Der gewerb­lich genutz­te inter­net­fä­hi­gen PC und die GEZ

Ein Frei­be­ruf­ler muss kei­ne dop­pel­ten Rund­funk­ge­büh­ren zah­len, wenn er einen inter­net­fä­hi­gen Com­pu­ter gewerb­lich nutzt
und auf dem­sel­ben Grund­stück bereits ein Rund­funk­ge­rät zum Emp­fang bereit­hält.

Der gewerb­lich genutz­te inter­net­fä­hi­gen PC und die GEZ

In einem jetzt vom Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen ent­schie­de­nen Fall wur­de der Klä­ger, ein frei­be­ruf­li­cher Com­pu­ter­fach­mann, für sei­nen gewerb­lich genutz­ten, inter­net­fä­hi­gen PC zur Zah­lung von Rund­funk­ge­büh­ren her­an­ge­zo­gen. In sei­nem Haus, wo er arbei­tet und wohnt, nutzt der Klä­ger pri­vat wei­te­re Rund­funk­ge­rä­te („Erst­ge­rä­te“), für die er Rund­funk­ge­büh­ren ent­rich­tet.

Mit sei­ner Kla­ge wand­te sich der Klä­ger gegen die dop­pel­te Zah­lungs­pflicht. Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof gab ihm nun Recht und ent­schied, dass der Klä­ger für den beruf­lich genutz­ten PC kei­ne wei­te­ren Gebüh­ren zah­len muss.

Zwar ist der inter­net­fä­hi­ge PC auch nach Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts grund­sätz­lich gebüh­ren­pflich­tig, ohne dass es auf den tat­säch­li­chen Rund­funk­emp­fang ankommt. Nach Auf­fas­sung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs han­delt es sich bei dem PC des Klä­gers jedoch um ein Zweit­ge­rät, das dem Aus­nah­me­tat­be­stand der Zweit­ge­rä­te­frei­heit (§ 5 Abs. 3 Satz 1 des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­trags) unter­fällt.

Der Wort­laut der Vor­schrift spre­che dafür, so der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, dass es nicht dar­auf ankom­me, ob das im sel­ben Haus­halt befind­li­che Erst­ge­rät beruf­lich oder pri­vat genutzt wer­de. Eine gegen­tei­li­ge Aus­le­gung, wonach auch das Erst­ge­rät aus­schließ­lich der nicht-pri­va­ten Nut­zung zuzu­ord­nen sein müs­se, um den gewerb­li­chen PC als gebüh­ren­be­frei­tes Zweit­ge­rät ein­zu­ord­nen, ent­sprä­che nicht dem Grund­satz der Norm­klar­heit. Die Sys­te­ma­tik des Staats­ver­trags und des­sen grund­sätz­li­che Tren­nung von pri­va­ter und nicht-pri­va­ter Nut­zung stün­den einem sol­chen Ver­ständ­nis nicht ent­ge­gen, eben­so wenig der Sinn und Zweck der Rege­lun­gen.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 27. April 2011 – 7 BV 10.443