Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft im Gewer­be­ge­biet

Zu den Grün­den, die zum Wohl der All­ge­mein­heit eine Befrei­ung von den Fest­set­zun­gen eines Bebau­ungs­plans hin­sicht­lich der Nut­zungs­art erfor­der­lich machen, zählt auch die Unter­brin­gung von Asyl­be­wer­bern. An einer erteil­ten Bau­ge­neh­mi­gung zur Nut­zung eines im "Hand­wer­ker­ge­biet" gele­ge­nen Gebäu­des als Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber bestehen daher kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit.

Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft im Gewer­be­ge­biet

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Fall zwei­er Eil­an­trä­ge von Nach­barn, die sich gegen die Bau­ge­neh­mi­gung der Stadt Fell­bach zur Nut­zung eines Gebäu­des im Gewer­be­ge­biet als Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber gewehrt haben. Die Stadt Fell­bach erteil­te einer Pri­vat­per­son (Bei­gela­de­ner) im Sep­tem­ber 2012 eine Bau­ge­neh­mi­gung zur Nut­zung sei­nes im "Hand­wer­ker­ge­biet" gele­ge­nen Gebäu­des als Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber. Der Bebau­ungs­plan setzt für das Bau­grund­stück und für das Grund­stück der Nach­barn ein "ein­ge­schränk­tes Gewer­be­ge­biet" fest. Die gegen die Bau­ge­neh­mi­gung gestell­ten Eil­an­trä­ge der Nach­barn lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart im Novem­ber 2012 ab. Auf die Beschwer­den der Nach­barn änder­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof mit Beschluss vom 14. März 2013 die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts und ent­schied, dass die Nut­zung des Gebäu­des als Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber vor­erst nicht voll­zo­gen wer­den dür­fe. Nach­dem das Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart im August 2013 eine Befrei­ung von den Fest­set­zun­gen des Bebau­ungs­plans hin­sicht­lich der Nut­zungs­art erteilt hat­te, bean­trag­te die Stadt Fell­bach beim Ver­wal­tungs­ge­richt die Abän­de­rung des Beschlus­ses vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof. Dage­gen haben sich zwei Nach­barn mit Eil­an­trä­gen gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart bestehen auf­grund der vom Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart aus­ge­spro­che­nen Befrei­ung nun­mehr kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der Bau­ge­neh­mi­gung. Die pla­ne­ri­sche Grund­kon­zep­ti­on des Bebau­ungs­plans sei auf dem Bau­grund­stück durch die tat­säch­li­che Ent­wick­lung über­holt. So habe die Stadt Fell­bach dem Bei­gela­de­nen 1975 eine Bau­ge­neh­mi­gung für den Ein­bau eines inter­nats­mä­ßi­gen Lehr­lings­heims unter Gewäh­rung einer Befrei­ung erteilt und 1992 u.a. wei­te­re 51 Wohn­heim­plät­ze geneh­migt. Auch erfor­der­ten Grün­de des Wohls der All­ge­mein­heit die Befrei­ung. Zu die­sen Grün­den zäh­le auch die Unter­brin­gung von Asyl­be­wer­bern. Dass im Bereich der Stadt Fell­bach und des Land­krei­ses Rems-Murr-Kreis erheb­li­che Pro­ble­me bei der Unter­brin­gung von Asyl­be­wer­bern bestehen, sei ange­sichts der deut­li­chen Zunah­me der Zahl der Asyl­be­wer­ber gerichts­be­kannt und wer­de durch ein Schrei­ben des Land­rats­amts Rems-Murr-Kreis vom 05.08.2013 ein­drucks­voll bestä­tigt. Danach habe die Wohn­raum­su­che des Land­krei­ses für Flücht­lin­ge auf dem pri­va­ten Woh­nungs­markt kei­nen Erfolg gebracht. Trotz kreis­weit geschal­te­ter Such­an­zei­gen sei kein pri­va­ter Ver­mie­ter gefun­den wor­den. Auch vie­le Anfra­gen bei Hotels und Gast­hö­fen hät­ten kei­ne Bereit­schaft der Betrei­ber erbracht, Zim­mer für Flücht­lin­ge an den Land­kreis zu ver­mie­ten. Die Befrei­ung sei schließ­lich auch mit den Inter­es­sen der Nach­barn ver­ein­bar.

Daher hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart den (anders­lau­ten­den) Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg vom 14. März 2013 abge­än­dert und die Eil­an­trä­ge der zwei Nach­barn abge­lehnt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Beschuss vom 14. Okto­ber 2013 – 11 K 2941/​13