Infor­ma­ti­ons­zu­gang zum Sach­leis­tungs­kon­sum der Bun­des­tags-Abge­ord­ne­ten

Es besteht kein Anspruch auf Infor­ma­ti­ons­zu­gang zum Sach­leis­tungs­kon­sum der Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in zwei Ver­fah­ren die Kla­gen eines Journalisten/​Redakteurs eines gro­ßen Medi­en­un­ter­neh­mens auf Zugang zu Infor­ma­tio­nen über die von Abge­ord­ne­ten erwor­be­nen Büro­ar­ti­kel sowie elek­tro­ni­schen Gerä­te (Digi­tal­ka­me­ras, iPods) abge­wie­sen.

Infor­ma­ti­ons­zu­gang zum Sach­leis­tungs­kon­sum der Bun­des­tags-Abge­ord­ne­ten

Die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges haben die Mög­lich­keit, im Rah­men ihrer Amts­aus­stat­tung bis zu einem Höchst­be­trag von 12.000 € jähr­lich Gegen­stän­de für ihren Büro- und Geschäfts­be­darf zu kau­fen und über die Ver­wal­tung des Bun­des­ta­ges abzu­rech­nen. Nach­dem Ende des Jah­res 2009 in der Pres­se über den Erwerb von hoch­wer­ti­gen Schreib­ge­rä­ten berich­tet wor­den war, bean­trag­te der Klä­ger unter Beru­fung auf das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz des Bun­des Zugang zu den Unter­la­gen der Bun­des­tags­ver­wal­tung über die Anschaf­fung von Mont­blanc-Schreib­ge­rä­ten und Digi­tal­ka­me­ras sowie Aus­kunft über den Erwerb von iPods.

Erst­in­stanz­lich hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die Bun­des­tags­ver­wal­tung zur erneu­ten Prü­fung des Infor­ma­ti­ons­ver­lan­gens hin­sicht­lich der Schreib­ge­rä­te und der Digi­tal­ka­me­ras ver­ur­teilt, weil die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten noch nicht zu einer mög­li­chen Ein­wil­li­gung in die Offen­le­gung die­ser Infor­ma­tio­nen ange­hört wor­den waren. Hin­sicht­lich der iPods hat­te es die Kla­ge abge­wie­sen. Die Bun­des­tags­ver­wal­tung hat die Anhö­rung im Ver­lauf des Beru­fungs­ver­fah­rens nach­ge­holt.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat nun in bei­den Ver­fah­ren die Kla­gen abge­wie­sen. Die Bun­des­tags­ver­wal­tung kön­ne sich nicht mit Erfolg auf den Schutz von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen und auf einen mit der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung ver­bun­de­nen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­wal­tungs­auf­wand beru­fen. Dem Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren ste­he jedoch der im Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz gere­gel­te Aus­schluss­grund des Schut­zes man­dats­be­zo­ge­ner Infor­ma­tio­nen ent­ge­gen.

Damit ist die Ange­le­gen­heit frei­lich noch nicht end­gül­tig ent­schie­den: Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung der Sache hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­sen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 7. Juni 2012 – OVG 12 B 34.10 und OVG 12 B 40.11