di­gen Ein­satz des Rüst­wa­gens i. H. v. 216,78 EUR gel­tend gemacht hat.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Lüne­burg ist in dem Ver­fah­ren gegen die Samt­ge­mein­de Han­stedt (6 A 78/​12) der Ein­satz, soweit er der Lebens­ret­tung des Klä­gers galt, nach dem Nie­der­säch­si­schen Brand­schutz­ge­setz und der ein­schlä­gi­gen Feu­er­wehr­kos­ten­sat­zung der Beklag­ten unent­gelt­lich. Anhand der vor­ge­leg­ten Ver­wal­tungs­vor­gän­ge, der Stel­lung­nah­men der Betei­lig­ten sowie der Aus­sa­gen des Ort­brand­meis­ters in der münd­li­chen Ver­hand­lung konn­te ermit­telt wer­den, dass fünf Feu­er­wehr­leu­te 15 Minu­ten mit der Lebens­ret­tung des Klä­gers befasst waren. Folg­lich kön­nen die dafür ver­an­schlag­ten Kos­ten, ein­schließ­lich der antei­li­gen Kos­ten des Lösch­grup­pen­fahr­zeugs als Trans­port­mit­tel von ins­ge­samt auf 64,62 EUR, nicht vom Klä­ger ver­langt wer­den.

Von dem Zeit­punkt, als der Klä­ger mit dem Kran­ken­wa­gen abtrans­por­tiert wor­den war, han­del­te es sich jedoch um einen nach den Nie­der­säch­si­schen Brand­schutz­ge­setz und der Feu­er­wehr­kos­ten­sat­zung kos­ten­pflich­ti­gen Ein­satz, so dass der Klä­ger die ver­blei­ben­den Kos­ten in Höhe von 509,51 EUR zah­len muss. Soweit der Klä­ger der Ansicht ist, dass der Ein­satz der Orts­wehr Eges­torf nicht oder nicht im erfolg­ten Umfang erfor­der­lich gewe­sen wäre, kann dem nicht gefolgt wer­den. Bei der eben­falls anwe­sen­den Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Lüber­stedt han­delt es sich nur um eine Orts­wehr mit Grund­aus­stat­tung, die nicht über die tech­ni­sche und per­so­nel­le Aus­stat­tung ver­fügt, die in Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den erfor­der­lich ist. Inso­fern wird die Feu­er­wehr Eges­torf in sol­chen Fäl­len – in Über­ein­stim­mung mit den Vor­ga­ben der Aus­rück­ord­nung und der Feu­er­wehr­ver­ord­nung – auto­ma­tisch dazu alar­miert. Zudem ist nicht erkenn­bar, dass bereits zum Zeit­punkt der Alar­mie­rung der Feu­er­wehr Eges­torf offen­sicht­lich gewe­sen wäre, dass die Hin­zu­zie­hung einer zwei­ten Wehr mit ent­spre­chen­den Fahr­zeu­gen und ent­spre­chen­der Aus­rüs­tung nicht erfor­der­lich gewe­sen wäre. Viel­mehr waren alle anwe­sen­den Feu­er­wehr­leu­te aktiv in die Hil­fe­leis­tung invol­viert.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat den Kos­ten­be­scheid inso­fern auf­ge­ho­ben, als dar­in Kos­ten von mehr als 509,51 EUR fest­ge­setzt wur­den. Im Übri­gen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen.

In dem Ver­fah­ren gegen die Kos­ten des Rüst­wa­gens hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen, da der Rüst­wa­gen nicht zur Lebens­ret­tung des Klä­gers, son­dern zu kos­ten­pflich­ti­gen Hil­fe­leis­tung im Unglücks­fall ein­ge­setzt wur­de und daher aus den glei­chen Grün­den wie im vor­he­ri­gen Ver­fah­ren kos­ten­pflich­tig ist.

Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, Urtei­le vom 9. August 2013 – 6 A 78/​13, 6 A 92/​12