Erle­dig­t­er­klä­rung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Aus­la­gen­er­stat­tung

Nach Erle­di­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist über die Aus­la­gen­er­stat­tung gemäß § 34a Abs. 3 BVerfGG nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ent­schei­den.

Erle­dig­t­er­klä­rung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Aus­la­gen­er­stat­tung

Die Erstat­tung der Aus­la­gen nach die­ser Vor­schrift stellt im Hin­blick auf die Kos­ten­frei­heit des Ver­fah­rens (§ 34 Abs. 1 BVerfGG), den feh­len­den Anwalts­zwang und das Feh­len eines bei Unter­lie­gen des Beschwer­de­füh­rers erstat­tungs­be­rech­tig­ten Geg­ners die Aus­nah­me von dem Grund­satz des Selbst­be­halts der eige­nen Aus­la­gen [1] dar [2].

Bei der Ent­schei­dung über die Aus­la­gen­er­stat­tung kann ins­be­son­de­re dem Grund, der zur Erle­di­gung geführt hat, wesent­li­che Bedeu­tung zukom­men. So ist es bil­lig, einer beschwer­de­füh­ren­den Per­son die Erstat­tung ihrer Aus­la­gen zuzu­er­ken­nen, wenn die öffent­li­che Gewalt von sich aus den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Akt besei­tigt oder der Beschwer auf ande­re Wei­se abhilft, weil in die­sem Fall – falls kei­ne ander­wei­ti­gen Grün­de ersicht­lich sind – davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass sie deren Begeh­ren selbst für berech­tigt erach­tet hat [3].

Im Hin­blick auf die Funk­ti­on und die Trag­wei­te der Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts fin­det eine über­schlä­gi­ge Beur­tei­lung der Erfolgs­aus­sicht der Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Rah­men der Ent­schei­dung über die Aus­la­gen­er­stat­tung nicht statt [4].

Nach die­sen Maß­stä­ben ent­sprach es der Bil­lig­keit, die Aus­la­gen­er­stat­tung im hier ent­schie­de­nen Fall nicht anzu­ord­nen:

Zwar hat das Ver­wal­tungs­ge­richt das Kla­ge­ver­fah­ren auf die Anhö­rungs­rü­ge des Beschwer­de­füh­rers fort­ge­führt und den vom Beschwer­de­füh­rer im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren gerüg­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen damit weit­ge­hend abge­hol­fen. Den­noch ent­spricht es nicht der Bil­lig­keit, die Erstat­tung der Aus­la­gen des Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens anzu­ord­nen, weil die Ver­fas­sungs­be­schwer­de vor Erlass der Abhil­fe­ent­schei­dung, das heißt vor Erlass des Beschlus­ses des Ver­wal­tungs­ge­richts, infol­ge der noch offe­nen – statt­haf­ten – Anhö­rungs­rü­ge unzu­läs­sig war [5].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Dezem­ber 2019 – 2 BvR 1890/​19

  1. vgl. BVerfGE 49, 70, 89[]
  2. vgl. BVerfGE 66, 152, 154[]
  3. vgl. BVerfGE 85, 109, 114 ff.; 87, 394, 397 f.[]
  4. vgl. BVerfGE 33, 247, 264 f.; BVerfG, Beschluss vom 29.05.2018 – 2 BvR 2767/​17, Rn. 13[]
  5. BVerfG, Beschluss vom 13.04.2011 – 1 BvR 689/​11 ?4; Beschluss vom 09.10.2014 – 2 BvR 550/​14 ?3; Lenz/​Hansel, Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ge­setz, 2. Aufl.2015, § 34a Rn. 39[]